„Der Weg war hart und steinig“

    Michaela Schaffrath hat seit Juli ihren Wohnsitz in der Hansestadt

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    Wahlbremerin Michaela Schaffrath. Foto: Carlos Anthonyo

    1970 in Eschweiler bei Aachen geboren, wurde die ehemalige Kinderkrankenschwester ­Michaela Schaffrath Ende der 90er Jahre für zwei Jahre zum Erotikstar. Seit knapp 20 Jahren arbeitet sie mittlerweile als Film- und Theaterschauspielerin, Moderatorin sowie Synchronsprecherin. Mittlerweile lebt die 48-Jährige in Bremen. Wir sprachen mit ihr über ihre neue Heimat, das Sanieren von Häusern und die Schauspielerei.

    Frau Schaffrath, wie sind Sie nach Bremen gekommen?
    Michaela Schaffrath: Durch meinen Lebensgefährten Carlos, der gebürtiger Bremer ist. Wir haben uns 2010 in Hamburg kennengelernt. Er wurde mir damals von Jörg Knörr als Fotograf empfohlen. Nach der Trennung von meinem Mann haben sich unsere Wege dann wieder gekreuzt und mittlerweile sind wir seit 2013 ein Paar. Da wir seitdem unter anderem seine Mutter regelmäßig besuchen haben, lernte ich auf diese Weise Bremen kennen und lieben.

    Heißt das, dass Sie die Stadt vorher nicht kannten?
    Ich muss gestehen, dass ich Bremen vorher nicht auf dem Schirm hatte. Als Rheinländerin kam man irgendwie nicht hier hoch. Dann ging es allerdings sehr schnell, dass ich die Stadt ins Herz geschlossen habe. Und als es sich ergab, dass Carlos das Altbremer Haus seiner Oma geerbt hat …

    … haben Sie beschlossen nach Bremen zu ziehen?
    Genau. Wir haben uns überlegt, warum wir in Hamburg Miete zahlen sollen, wenn wir in Bremen ein leer stehendes Haus haben. Also haben wir uns vor zwei Jahren entschieden, von der Elbe an die Weser zu ziehen und das Haus zu renovieren. Aus der Renovierung ist dann allerdings ganz schnell eine Sanierung geworden. Wir sind jetzt seit zwei Jahren dabei und wahrscheinlich nimmt das nie ein Ende. Seit Juli sind wir jetzt übrigens auch ganz offiziell Bremer.

    Haben Sie selbst auch renoviert beziehungsweise saniert?
    Das meiste haben wir selbst gemacht. Für Klempnerarbeiten und die Elektrizität waren Fachleute vor Ort, aber die Trockenbauarbeiten, diverse Reparaturen oder das Fliesenlegen haben wir selbst gemacht.

    Die 48-Jährige privat beim Renovieren. Foto: FR

    Das können Sie?
    Ich bin die Tochter eines Maurers und bin sozusagen auf der Baustelle aufgewachsen. Schon meine Eltern haben damals ein Haus umgebaut und ich habe da auch mitgeholfen.

    Sind Sie denn schon in Bremen angekommen?
    Ja, absolut. Ich entdecke jeden Tag, an dem ich hier bin, die Stadt neu. Ich will die Bremer gar nicht umgarnen, aber ich fühle mich unglaublich gut aufgenommen und schon richtig zuhause. Und das, obwohl ich gar nicht soviel Zeit in der Stadt verbringen kann, wie ich eigentlich möchte, da ich ständig unterwegs bin. Und wenn ich mal da bin, bewege ich mich hauptsächlich zwischen Baumarkt und Haus (lacht). Aber auch im Baumarkt gibt es ja die eine oder andere besondere Begegnung.

    Was meinen Sie?
    Ich brauchte noch ein bestimmtes Teil während der Renovierungsarbeiten und bin dann mal schnell in meinen Arbeitsklamotten und ungeschminkt in einen Baumarkt gefahren. Ich sah wirklich schrecklich aus. Im Baumarkt sprach mich dann ein Verkäufer an: „Sind Sie etwa die Michaela Schaffrath? Sie sehen im wirklichen Leben ja noch besser aus!“ Unfassbar, aber eigentlich auch sehr lustig.

    Werden Sie viel erkannt und angesprochen?
    Ja, aber in Bremen ist es etwas anders als in einigen anderen Städten. Die Menschen sind hier ein wenig zurückhaltender. Ich habe es früher schon erlebt, dass ich, während ich gegessen habe oder mitten in einem Gespräch war, nach einem Autogramm oder Selfie gefragt worden bin. Das ist hier bisher noch nicht passiert.

    Sie sind mittlerweile seit 20 Jahren als Schauspielerin tätig. Wie kam es dazu?
    Das stimmt, ich bin auch sehr stolz darauf, mich 20 Jahre trotz meiner Vorgeschichte in der Branche gehalten zu haben. Ich glaube, so etwas gibt es sonst nicht. Der Weg war nicht leicht, sondern sehr hart und steinig.

    Weil Sie immer wieder auf die zwei Jahre in der Erotikbranche reduziert wurden?
    Genau. Ich wurde praktisch vorverurteilt und mir wurde nichts zugetraut. Dennoch habe ich nicht aufgegeben, auch wenn ich immer wieder gefragt werde, wie ich damals nur so etwas habe machen können? Weil ich mit Mitte 20 einfach dazu Lust hatte. Basta! Natürlich würde ich heute vieles anders machen. Aber wer hat denn sein Leben ohne Fehler gelebt? Man lernt daraus, auch wenn das jetzt vielleicht ein wenig pathetisch klingt. Aber meine Erfahrungen haben mich im positiven und negativen Sinne geprägt und zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

    Und wie sind Sie dann zur Schauspielerei gekommen?

    Michaela Schaffrath als Schauspielerin am Theater Schlossfestspiele Neersen. Foto: Carlos Anthonyo

    Ich wurde für einen Teaser der Fernsehsendung „Peep“ mit Verona Feldbusch, wie sie damals noch hieß, gebucht. Anschließend kam der Regisseur zu mir und sagte, dass ich eine unheimliche Ausstrahlung vor der Kamera besäße und fragte, ob ich Lust hätte, bei seinem Kino-debütfilm mitzuwirken. Ich ging also zum Casting nach München und bekam die Rolle. So wurde „Der tote Taucher im Wald“ mein erster Kinofilm, in dem ich mitgespielt habe. Dann habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir das machte. Ich hatte zudem das große Glück, bei dem Dreh den großartigen Dieter Pfaff kennenzulernen und mich mit ihm anzufreunden. Er ist über viele Jahre mein Mentor gewesen. Seine Meinung war mir sehr wichtig, auch als es um meine Zukunft ging.

    Was genau meinen Sie?
    Nun ja, ich hätte meinen Erfolg in der Erotikbranche weiter ausschlachten und sehr viel Geld verdienen können. Oder sollte ich das Wagnis der Schauspielerei eingehen und völlig neues Terrain betreten, ohne zu wissen, was die Zukunft bringt? Dieter meinte, dass ich ein großes Talent sei und dass er mir empfehlen würde, weiter zu schauspielern. Eine schwierige Entscheidung damals. Auf der einen Seite, die Möglichkeit viel Geld zu verdienen, auf der anderen Seite musste ich noch einmal ganz klein anfangen. Aber ich weiß nicht, ob ich mit ersterem glücklich geworden wäre. Heute kann ich sagen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, denn ich bin glücklich. Mein Leben ist so abwechslungsreich und spannend geworden, da ich ja nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Moderatorin für das Radio und diverse Events tätig bin.

    Mittlerweile sind Sie auch Theaterschauspielerin.
    Mittlerweile ist gut, ich feiere nächstes Jahr zehnjähriges Bühnenjubiläum. Es macht mir einen Riesenspaß und ich entwickle mich mit jeder Rolle weiter. Inzwischen spiele ich in der ganzen Republik – in Hannover, Braunschweig, Düsseldorf, Köln, München und sogar in Österreich und der Schweiz.

    Und wann sehen wir Sie mal auf einer Bremer Bühne?
    Das ist eine gute Frage. Es wäre ein Traum für mich, in der Stadt, in der ich lebe, auch zu arbeiten. Ich bin guter Dinge, dass das irgendwann klappt. Schließlich bin ich ja gerade erst Bremerin geworden und so schnell kriegt mich hier keiner wieder weg.