Start Bremen Jonny blickt auf Werder Der Super-Gau

Der Super-Gau

Jonny Otten, Jahrgang 1961, machte von 1979 bis 1992 insgesamt 349 Spiele für Werder Bremen, in denen er drei Tore erzielte. Zudem brachte er es auf sechs Einsätze für die Nationalmannschaft. Im STADTMAGAZIN wirft der ehe­malige Linksverteidiger einen monatlichen Blick auf Werder.

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Jonny Otten.

Nun ist also tatsächlich passiert, was viele von uns nicht zu glauben wagten. Der ruhmreiche SV Werder Bremen ist zum zweiten Mal abgestiegen. Nach 40 Jahren am Stück in der Bundesliga, inklusive dreier deutscher Meisterschaften, einem Erfolg im Europapokal der Pokalsieger, fünf DFB-Pokaltiteln sowie den insgesamt meisten Bundesligaspielen aller Mannschaften überhaupt. Es waren die glorreichsten Jahre nach dem Aufstieg 1981, maßgeblich geprägt von den Ären Otto Rehhagel und Thomas Schaaf. Letzterer sollte es mit nur einem Spiel versuchen, diesen Abstieg noch einmal zu verhindern. Allein, es klappte nicht. Alles aus und vorbei.

Aber woran lag es? Und vor allem: Wie kann es jetzt weitergehen? Auch wenn viele sich verwundert die Augen reiben – der Abstieg kam nicht von ungefähr. In den vergangenen zehn Jahren spielte der Verein fast jedes Jahr um den Verbleib in der Liga. Lediglich 2019 stand mit Platz acht ein gutes Ergebnis mit Blick nach oben. Nach der vergangenen Saison mit den Relegationsspielen gegen Heidenheim sollte es kein „Weiter so!“ geben. Und ich bin davon überzeugt, dass die Verantwortlichen alles daran setzten – aber es kam anders. Woran es liegt, ist von außen schwer zu erklären. Sicherlich spielt die Zusammensetzung der Mannschaft dabei eine Rolle. Mir persönlich fehlt es an Kämpfertypen und an Leadern. Thomas Schaaf hat es schon richtig erkannt, als er sagte, dass die Mannschaft viel zu viel über sich ergehen lasse. Vielleicht ist auch zu lange an Trainer Florian Kohfeldt festgehalten worden. Fest steht: Jetzt müssen sich wirklich alle hinterfragen. Jeder Stein muss umgedreht werden, denn es geht um Werder und nicht um persönliche Eitelkeiten.
Wenn das geschieht, kann der Abstieg vielleicht positiv genutzt werden. Es besteht die Möglichkeit, eine neue und hungrige Mannschaft aufzubauen. Dabei wird die zweite Liga ganz sicher kein Selbstläufer. Auch der HSV, Schalke, Düsseldorf, St. Pauli, Hannover oder Karlsruhe wollen ein Wörtchen in Sachen Aufstieg mitreden. Wie schwer das werden kann, ist beim Nachbarn aus Hamburg zu sehen. Ich glaube aber, dass Werder, wenn alle zusammenstehen – Mannschaft, Verantwortliche und Fans – es schaffen kann – für unsere Mannschaft, für unseren Verein, für unsere Stadt!

Liebe Leser des STADTMAGAZIN Bremen, in den vergangenen dreieinhalb Jahren habe ich an dieser Stelle einen Blick auf Werder geworfen. Es hat mir stets große Freude gemacht, über meinen Herzensverein zu berichten, aber jetzt ist es an der Zeit, etwas anderes zu machen. Ich bedanke mich an dieser Stelle für Ihr Interesse und hoffe, dass wir in der kommenden Saison gemeinsam den Aufstieg von Werder feiern können.

Herzlichst, Ihr Jonny Otten!