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„Das Pendeln passt zu mir“

Atiye im Interview: Warum sich der Popstar vom Bosporus in Bremen zu Hause fühlt

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Die Musikerin und Sängerin Atiye am Hafenbecken.
Atiye ist in der Türkei ein gefeierter Star. In Bremen kann sie sich privat unerkannt bewegen. Foto: Marco Meister

Orientalische Klänge treffen auf moderne Pop-Einflüsse: Atiye macht Musik, die ihr eigenes Leben spiegelt, ist die 29-Jährige doch auf beiden Kontinenten aufgewachsen. Und der Mix beschert ihr Erfolg: 2011 nahm sie den MTV Europe Music Award als bester türkischer Act entgegen, heute folgen ihr 1,7 Millionen Menschen bei Facebook. Nach mehreren Ortswechseln zog es sie vor anderthalb Jahren zurück nach Bremen, in ihre Heimatstadt, wo sie sie ihr Privatleben an der Weser jenseits des Rampenlichts genießen kann. Wir sprachen mit dem Popstar über den Erfolg in der Türkei, über kommende Projekte und die Frage, wie sich das Pendeln zwischen Istanbul und der Stadt an der Weser anfühlt.

Hallo Atiye, seit wir uns das letzte Mal zum Interview trafen, sind anderthalb Jahre vergangen. Damals waren Sie gerade von Istanbul in Ihre Bremer Wohnung gezogen. Haben Sie sich mittlerweile gut eingelebt?
Atiye: Die Zeit ist so schnell vergangen, seit ich meine Wohnung in Bremen bezogen habe. Ich fühle mich auch sehr wohl an der Weser, nur leider fehlt mir oft die Zeit für längere Aufenthalte. Die meiste Zeit verbringe ich in Istanbul, wo ich gerade an einem neuen Album arbeite und viele Auftritte habe. Im Schnitt bin ich etwa alle zwei Monate in Bremen. Neulich habe ich erfahren, dass sich seit meinem letzten Besuch eine Taubenfamilie auf meinem Balkon eingenistet hat – es wird also höchste Zeit, mal wieder nach Bremen zu kommen!

Sie sind in der Türkei eine sehr erfolgreiche Musikerin und haben dort regelmäßig Auftritte vor großem Publikum. Wie fühlt es sich an, zwischen Bremen und Istanbul zu pendeln?
Ich bin es gewohnt, in unterschiedlichen Ländern und Städten zu leben, da ich mit meiner Familie schon als Kind oft umgezogen bin. Ich bin also quasi zwischen den Kontinenten aufgewachsen. Von Deutschland aus ging es zunächst für eine Zeit lang nach Amerika, dann in die Türkei, später nach Holland und nun bin ich im Wechsel in Istanbul und Bremen. Das Pendeln passt zu mir, denn mir gefällt es, ein abwechslungsreiches Leben zu führen. Ich empfinde es als Privileg und Bereicherung, mich in mehreren Kulturen heimisch zu fühlen.

Sie wurden in Bremen geboren und haben auch schon als Kind viel Zeit an der Weser verbracht. Welche Erinnerungen sind Ihnen aus frühen Jahren im Gedächtnis geblieben?
Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ich als Kind mit der Fähre zum Café Sand übergesetzt bin, wo es damals schon sehr schön war. Zu dieser Zeit haben wir in der Neustadt gewohnt. Als ich vier war, bin ich dann mit meiner Familie aufs Land nach Oyten gezogen. Und ich fand es später total spannend, in die Stadt zu fahren, über die Flohmärkte zu bummeln, den Kajenmarkt an der Schlachte und die Geschäfte in der Innenstadt zu besuchen. Insgesamt habe ich sehr viele schöne Kindheitserinnerungen aus der Zeit in Bremen.

Hat sich Ihre Sicht auf die Stadt mit den Jahren verändert?
Bremen wird immer schöner, immer jünger, bunter und hipper! Bremen ist mittlerweile eine coole, multikulturelle Stadt mit viel mehr Cafés und Bars, als noch in den 90er Jahren. Auch musikalisch hat sich viel getan: Es gibt heute bei vielen Konzerten deutlich mehr Einflüsse aus anderen Kulturen. Deshalb kann ich mich auch so gut mit dieser Stadt identifizieren.

Im Februar haben Sie im Schlachthof Ihr erstes eigenes Konzert vor Bremer Publikum gegeben. Wie nehmen Sie die Musikszene hier wahr?
Mir fällt immer wieder auf, dass die Bewohner der Stadt ein großes Interesse an Kunst haben. Darum sind auch so viele Konzerte in den großen Hallen regelmäßig ausgebucht. Das zeigt die Liebe der Leute für die Musik. Vor diesem Hintergrund war der erste Auftritt in Bremen, in meiner Heimatstadt, ein großes Ereignis! Und ich bin sehr froh, dass so viele türkische und deutsche Konzertbesucher, darunter Freunde und Familie, den Abend mit mir und meiner Band gefeiert haben.

Welche Pläne haben Sie für die kommenden Monate?
In Kürze veröffentliche ich das Video zu meiner aktuellen Single „Tom Tom“, das wir in einem alten Hamam in Istanbul gedreht haben. Die darin zu sehenden Bilder sind sehr kontrastreich, wechseln zwischen Moderne und orientalischer Tradition – eine sehr spannende Mischung, wie ich finde. Außerdem kommt bald meine neue Single in der Türkei raus. Bis dahin möchte ich aber erstmal ein bisschen den Sommer genießen – hoffentlich in Bremen – denn dort ist das Wetter zurzeit viel besser, als in Istanbul!

Ihr Vater handelt mit Trockenfrüchten, der Firmensitz seines Unternehmens ist in der Nähe von Bremen. Haben Sie mit diesem Geschäft auch etwas zu tun?
Ja, ich bin Botschafterin für die Bio-­Marke One Nature. Derzeit planen wir gemeinsam diverse Werbekampagnen für die Produkte aus dem Sortiment und bereiten unter anderem einen Werbesong vor.

Der Sommer in Bremen steht bevor. Worauf freuen Sie sich besonders?
Unsere Familie hat eine Parzelle, auf der sich alle beim Pflanzen einbringen können. Auf die gemeinsame Zeit im Garten, die Grillabende und die kommenden warmen Sommertage freue ich mich am meisten! Aber auch auf den Werdersee, aufs Inlineskaten und organisierte Radtouren mit Freunden.