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„Das Herz am rechten Fleck“

10. Mai: Herbert Knebels Affentheater in der Glocke

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Foto: FR

Ende der 80er Jahre erfand der Kabarettist und Komiker Uwe Lyko die Kunstfigur Herbert Knebel, einen ehemaligen Bergmann, der 1988 aufgrund seiner Staublunge zum Frührentner wurde und seitdem seine Philosophien über das Leben mit „Boah, glaubse … ich sach’ Sie!“ einleitet. Im Interview spricht Uwe Lyko über die Entstehung seines Alter Egos, das ungeliebte Image des nörgelnden Ruhpott-Opas sowie das aktuelle Programm „Außer Rand und Band“.

Wie ist die Figur des Herbert Knebels entstanden?
Uwe Lyko: Ganz zufällig, beim Herumalbern und improvisieren. Plötzlich waren die Stimme und der Gestus da. Anfangs war das Konzept bei Knebels Affentheater noch ein wenig anders. Damals war das Ganze eher ein Panoptikum schräger Figuren und Knebel war nur einer von vielen. Die Figur hat mir aber am meisten Spaß gemacht und kam auch beim Publikum am besten an.

Das Ganze soll eigentlich mal als eine Art Feierabendprojekt gestartet sein …
Das ist richtig. Es hat niemand damit gerechnet, dass das Ganze einmal solche Ausmaße annimmt. Wobei, wenn ich ehrlich bin, habe ich bereits nach dem ersten Auftritt gedacht, dass, wenn uns die Ideen nicht ausgehen würden, es durchaus etwas mit dem Projekt werden könnte.

Gerade bei ihrem ersten Auftritt soll es ein paar Dinge gegeben haben, die beim Publikum nicht so gut ankamen …
Das ist richtig. Es war ja praktisch eine ­öffentliche Probe. Und anschließend haben wir die Sachen, die nicht so funktioniert haben, aus dem Programm geschmissen. Vielleicht war das Publikum damals auch einfach nicht so weit und man müsste das heute noch einmal ausprobieren. Wahrscheinlich waren die Sachen aber einfach nicht so gut und wir lassen das lieber. Jedenfalls hatte sich das Ganze damals, Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre im Ruhrgebiet ziemlich schnell rumgesprochen und wir hatten schnell ziemlich viele Besucher. Später schwappte das dann auch in andere Gebiete über.

Herbert Knebel wird oftmals als nörgelnder Ruhrpott-Opa dargestellt. Ist das aus Ihrer Sicht richtig?
Nein, das ist überhaupt nicht richtig. Das mit dem nörgelnden Opa aus dem Ruhrgebiet hat sich mal irgendeiner ausgedacht und dann ist das so übernommen worden. Da kriege ich direkt Hautausschlag. Das ist viel zu kurz gegriffen. Der Knebel hat nämlich nichts Spießiges, sondern der macht sich über die Spießer lustig. Er hat eher eine leicht anarchische Ader, ohne dass er das selber weiß. Er erklärt sich die Welt ein wenig wie ein Kind unter dem Motto: „Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Im Ruhrgebiet sprechen wir von „Trinkhallenphilosophen“. Wenn der Knebel nur am Meckern und Nörgeln wäre, wäre er auch nicht so beliebt geworden. Ich finde, dass er trotz seiner Schroffheit und Kantigkeit durchaus etwas Sympathisches hat. Das Herz am rechten Fleck sozusagen.

Was dürfen die Zuschauer bei Ihrem aktuellen Programm erwarten?
Ein typisches Affentheater-Programm: Die bewährte Mixtur aus Knebel-Solo-Nummern und Ensemblegeschichten, angereichert mit sehr viel Musik quer durch alle Genres. Die Elvis-Nummer gibt es nicht mehr, dafür werden wir mit einem anderen Hochkaräter aufwarten. Wer das wird, verrate ich aber noch nicht.

Freitag, 10. Mai, Glocke, 20 Uhr