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Corona beeinflusst die Arbeitswelt

Arbeitnehmerkammer Bremen blickt auf ein beratungsintensives Jahr zurück

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Foto: Christina Kuhaupt

Bei Angestellten im Land Bremen sorgt die Coronapandemie nach wie vor für Verunsicherung. Zu diesem Fazit kommt die Arbeitnehmerkammer Bremen angesichts ihres gestiegenen Beratungsvolumens im vergangenen Jahr. So hat die Kammer laut eigenen Angaben 2021 das zweite Jahr in Folge mehr als 100.000 Beratungen durchgeführt. Dies entspreche einem Plus von rund zehn Prozent im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeiten.

„Wir blicken auf ein beratungsintensives Jahr zurück, in dem Corona weiterhin die Situation am Arbeitsplatz bestimmt hat“, kommentiert Hauptgeschäftsführer Ingo Schierenbeck das Beratungsaufkommen. Angesichts „ständiger neuer Anpassungen und Verordnungen“ komme in den Betrieben kaum eine Routine im Umgang mit dem Virus auf, es herrsche weiterhin Unsicherheit in vielen Punkten. Schierenbeck: „In der Krise haben wir Hochkonjunktur.“

Als Topthema benennt die Arbeitnehmerkammer für 2021 jegliche Fragen rund um die Vergütung: 6357 von insgesamt 53.254 Arbeitsrechtsberatungen befassten sich inhaltlich damit. Der Beratungsbedarf zu den Themen Entlassung (5059) und Fragen rund um den Arbeitsvertrag (4647) war ebenfalls groß. Zudem hätten laut Kammerangaben im zweiten Coronajahr vor allem Fragen zum Arbeitsschutz und zu psychischen Belastungen einen großen Zuwachs erfahren. Worum es in diesen Beratungsfällen konkret ging, weiß Kaarina Hauer, Leiterin der Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer. „Im zweiten Coronajahr ging es vor allem ums Homeoffice, um Test- und Impfregelungen oder um Quarantänevorschriften“, resümiert sie. So hätten Arbeitnehmende trotz Homeoffice-Empfehlungen im Betrieb arbeiten müssen, andere seien gegen ihren Willen in die Heimarbeit gedrängt worden. Kam das Thema Arbeitsschutz vor der Pandemie eher selten in den Beratungen vor, stieg die Nachfrage 2021 nach 2020 erneut um knapp 20 Prozent auf 1080 Beratungen an. Auch die psychischen Belastungen in der Arbeitswelt scheinen in der Pandemie weiterhin groß: Mit 1100 Beratungen verzeichnete die Arbeitnehmerkammer einen thematischen Zuwachs von etwa 17 Prozent. Im Mittelpunkt standen in den Gesprächen die zunehmende Arbeitsverdichtung und der damit verbundene hohe Arbeitsdruck. Als Betroffene holten sich vor allem Angestellte aus der Logistikbranche und der Pflege Rat. Damit einher ging laut Auffassung der Arbeitnehmerkammer häufig der Wunsch nach einem Jobwechsel: Um rund elf Prozent sei das Beratungsaufkommen rund um arbeitnehmerseitige Kündigungen 2021 gestiegen. Schierenbeck: „Wer aus einer von der Coronakrise besonders betroffenen Branche wechseln kann, macht das inzwischen zunehmend.“