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Bremens heimliche Hauptstraße

Michaela Schaffrath ist Schauspielerin, Sprecherin und Moderatorin. In ihrer Kolumne entdeckt die Neubremerin für das STADTMAGAZIN die besonderen, verborgenen und weniger bekannten Orte der Hansestadt.

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Michaela Schaffrath, Schauspielerin. Foto: C. Anthonyo

Der renommierte Bremer Kaffee-Kaufmann Ludwig Roselius
hat einmal gesagt „Wir sind von Gott bestimmt, Materie in Geist zu verwandeln“. Der Gründer der Firma Kaffee HAG hat nicht nur den weltweit ersten koffeinfreien Kaffee erfunden, er zeichnete sich auch durch sein Engagement als Mäzen aus, der besonders an der Förderung der bildenden Künste interessiert war. Und sein wohl wichtigstes Erbe hat er uns mitten im Herzen der Altstadt hinterlassen: die Böttcherstraße.

Die historische Handwerksgasse zwischen Marktplatz und Weser ist zwar nur 108 Meter lang, zählt aber aufgrund ihrer außergewöhnlichen und kunstvollen Architektur zu den international bekannten Sehenswürdigkeiten Bremens. Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Besuch dort erinnern, denn ich war sofort angetan von dem beeindruckenden Mix aus Kunst, Handel, Genuss und Kultur dieser kleinen, aber feinen Gasse. Den marktseitigen Eingang zur Böttcherstraße ziert ein imposantes, vergoldetes Bronzerelief: „Der Lichtbringer“ weist den Besuchern den Weg. Das Besondere an diesem Ort ist, dass es sich bei jedem Haus in dieser Straße um ein historisches Kunstwerk handelt, das einen Namen trägt, wie etwa das Haus der Sieben Faulen, das Robinson-Crusoe-Haus oder das Haus Atlantis. Kreative Geschäfte von der Bonbonmanufaktur über den Werkschauladen bis hin zur Seifenwerkstatt sorgen für ein abwechslungsreiches Shopping-Angebot. Kunstliebhabern empfehle ich einen Besuch in den beiden ansässigen Museen. Das Ludwig Roselius Museum beherbergt die private Kunstsammlung des Kaufmanns und zeigt nordeuropäische Kunst vom Mittelalter bis zum Barock. Ebenfalls sehenswert ist das Paula Modersohn-Becker Museum. Es ist das weltweit erste Museum, welches dem Werk einer Künstlerin gewidmet ist und dauerhaft Meisterwerke seiner Namensgeberin ausstellt.

Das leibliche Wohl kommt ebenfalls nicht zu kurz: Dafür sorgen Restaurants, Cafés und Bars. Ein besonderes Highlight ist das Glockenspiel zwischen den Giebeln des „Hauses des Glockenspiels“: Es besteht aus 30 Meißener Porzellanglocken, die im Sommer von 12 bis 18 Uhr stündlich Seemanns- und Volkslieder spielen. Für ein Erinnerungsfoto bietet sich der „Sieben-Faulen-Brunnen“ im Handwerkshof an, denn auf der Brunnenröhre spazieren fröhlich die Bremer Stadtmusikanten entlang außer dem Hahn – der war leider bei meinem letzten Besuch „ausgeflogen“. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Bummeln, Shoppen und Schlemmen in der heimlichen Hauptstraße Bremens!