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„Bremen ist für mich das Tor zur Welt“

Christopher von Deylen gastiert mit Schiller in der ÖVB-Arena

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Christoph von Deylen mag die Weser sehr. Foto: M. Meister

In Visselhövede, einer Kleinstadt zwischen Hannover, Hamburg und Bremen geboren und aufgewachsen, gilt Christopher von Deylen mit seinem Projekt Schiller als einer der wichtigsten Elektro-Musikkünstler des Landes. Zum 20-jährigen Jubiläum erschien mit „Morgenstund“ sein zehntes Studioalbum, auf dem mit Nena, Giorgio Moroder, Tangerine Dream und weiteren namhafte Gastmusiker vertreten sind. Im Interview spricht von Deylen über seinen Bezug zur Hansestadt, wie er zur Musik gekommen ist sowie die Besonderheiten der Jubiläumstournee.

Herr von Deylen, Sie kommen gebürtig aus Visselhövede. Da haben Sie doch bestimmt auch einen Bezug zu Bremen, oder?

Von Deylen: Selbstverständlich. Bremen war für mich als Teenager ein ständiger Anziehungspunkt. Ich war sehr oft in der Stadt zu Besuch und habe damals sehr viele Freunde hier gehabt. Einige habe ich immer noch. Aber es gibt auch noch mehr …

Was meinen Sie?
Bremen ist für mich eigentlich die perfekte Großstadt – und das sage ich nicht, weil wir uns zum Interview in Bremen getroffen haben oder ich mein Konzert promoten will (lacht). Die Stadt hat für mich die perfekte Größe. In einem relativ überschaubaren Umfeld gibt es sehr viele verschiedene Facetten, die man erleben kann.

Zum Beispiel?
Man kann im Viertel oder an der Weser entlang spazieren oder die neue Überseestadt besuchen, die ich sehr faszinierend finde. Bremen war und ist für mich das Tor zur Welt. Es liegt näher am Meer als Hamburg. Und ich verbinde einfach auch viele positive Erinnerungen mit der Stadt.

Welche sind das?
Als Kind bin ich mit meinen Großeltern immer zum Freimarkt gefahren. Das war fantastisch. Dieses Zusammenspiel von Musik und Licht bei den Fahrgeschäften faszinierte mich schon damals, die Ansagen an den Karussells sowie der Geruch nach gebrannten Mandeln und Schmalzkuchen haben einen festen Platz in meinen Erinnerungen.

Besuchen Sie Stadt heute noch regelmäßig?
Ja, zumal auch der Freund, der mich zur Musik gebracht hat, aus Bremen kommt. Er gab mir damals im Alter von zwölf Jahren eine Tangerine-Dream-Kassette, und ich wusste sofort, dass ich so etwas auch mache wollte.

Foto: M. Meister

Gibt es bestimmte Orte, die Sie in der Stadt gerne besuchen?
Es sind nicht unbedingt die touristischen Orte, die ich dann aufsuche. Ich bin sehr gerne am Wasser, am Fluss, der seit Ewigkeiten durch die Stadt fließt. Über eine der vielen Brücken zu gehen und ins Wasser zu gucken, inspiriert mich. Ich mag die verborgenen Orte, die eher keine Postkartenmotive sind und an denen man die Energie der Stadt spürt.

Wie kommt man als Heranwachsender in Visselhövede zur elektronischen Musik?
Es ist auch ein großer Vorteil gewesen, in den 80er Jahren auf dem Land aufgewachsen zu sein. Es gab relativ wenige Möglichkeiten zur Zerstreuung, so dass man sich seine Erlebnisse selbst schaffen musste. Man kann das langweilig finden und in die Stadt flüchten. Aber auf der anderen Seite bietet das auch eine Chance, etwas mit seiner Zeit anzufangen und etwas zu erschaffen. Ich habe es eher als positiv empfunden, so wahnsinnig viel Zeit für mich zu haben.

Wie sind Sie zu Ihrem ersten Instrument gekommen?
Als ich sechs Jahre alt war, hat mein Großvater mir ein Klavier geschenkt, was ich natürlich sehr toll fand. Meine Eltern haben mir dann den dazugehörigen Klavierunterricht geschenkt, was ich weniger toll fand. Ich kann heute aber sagen, dass ich in den paar Jahren, in denen ich Klavierunterricht hatte, genug gelernt habe, um mich heute entschlossen genug ausdrücken zu können. Ich bin aber nicht sehr virtuos, was mir insofern hilft, dass dadurch meine Stücke an Klarheit gewinnen. Man kann sagen, dass ich über ein gewisses Maß an Virtuosität gar nicht hinauskommen kann (lacht). Dieses Defizit versuche ich heute mit Schiller positiv urbar zu machen.

Und wann kam der erste Synthesizer?
Das war Mitte der 80er Jahre. Ich hatte sozusagen gerade von Tangerine Dream gehört und wollte unbedingt einen solchen Sound machen. Ich bin dafür damals in den Ferien arbeiten gegangen. Anschließend habe ich mir mein erstes kleines Studio eingerichtet.

War es damals schon Ihr Entschluss, die Musik einmal zu Ihrem Beruf zu machen?
Es war eine Leidenschaft, ich habe aber nie im Traum daran gedacht, davon leben zu können, geschweige denn Konzerte zu spielen und Alben zu veröffentlichen. Man kann sogar sagen, dass es nie gewollt war, denn ich fand Menschen, die sich auf der Bühne als Musiker dargestellt haben, eher unsympathisch. Ich wollte lieber in meinem Klanglabor und für mich sein.

Mittlerweile stehen Sie seit 20 Jahren auf der Bühne und spielen in den großen Hallen. Anfangs soll es Ihnen sehr schwer gefallen sein, im Rampenlicht zu stehen. Ist das immer noch so?
Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Nur der Weg dorthin erfüllt mich noch immer mit Nervosität und Lampenfieber. Auf Tournee zu sein, ist ein Wechselbad der Gefühle. Ich oszilliere zwischen Todesangst und Größenwahn (lacht). Wenn ich an einem Konzerttag dem Auftritt immer näher komme, merke ich, wie sozusagen stündlich mein Pulsschlag nach oben geht – begleitet von der Frage nach dem Warum, weil ich doch eigentlich ganz für mich in meinem Studio sitzen könnte …

Sie gelten als Perfektionist. Wann beginnen Sie mit den Vorbereitungen für eine anstehende Tournee?
Für die Tour, die im Mai beginnt, haben wir im Dezember 2016 mit den Vorbereitungen begonnen. Teilweise stand das Lichtkonzept schon, bevor die neue Platte überhaupt geplant war. Das muss dann alles natürlich immer wieder entsprechend angepasst werden.

Können Sie bei so etwas gut abgeben, beziehungsweise delegieren?
Nein. Ich habe es eine Zeit lang probiert, vor allem weil mir dazu geraten wurde. Es gab damals Fragen danach, warum ich Musik, Licht, Videos, Fotos und so weiter alles selbst machen würde. Mir geht es aber darum, die Freiheit dafür zu haben, alles selbst machen zu können. Ich empfinde das Ganze nicht als Arbeit, es ist meine Leidenschaft und ich brauche keinen Feierabend. Es ist sozusagen mein Idealzustand.

Wie entstehen Ihre Werke?
Ich versuche meine Erlebnisse, die ich zum Beispiel auf meinen Reisen gewonnen habe, musikalisch umzusetzen. Es ist dabei aber nicht so, dass ich mich auf einen Berg setze und darauf warte, von der Muse geküsst zu werden. So etwas passiert nämlich äußerst selten. Es geht um Fleiß und Disziplin und ein permanentes „Auf Empfang sein“. Die magischen Momente, in denen sich ein Stück von selbst schreibt, passieren dann, wenn man gar nicht weiß, dass man gerade komponiert.

Sind Sie musikalisch geprägt worden?
Wenn, dann aus von 80er Jahren. Sicherlich haben mich Jean Michel Jarre und in Teilen auch Kraftwerk beeinflusst.

Das aktuelle Album hat den Titel „Morgenstund“. Sind Sie bekennender Frühaufsteher?
Ich bin tatsächlich Frühaufsteher, aber der Titel hat nichts damit zu tun. Er steht vielmehr für einen täglichen Neuanfang. Dafür, dass jeder Tag ein Geschenk ist.

Auf „Morgenstund“ ist ein Stück, welches Sie zusammen mit Tangerine Dream aufgenommen haben. Schließt sich damit für Sie ein Kreis?
Das kann man so sagen. Ein Kindheitstraum. Wir haben uns in ein Studio eingeschlossen und einen ganzen Tag Musik gemacht. Daraus entstand eine zweistündige Livesession. Die Höhepunkte, circa 30 Minuten lang, finden sich auf der Super Deluxe
Box zum Album und ein Extrakt daraus, „Morgenstern“, auf dem Album.

Was erwartet die Zuschauer bei der Jubiläumstour?
Zwei Stunden lang Schiller pur – zu hören und zu sehen. Wir spielen mit einer sechsköpfigen Band die Höhepunkte aus 20 Jahren Schiller sowie die Highlights vom aktuellen Album. Durch die Zusammensetzung der Band hat das Ganze eine sehr besondere Energie bekommen. Die Lichtinszenierung wird anders als alles, was wir bisher gemacht haben. Dazu kommt der Surround Sound, den wir in 20 Jahren perfektionieren konnten. Das heißt, die Musik kommt nicht nur von der Bühne, sondern der Klang ist von allen Seiten zu spüren. Es wird ein Klang- und Lichtbad.

Donnerstag, 23. Mai, ÖVB-Arena, 20 Uhr.

Wir verlosen 5 x 2 Eintrittskarten für das Konzert. Schicken Sie uns bis zum 10. Mai eine E-Mail mit dem Betreff „Schiller“ sowie Ihren Kontaktdaten an verlosung@stadtmagazin-bremen.de.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.