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Valentinstag: Ein Bremer Meinungsbild

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Fotos: Jule Lotz

Der Valentinstag ist der Tag des Liebenden. Oder etwa nicht? Von Begeisterung über strikte Ablehnung bis hin zu schulterzuckende Gleichgültigkeit: Das populäre Datum spaltet alljährlich die Gemüter. Wir haben uns ein Meinungsbild der Bremerinnen und Bremer verschafft – und sind bekannten Vorurteilen nachgegangen.

Folgt man den historischen Fußspuren des Valentinstags, scheinen diese in verschiedene Richtungen zu führen. So ist der Ursprung des international bekannten Brauchs bis heute nicht final geklärt. Eine bekannte Überlieferung ist beispielsweise das Schicksal des heiligen Valentins von Terni, der gegen den Willen der Kaisers heimlich verliebte Paare traute und dafür angeblich am 14. Februar 269 nach Christus enthauptet wurde. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Geschichte lässt sich eine nicht minder populäre Erklärung des Valentinstages widerlegen. Die verbreitete Ansicht, dass der Tag lediglich eine profitorientierte Erfindung der Blumenindustrie sei, erschließt sich bereits zeitlich nicht. Während der im deutschen Raum als „Blumenlobby“ bezeichnete Fachverband Deutscher Floristen (FDF) erst seit 1904 die Interessen der Branche verfolgt, wurde das Verschenken von Blumen und Süßigkeiten zum Valentinstag bereits im 18. Jahrhundert zum beliebten Brauch. Doch wie stehen die Menschen heute zu den mehr oder weniger praktizierten Traditionen am 14. Februar?

Hört man sich auf Bremens Straßen um, trifft man hinsichtlich des Valentinstags auf wenig Euphorie. „Für mich ist der Valentinstag ein Tag wie jeder andere auch, außer, dass ich vielleicht eine Praline mehr als sonst esse“, sagt beispielsweise die 67-jährige Kirsten K. Auch Ante M., 25, findet klare Worte: „Ich feiere diesen Tag nicht, weil er mir nicht wichtig ist.“ Deutlich milder fällt dagegen das Urteil des 21-jährigen Gwen O. aus. Für ihn sei die Bedeutung abhängig vom Beziehungsstatus. „Ich finde es gut, wenn man als Paar etwas Schönes unternimmt und beispielsweise Essen geht.“ Ein ähnlich skeptisches Bild wie im direkten Gespräch ergibt sich auch im virtuellen Kontakt. Im Zuge einer Online-Umfrage des STADTMAGAZIN Bremen gaben von 72 Befragten lediglich vier Personen (5,6 Prozent) an, den Valentinstag zu feiern, während 59 Personen und somit 81,9 Prozent dies ablehnten. Neun Befragte (12,5 Prozent) benannten immerhin, den Tag zu feiern, wenn sie in einer Beziehung wären.

Elaine D. sagt: „Ich halte nichts davon, sich aus Zwang etwas zu schenken.“

Doch worauf fußt diese weitestgehend gleichgültige oder gar ablehnende Haltung? „Ich halte nichts davon, sich aus Zwang etwas zu schenken“, begründet unter anderem die 30-jährige Elaine D. Lina T., 28 Jahre, findet zudem: „Man braucht keinen speziellen Tag, um jemanden zu zeigen, dass man ihn liebt.“ Eine Ansicht, die auch im Zuge der Online-Befragung eine Mehrheit findet. 42 Personen (58,3 Prozent) stimmten der Aussage zu: „Ich brauche kein konkretes Datum, um meiner Partnerin/ meinem Partner meine Zuneigung zu zeigen.“ Ein weiterer Faktor, der den Valentinstag zudem in ein negatives Licht zu rücken scheint, ist das kommerzielle Image des Datums. „Man hängt der Tradition ein Preisschild an“, formuliert es Tobias B. Der 23-Jährige stehe mit dem Tag daher auf Kriegsfuß. Das scheinen viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Umfrage ähnlich zu sehen. Mit 38 Personen (52,8 Prozent) schlossen sich mehr als die Hälfte der These an „Der Valentinstag ist nur auf Kommerz und Profit ausgelegt.“

„Man hängt der Tradition ein Preisschild an“, meint Tobias B.

Angesichts dieser Aussagen erscheint es sinnvoll, Stimmen aus der Blumenindustrie und Gastronomie zu hören. Zwei Branchen, die sich am 14. Februar als beliebte Anlaufstelle erweisen, gehören Pflanzen und Restaurantbesuche laut einer statista-Umfrage zu den Top-3 der beliebtesten Geschenkideen. Martin Timm, Geschäftsführer von Blumen Timm, beispielsweise sieht die Konsumbereitschaft am 14. Februar ganz deutlich. „Die Käufe rund um dieses Datum sind in den letzten Jahren immer mehr geworden“, beobachtet er. Der Valentinstag gehöre in der Blumenindustrie mittlerweile ebenso zu den wirtschaftlichen Haupttagen wie Weihnachten. Als ganz zentral bewertet auch Nicola Fink, Pressesprecherin des Fachverbandes Deutscher Floristen (FDF) das Datum.  „In der Woche vor Valentinstag werden etwa doppelt so viele Schnittblumen verkauft wie im wöchentlichen Jahresdurchschnitt“, sagt sie. „Zudem finden Menschen den Weg ins Blumengeschäft, die ihn an anderen Tagen nicht aufsuchen“, sagt sie. Das gebe Floristen die Möglichkeit, neue, potenzielle Blumenkäufer zu generieren. Ob sich Händler anlässlich des Valentinstags eine goldene Nase verdienen, ist dagegen fraglich. So zwingt die wirtschaftliche Logik  des Angebot- und Nachfrageprinzips Händler oft dazu, für ihre Rosen in der Zeit vor Valentinstag deutlich mehr Geld im Einkauf ausgeben zu müssen. „An Valentinstag steht die rote Rose in zahlreichen Ländern im Fokus, daher ist die Nachfrage in dieser Zeit überdurchschnittlich hoch und das Angebot entsprechend begrenzt“, sagt Fink. Die Konsequenz: deutlich höhere Verkaufspreise, die laut der FDF-Sprecherin nicht im Interesse der Händler seien. „Viele Blumengeschäfte gehen dazu über, vermehrt Alternativen zur Rose aufzuzeigen, die deutlich günstiger sind“, sagt sie. Ein Umsatzplus von rund 400 Prozent, das in vielen Medien anlässlich des Valentinstags benannt wird, kann die Pressesprecherin nicht bestätigen.

In der Gastronomie bewertet man den Valentinstag deutlich verhaltener. Lothar Randecker, Geschäftsführer der Meierei Bremen, beobachtet zwar, am 14. Februar im Schnitt mehr Paare als sonst unter den Gästen zu verzeichnen, spezielle Menüs würde das Restaurant an Valentinstag jedoch nicht anbieten. „Dafür setzen wir Sonderwünsche bei der Tischdekoration um, wie Blumenblätter oder Kerzenschein“, sagt der Gastronom. „Meiner Meinung nach wird dem Tag tendenziell jedoch zu viel Bedeutung beigemessen.“ Ähnlich nüchtern fällt die Einschätzung des benachbarten Parkhotels aus, das seinen Sitz ebenfalls im Bürgerpark hat. Zwar hatte das sogenannte Park Restaurant des Hotels mit einem Candle-Light-Dinner 2019 ein spezielles Angebot zum Valentinstag unterbreitet, das laut Peter Pusnik, Cluster General Manager Dorint Hotels & Resorts, auch gut angenommen worden war. Dennoch denke man den Valentinstag nicht kommerziell. „Wir machen da keinen Black Friday draus“, sagt Pusnik und betont, dass es in der Gastronomie und im Hotelgewerbe schwierig sei, vergleiche zu ziehen und Tage als „besonders relevant“ zu benennen. „Ich denke allerdings schon, dass das Parkhotel am Valentinstag überdurchschnittlich viele Paare begrüßt“, sagt er.

Fernab von Blumengeschenken und Restaurantbesuchen scheint es nur wenige Indizien für den romantischen Gehalt des Valentinstags zu geben. So rücken auch die Angaben des Standesamtes das Datum in kein rosa-rotes Licht. Insgesamt zehn Eheschließungen fanden am 14. Februar 2019 in Bremen statt, neun davon im Standesamt Bremen-Mitte, eine im Standesamt Bremen-Nord. Für dieses Jahr seien aktuell (Stand 24. Januar) mit 12 abgemeldeten Eheschließungen zwar deutlich mehr als am vorherigen Valentinstag geplant. Jedoch sei diese Zahl nicht besonders positiv hervorzuheben. „Für einen Freitag im Februar sind 18 Eheschließungen zwar viel“, so Petra Konzok, Leiterin des Standesamtes Mitte. Jedoch seien in der „Hauptsaison der Eheschließung“ durchaus 24 Hochzeiten an einem Freitag üblich.

Der Valentinstag als unverzichtbares Datum für Liebende? Nun, zumindest in Bremen scheint er diesen Status nicht zu haben.