Start Bremen Was macht … „Wir starteten und endeten in Berlin“

„Wir starteten und endeten in Berlin“

DFB-Pokal-Rekordhalter Dirk Kurtenbach aus Bremerhaven im Interview

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Legendär: Der Bremerhavener Dirk Kurtenbach köpft für die Stuttgarter Kickers das 1:0 im Pokalfinale 1987 gegen den HSV. Fotos: Baumann

1964 in Herne geboren, wuchs Dirk Kurtenbach in Bremerhaven auf. Beim TSV Wulfsdorf lernte er das Fußballspielen und schaffte sogar den Sprung in die U-16-Auswahl des DFB, mit der er 1982 Vize-Europameister wurde. Später spielte er unter anderem bei Fortuna Köln, den Stuttgarter Kickers, Waldhof Mannheim und Hertha BSC. Den Sprung zu Werder schaffte er nie. Dennoch gelang ihm etwas Einmaliges: In der Saison 1986/1987 schaffte er mit dem damaligen Zweitligisten Stuttgarter Kickers den Einzug ins DFB-Pokalfinale in Berlin. Auf dem Weg dorthin sowie im Finale schoss Kurtenbach in jeder Begegnung mindestens ein Tor. Das ist bis heute unerreicht.

Moin Herr Kurtenbach, wie geht es Ihnen?
Dirk Kurtenbach: Mir geht es gut. Mit Fußball habe ich allerdings nichts mehr zu tun. Ich arbeite jetzt seit 19 Jahren in einem Autohaus in Bremerhaven.

Sie hatten es zwischenzeitlich aber noch einmal als Trainer versucht …
Richtig, dass war 1997 bei Sparta Bremerhaven. Aber der moderne Fußball passt nicht mehr zu mir. Oder besser gesagt: die moderne Einstellung zum Fußball – gerade was die Trainingsbeteiligung angeht.

Sie halten bis heute einen Rekord, Sie haben im DFB-Pokal 1986/1987 in jedem Spiel mindestens ein Tor geschossen und Ihre Kickers im Finale gegen den HSV sogar in Führung gebracht. Wie konnte dieser Rekord gelingen?
Ich war Stürmer und da war Tore schießen ja meine Aufgabe. Außerdem waren wir in der Saison im Pokal in jedem Spiel heiß und nach jedem Spiel kam Berlin ein Stück näher. Bis wir nachher selbst daran glaubten, es als Zweitligist ins Finale schaffen zu können. Aber alles fing ja schon merkwürdig an …

Was meinen Sie?
Bei der Auslosung der ersten Pokalrunde sind die Lose von Tennis Borussia und uns unter den Tisch gefallen. Also musste alles erneut ausgelost werden. Und wir wurden wieder zu Tennis Borussia gelost. Wir starteten und endeten also in Berlin.

Erinnern Sie sich noch an das 1:0, das Sie im Endspiel gegen den HSV geköpft haben?
Natürlich, ein Erlebnis, welches ich nie vergessen werde. Aber ich erinnere mich auch an meinen Fehlschuss kurz vor der Halbzeit. Leider war es mir nicht vergönnt ein zweites Mal zu treffen. Dann wären wir mit einer Führung in die Pause gegangen. Und wer weiß, was dann passiert wäre …

Würden Sie dennoch sagen, dass das Pokalfinale das Highlight Ihrer Karriere war?
Absolut, aber nicht nur für mich, sondern für uns alle. Der Zusammenhalt bei uns war enorm. Und er wurde mit Achtel-, Viertel- und Halbfinale immer größer. Alle müssen dafür brennen – der Verein, die Mannschaft und die Fans. Es war schon unglaublich, welche Euphorie wir damals im gesamten Umfeld entfacht haben.

Sie haben es damals bei Waldhof Mannheim insgesamt auf vier Bundesligaspiele gebracht. Warum hat es nicht zu mehr gereicht?
Ich war ein Spieler, der sich rundum wohl fühlen musste. Das war in Mannheim leider nicht so. Ich habe mich dort nie richtig heimisch gefühlt.

Sie sind in Bremerhaven aufgewachsen, standen 1982 mit der deutschen U-16-Auswahl im Finale der Euromeisterschaft gegen Italien. Gab es auch mal Kontakt zu Werder?
Als Jugendlicher war ich ein- oder zweimal beim Probetraining. Damals spielten noch Erwin Kostedde und Norbert Siegmann dort. Aber es hat für mich nicht gereicht. Später gab es keinen Kontakt mehr.

In Stuttgart, bei den Kickers, haben Sie noch immer Legenden-Status
Das stimmt, es ist schon Wahnsinn, was dort immer noch auf die Beine gestellt wird, und wie die sich freuen, wenn ich mal vorbeikomme. Vor zwei Jahren war ich zuletzt da – und mit so viel Euphorie habe ich nicht gerechnet.