Start Bremen Was macht … „Wir haben Tränen gelacht“

„Wir haben Tränen gelacht“

Was macht eigentlich Gunnar Sauer?

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Foto: Robert C. Spies

Als der „neue Franz Beckenbauer“ wurde Gunnar Sauer zu Beginn seiner Karriere Mitte der 80er Jahre bei Werder gehandelt. Doch beim Hochveranlagten spielte der Körper nicht mit, Verletzungen warfen den Libero immer wieder zurück. Dennoch kam er auf 134 Bundesligaspiele, wurde zweimal Deutscher Meister (1988 und 1993), gewann zweimal den DFB-Pokal (1991 und 1994) und holte mit Werder 1992 den Europapokal der Pokalsieger. Heute kümmert sich der 52-Jährige vornehmlich um Immobilien.

Wie geht es Ihnen zurzeit?
Ausgezeichnet, danke. Ich arbeite seit mehr als zehn Jahren bei Robert C. Spies und verkaufe Immobilien.

Wie wird man als ehemaliger Fußballprofi zum Immobilienberater?
Ich habe mich schon während meiner aktiven Zeit viel mit Immobilien aus­ein-
andergesetzt und mich beispielsweise für Altbausanierung interessiert und auch einige Altbremer Häuser wieder in Schuss gebracht. Daher kenne ich mich mit der Materie ganz gut aus. Nach meiner Profikarriere hatte ich mich zunächst mit einem Partner selbstständig gemacht, bevor ich zu Robert C. Spies gewechselt bin.

Hatten Sie nie vor, dem Fußball verbunden zu bleiben?
Bei meiner letzten Station beim VfB Oldenburg war ich Spieler und Co-Trainer in Personalunion. Das hat aber nicht funktioniert, da die Mitspieler nie wussten, was sie in der Kabine sagen durften und was nicht. Da habe ich gemerkt, dass ich auch außerhalb des Fußballs etwas machen wollte.

Viele ehemalige Werder-Profis sind noch im Fußballgeschäft tätig, oder man hört auf anderen Wegen etwas von ihnen. Um Sie ist es allerdings nach ihrer Profi-Karriere sehr ruhig geworden …
Ich wollte das auch nie. Ich habe auch nie bei irgendeinem Promispiel mitgewirkt. Ich hatte einfach keine Lust dazu – zumal ich auch gewisse Ansprüche an mich selber habe und mir sicher bin, dass der 40- oder 50-Meter-Pass, den ich eventuell im Kopf hätte, körperlich von mir gar nicht mehr zu bewerkstelligen wäre. Mittlerweile halte ich mich mit Tennis oder Rennradfahren fit. Fußball habe ich nie wieder gespielt.

Eigentlich sind Sie ja das personifizierte Beispiel für den heute viel gepriesenen Werder-Weg gewesen.
Richtig, ich bin schon 1979, damals noch als Jugendspieler, zu Werder gekommen. Ich habe dann den klassischen Weg wie Dieter Eilts, Frank Ordenewitz oder Marco Bode genommen. Werder war zu der Zeit mit dem Internat Vorreiter in der Bundesliga.

Sie galten als größtes Libero-Talent Deutschlands, wurden von mit Franz Beckenbauer verglichen. Dennoch hat es zum ganz großen Durchbruch – vor allem aufgrund von Verletzungen – nicht gereicht.

Es war nun einmal so. Die einen waren robuster, ich gehörte zu den anderen. Dennoch war es eine tolle Zeit. Das Leben als Fußballprofi ist einfach etwas ganz Besonderes.

Sie waren auch Nationalspieler – bei der Europameisterschaft und bei Olympia 1988 dabei – allerdings ohne Einsatz. Warum sind Sie nie im DFB-Dress aufgelaufen?
Eigentlich sollte ich in unserem EM-Auftaktspiel gegen Italien in der Startformation stehen. Dann, am Spieltag, hat sich unser Trainer Franz Beckenbauer doch noch umentschieden und den erfahreneren Matthias Herget aufgestellt. Mir wurde das erst am Morgen mitgeteilt. Das Spiel endete 1:1, unser Libero war am Gegentor nicht ganz schuldlos und Beckenbauer knallte die Kabinentür so heftig zu, wie ich es nie wieder erlebt habe. Dann kam er zu mir und sagte, dass manchmal eben doch der erste Gedanke der beste sei. Warum er mich dann aber in den folgenden Spielen nicht aufgestellt hat, weiß ich bis heute nicht.

Und Olympia?
Einen Tag vor Abflug hatte ich mir eine, wie ich dachte, leichte Verletzung am Fuß zugezogen. Diese stellte sich dann als sehr langwierig heraus, weshalb ich auch bei Olympia kein Spiel machen konnte.

Verfolgen Sie Werder noch?
Selbstverständlich. Allerdings bin ich Fußball-Ästhet. Ich meine damit, dass ich gerne Mannschaften sehe, die einen gewissen fußballerischen Plan verfolgen, bei denen das Kombinationsspiel funktioniert. Das war zuletzt bei Werder leider nicht immer so …

Derzeit wird ein neuer Trainer gesucht. Hätten Sie eine Empfehlung?
So etwas würde ich mir nicht anmaßen, aber wenn ich an meine Zeit als Aktiver zurückdenke, würde ich sagen, am besten einen wie Otto Rehhagel. Der war Vaterfigur und Fußballlehrer in einer Person. Er stellte sich nach außen schützend vor uns Spieler, konnte intern aber knallhart sein. Ein absoluter Fußballfachmann, vor dem wir alle größten Respekt hatten. Da wurde es schon mal laut in der Kabine. Aber es gab auch Tage, an denen wir alle Tränen gelacht haben. Rehhagel hatte einfach die unglaublichsten Sprüche drauf.

Die Fragen stellte Martin Märtens.