Start Bremen Was macht … „Über Nacht waren wir plötzlich bekannt“

„Über Nacht waren wir plötzlich bekannt“

Was amcht eigentlich Frank Bartelt?

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Foto: Frank Bartelt

Am 25. September 1965 flimmerte die erste Folge des heute legendären Beatclub über den Bildschirm. Die bis dahin noch unbekannte Bremer Band The Yankees eröffnete mit ihrem Song „Halbstark“ die Sendung. Wir wollten wissen, wie es dem damaligen Frontmann der Band, Frank Bartelt, der mittlerweile in Emmendingen bei Freiburg lebt, mehr als 50 Jahre nach dem legendären Auftritt heute geht.

Was machen Sie derzeit?
Frank Bartelt: Ich bin Rentner und genieße die Zeit, von der ich mittlerweile reichlich habe. Ich male Postkarten von den Dörfern in der Umgebung. Und ab und zu werde ich noch mal gerufen, wenn eine Oldie-Sendung läuft. Aber das passiert nicht so oft.

Wie sind Sie vom Norden in den Süden gekommen?
Der Liebe wegen. Meine damalige Frau kam aus Freiburg und bekam dann irgendwann Heimweh. Also bin ich mitgekommen, obwohl ich mir das zunächst überhaupt nicht vorstellen konnte. Als ich dann hier ankam, hat es mich sofort gepackt. Ich habe auch nie Heimweh nach dem Norden bekommen – ganz komisch eigentlich. Mittlerweile wohne ich seit 29 Jahren hier.

Erinnern Sie sich noch, wie damals die Yankees entstanden sind?
Das Ganze begann im Jugendfreizeitheim in Walle. Meine Mutter hatte mir damals bei Radio Warnke eine Gitarre gekauft. Ich habe dann schnell meine ersten drei Akkorde gelernt und konnte so meinem Geltungsbedürfnis gegenüber den Mädchen gerecht werden (lacht). Irgendwann lernte ich Herbert Küster und Klaus Tutz kennen und wir gründeten eine Band. Damals hatten wir noch umgebaute Radios als Verstärker. Als Gage bekamen wir gerade einmal ein paar belegte Brote. Unsere erste Band hieß Frankie and the Diggers. Später entstanden daraus The Yankees.

Wie ist Ihr Hit „Halbstark“ entstanden?
Ich musste immer in der Kneipe meiner Eltern, der Martinsklause in Walle, aushelfen. Und während ich am Wochenende hinter dem Tresen stand, sind die anderen zum Wirtshaus Ellmers nach Uphusen gefahren. Schuppen 17 hieß das und war die erste Rockerkneipe der Gegend. In Lederjacken und auf ihren Kreidler-Maschinen. Ich durfte nicht mal eine Lederjacke tragen. Mit dem Lied konnte ich wenigstens ein Teil des Ganzen sein.

Wie sind Sie in den Beatclub gekommen?
Wir haben damals in Bremen und umzu gespielt und waren in der Gegend auch bekannt. Nur wollte niemand unseren Song „Halbstark“ auf Platte veröffentlichen. Bis Mike Leckebusch uns bei einem Auftritt gesehen hatte und uns anschließend ansprach. Er fragte, ob wir bereit wären, seine neue Sendung „Beatclub“ zu eröffnen. Natürlich waren wir das. Über Nacht waren wir plötzlich bekannt. Im Übrigen ist „Halbstark“ der einzige Titel auf Deutsch, der jemals im Beatclub lief. Am nächsten Tag liefen die Telefone heiß. Dann bin ich aber wegen Differenzen ziemlich schnell ausgestiegen. Schade eigentlich.

Noch heute ist der Song immer wieder im Radio zu hören …
(lacht) … und ich bekomme noch immer Tantieme. Vor allem weil der Song ja auch von den Toten Hosen gecovert wurde. Am Besten gefällt mir im Übrigen das Cover von der deutschen Rapgruppe KIZ. Da erinnert zwar nur der Refrain noch an das Original, aber toll, was die daraus gemacht haben.

Das Interview führte Martin Märtens.