Start Bremen Was macht … „Musik ist für mich das große Ganze“

„Musik ist für mich das große Ganze“

Was macht eigentlich Corinna May?

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Foto: CJC-Event

Zwölf Punkte für Deutschland – Dieses Ergebnis blieb 2002 bei der Punktevergabe des Eurovision Song Contest (ESC) in Tallinn leider aus. Trotz vielversprechender Kritiken im Vorfeld belegte Sängerin Corinna May als Vertreterin der Bundesrepublik lediglich Platz 21. Mittlerweile liegt diese ernüchternde Erfahrung 15 Jahren zurück. Im Gespräch erzählt die blinde Künstlerin aus Bremen Nord wie sie heute über dieses Ereignis denkt, welchen Projekten Sie sich derzeit widmet und warum Musik für sie keine Frage des Genres ist.

Frau May, viele Leute kennen Sie vor allem durch Ihren Auftritt beim ESC 2002, in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Verfolgen Sie die Show noch?
Nicht wirklich. Durch die Presse bekomme ich am Rande grob mit, was passiert. Aber um ehrlich zu sein, interessiert es mich nicht mehr besonders. Außerdem habe ich keine Zeit, die Show zu verfolgen, da sie immer an einem Samstagabend läuft. Und was mache ich als Künstlerin an solchen Abenden? Ich ­stehe selbst auf der Bühne.

Insgesamt kämpften Sie dreimal um die Teilnahme beim ESC. War Ihnen dieser Wettbewerb so wichtig?
Nun ja, meine Disqualifikation beim ersten Versuch war einfach nur blöd. Da habe ich mich schon extrem drüber geärgert, zumal ich den Song „Hör den Kindern einfach zu“ sehr gerne mochte. Beim zweiten Anlauf habe ich mir einfach gedacht, ich probiere es nochmal. Der dritte Versuch ging ehrlich gesagt von Ralph Siegel aus, der mich dazu motiviert hat. Ich bin mir nicht sicher, ob ich von selbst aus ein drittes Mal beim Vorentscheid angetreten wäre.

Es scheint so, als hätten Sie sich von Ihrer Disqualifikation nicht unterkriegen lassen…
Nein. Es war ja nicht meine Schuld und ich habe im Grunde genommen nichts falsch gemacht. Es waren Leute aus meinem Umfeld, die einen Fehler begangen haben.

Was die wenigsten wissen: Sie sind ausgebildete Diplom Masseurin.
Richtig. Ich bin ausgebildete Masseurin und medizinische Bademeisterin. Den Beruf gibt es in der Form heute gar nicht mehr und fällt jetzt unter die Bezeichnung Physiotherapeut.

Wie schafften Sie es von diesem doch eher bodenständigen Beruf auf die große Bühne?
Ich mache schon seit 1993 Musik und bin früher mit Jazz-Trios durch die Gegend gezogen. Sowohl an den Wochenenden als auch an Abenden unter der Woche. Das kam mir zu Gute. Genauso wie die Teilnahme an unterschiedlichen Talentwettbewerben.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?
Derzeit bin ich mit meinem Kollegen und Lebenspartner mit dem Partyprogramm „One Kiss“ unterwegs. Gemeinsam rocken wir die Bühnen Deutschlands. Wir covern bekannte Hits der letzten Jahrzehnte und fahren damit auch ganz gut. Wir hoffen allerdings zukünftig auch mit eigenen Songs auftreten zu können.

Werden Sie diese Lieder selbst schreiben?
Das ist sehr unwahrscheinlich. Ich muss sagen, dass ich nie die große Songwriterin war. Ich beneide Leute, die dafür Talent haben und finde das sehr faszinierend. Mein Ding ist das leider nicht.

Treten Sie auch noch mit Ihren alten Songs wie „I Can’t Live without Music“ oder „ Jetzt wie noch nie“ auf?
Ja. Neben One Kiss bin ich auch noch mit meinem Gala Programm unterwegs. Dies beinhaltet sowohl die Grand Prix Songs als auch die beliebten Nummern aus meinen Alben. Da habe ich zum Glück freie Hand und suche mir die Songs aus, die ich mag. Man kann mich sowohl als Solo-Künstlerin buchen als auch mit One Kiss.

Sie sprechen auf Ihrer Homepage von einen Eventvakuum in Bremen.
Richtig. Vor allem Bremen Nord tut sich sehr schwer mit großen Events. Im Grunde genommen findet hier kaum etwas statt. Es gibt ein paar kleine Kneipen die Live-Musik spielen. Aber das war es dann eigentlich auch schon. Das ist schade, da wir hier im Umkreis wirklich gute Bands haben, auch im Amateurbereich. Leider bekommen sie hier nicht die Möglichkeit, sich auszuprobieren und zu präsentieren.

Neben Ihrer Liebe zur Musik sind Sie auch sozial engagiert.
Ja, ich engagiere mich für das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und dafür, dass es auch eingehalten wird. Vor allem Barrierefreiheit ist ein Punkt, der mir persönlich sehr am Herzen liegt. Hier in Bremen ist es meiner Meinung nach sehr schwierig, barrierefreie Orte zu finden. Nur Musik reicht mir einfach nicht. Wenn ich nebenbei auch noch in irgendeiner Form helfen kann, erfüllt mich das schon sehr.

Sie widmeten sich im Laufe Ihrer Karriere unterschiedlichen Musikrichtungen, darunter Jazz, Gospel und Schlager. Für welches Genre schlägt Ihr Herz?
Ach Gott, für alle. Musik ist für mich das große Ganze. Diese Frage nach Genres gefällt mir nicht und ich mag es auch nicht wenn man mich einer Schublade zuordnen will. Musik ist so vielseitig und facettenreich, da wäre es einfach langweilig, sich festlegen zu müssen.

Das Interview führte Jennifer Fahrenholz