Start Bremen Was macht … „Jetzt ist einfach eine andere Zeit“

„Jetzt ist einfach eine andere Zeit“

Was macht eigentlich Peter Gagelmann?

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Foto: C. Kuhaupt

Alleine 214 Mal leitete Peter Gagelmann als Schiedsrichter in der Zeit von 2000 bis 2015 Spiele der Fußball-Bundesliga. Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählt unter anderem das Pokalfinale 2012 zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Am 26. August beginnt die zweite Saison, in der er nicht mehr aktiv ist. Dennoch vermisst der heute 48-Jährige, der mittlerweile auch Sky-Experte ist, das aktive Pfeifen nicht.

Hallo Herr Gagelmann, was machen Sie zurzeit?
Ich arbeite bei Mercedes im Kundencenter im Bereich Marketing und Veranstaltungen. Ein Arbeitgeber, der immer sehr viel Verständnis für meine Aufgabe als Schiedsrichter gezeigt hat.

Wie ist das Leben ohne Fußball?
Es ist überraschenderweise auch lebenswert (lacht). Es gibt eben auch ein Leben nach dem aktiven Teil. Es war schon beim ersten Spieltag nicht schlimm, nicht mehr dabei zu sein, sondern sogar ganz angenehm. Aber ich bin – auch durch meine Arbeit bei Sky – immer noch nah dran am Thema.

Ganz ehrlich, ein bisschen vermissen Sie das aktive Geschehen doch schon, oder?
Nein, absolut nicht. Das hat nichts damit zu tun, dass alles schlecht oder schlimm gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Aber es ist jetzt einfach eine andere Zeit.

Die Bundesligisten haben vor der Saison immer eine anstrengende Vorbereitung. Mussten Sie sich als Schiedsrichter auch entsprechend vorbereiten?
Ja, klar! Im Vorfeld einer Saison galt es, sehr viel zu trainieren und sehr viele Lehrgänge zu absolvieren. Genau das ist im Übrigen der Teil, den ich am wenigsten vermisse.

In diesem Jahr kommt es zu einigen Regeländerungen. Für Schiedsrichter sicherlich besonders heikel. Halten Sie so etwas generell für sinnvoll?
Man muss die Regeln anpassen, wenn sich das Spiel verändert. Und das Spiel hat sich extrem verändert, es ist noch einmal schneller und athletischer geworden. Daher finde ich es in Ordnung, wenn man Dinge sinnvoll verändert.

Zum Beispiel?
Vor einigen Jahren haben wir eine kleine Änderung gehabt, bei der alle zunächst von „Quatsch“ gesprochen haben. Aber die zehn Bälle, die mittlerweile bei jedem Spiel außerhalb des Feldes liegen, haben eine große Dynamik ins Spiel gebracht. Früher hat es lange gedauert bis der Ball, nachdem er im Aus war, zurückkam. Heute geht es sofort weiter.

Jetzt sind sie selber Sky-Experte und analysieren Schiedsrichter-Entscheidungen im Fernsehen. Wie findet man so etwas eigentlich als aktiver Schiedsrichter?
Es ist schwierig, weil sich dabei oftmals nicht auf das ganze Spiel bezogen wird, sondern auf eine einzelne Szene. Ein Schiedsrichter hat bis zu 280 Entscheidungen im Spiel. Wenn anschließend nur eine einzelne diskutiert wird, dann ist das sehr ärgerlich, aber nicht der Maßstab, um den Schiedsrichter in seiner Gesamtleistung zu beurteilen.

Was halten Sie eigentlich von der Forderung nach Profi-Schiedsrichtern?
Das ist vor allem ein großes Wort. Aber was beinhaltet das überhaupt? Darf der Schiedsrichter dann gar nichts anderes mehr machen oder reicht es, wenn der Sport absolut im Vordergrund steht. Denn das haben meine Kollegen und ich eigentlich immer genauso gehalten. Der Zeitaufwand wird auch für Schiedsrichter immer größer, weshalb sie in der Regel kaum noch in vollem Umfang ihrer Arbeit nachgehen können.

Gibt es Entscheidungen, die Sie auf dem Platz getroffen haben, die Sie heute gerne rückgängig machen würden?
Wo soll ich da anfangen? Natürlich habe ich Fehler gemacht, sehr viele sogar. Entscheidend ist aber, glaube ich, dass man weiß, dass man Fehler gemacht hat und diese nicht wiederholt.

Verfolgen Sie eigentlich die Entwicklung von Werder Bremen?
Für mich ist das jetzt, als nicht mehr Aktiver, deutlich entspannter. Natürlich verfolge ich Werder weiterhin, und als Bremer ist es enorm wichtig für Stadt, Wirtschaft und den Tourismus einen Bundesligisten in der Stadt zu haben.

Die Fragen stellte Martin Märtens.