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Die Märchenerzählerin

Schauspielerin Janette Rauch spricht im Interview über neue Projekte

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Janette Rauch möchte ihre Vorliebe für Märchen und die Natur am liebsten miteinander verbinden. Foto: Karena Kanamüller

Sie gehörte zur Urbesetzung des Musicals „Linie 1“ am Berliner Grips-Theater, spielte in zahlreichen Filmen unter anderem an der Seite von Hape Kerkeling und stand jahrelang für die Serien „Rote Rosen“ und „Notruf Hafenkante“ vor der Kamera. Von 2000 bis 2012 lebte Janette Rauch (56) in Schwachhausen und war zu dieser Zeit Botschafterin des Bremer Kindertages und Schirmherrin des Kinderhospizes Löwenherz. Heute konzentriert sich die gebürtige Schweizerin vor allem auf ihren „Märchenkosmos“ und möchte wieder mehr zurück in die Natur finden.

Wie geht es Ihnen zurzeit?
Mir geht es gut – mit all den Herausforderungen, die das Leben so mit sich bringt. Derzeit bin ich fleißig dabei, neue Projekte in die Wege zu leiten.

Was sind das für Projekte?
Das ist an erster Stelle der „Märchenkosmos“. Dabei setze ich mich sehr aktiv mit diversen Märchen unterschiedlicher Länder und Kulturkreise auseinander. Es gibt zum Beispiel einen asiatischen und einen russisch-mongolischen Abend. Bei den Lesungen ist dann in der Regel auch immer ein Musiker dabei.

Wie sind Sie zum Märchenerzählen gekommen?
Ich bin in den letzten Jahren sehr häufig auf meine Stimme angesprochen wurden. Allerdings habe ich nie als Synchronsprecherin gearbeitet, da ich eigentlich immer mit Dreharbeiten beschäftigt war. Aufgrund meiner Faszination für Märchen habe ich dann 2009, damals noch in Bremen, die Bildmarke „Märchenkosmos“ gegründet. Allerdings bin ich erst vor circa zweieinhalb Jahren erstmals dazu gekommen, das auch aufzuführen.

Warum gerade Märchen?
Weil sie mich faszinieren. Die Märchen sind unsere alten Geschichten, teilweise Jahrtausende alt. Sie sind Zeitdokumente, viele enthalten politische Statements. Die Märchen sind für mich ein Kulturgut, welches es zu bewahren gilt. Zudem liebe ich die alte und bildstarke Sprache.

Für wen machen Sie die Lesungen?
Eigentlich lese ich gar nicht, sondern erzähle die Märchen. Die Abende sind für Erwachsene und nicht für Kinder. Die Märchen, die ich vortrage, haben oftmals keine bekannten Autoren, da sie sehr viel Gesellschaftskritik enthalten und es den Autoren zur damaligen Zeit sicherlich nicht gut bekommen wäre, wenn man gewusst hätte, von wem die Geschichte stammt.

Sie sind ab Herbst nicht mehr bei „Notruf Hafenkante“ dabei. Haben Sie die Schauspielerei an den Nagel gehängt?
Die Entscheidung bei „Notruf Hafenkante“ kam nicht von mir, sondern vonseiten der Produktion. Ich habe jetzt 40 Jahre vor der Kamera gestanden, sehr viel erlebt, durfte viele Länder bereisen und bin dankbar für all die tollen Film- und Fernsehprojekte, die ich machen durfte. Ob es das für mich mit der Schauspielerei im Bereich Film und Fernsehen war, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Ich bin in einem Alter, wo es nicht so viele Rollen gibt. Momentan konzentriere ich mich sehr auf das Mediative. Ich möchte unter anderem gerne Märchen im Wald vortragen. Es gibt viele neue Pläne. Mal schauen, wo das Leben hin will.

Sie lebten lange Zeit in Bremen. Haben Sie noch Bezug zur Stadt?
Ja, sehr viel sogar. Ich bin regelmäßig wieder da. Zum einen mit meinem Märchenkosmos oder anderen Lesungen, aber auch immer wieder privat. Außerdem ist mein Friseur in Bremen (lacht).

Wo leben Sie derzeit?
In Hamburg. Aber ich werde nicht immer in der Stadt bleiben. Mich zieht es eher in Richtung Natur.

Haben Sie Ziele für die Zukunft?
Ich würde schon gerne weiter drehen. Vor allem schöne und charakterstarke Rollen. 2020 gehe ich noch einmal auf Theatertournee. Aber ansonsten ist meine Vision, den Märchenkosmos auch in direktem Bezug zum Wald und der Natur vermehrt aufzubauen. Und vielleicht begebe ich mich wie Hape Kerkeling demnächst auch einmal auf den Jakobsweg.

Janette Rauch liest am 3. Oktober, 15 und 18 Uhr, mit Harald Maack aus „Alte Liebe“ bei Optiker Grau in Hemelingen. Am 22. Dezember gastiert sie mit ihrem „Märchen­kosmos“ auf Gut Sandbeck in Osterholz-Scharmbeck. Infos unter: www.maerchenkosmos.de.