Start Bremen Was macht … „Ich wollte die Welt verändern“

„Ich wollte die Welt verändern“

Was macht eigentlich Bernd Neumann?

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Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Anfang des Jahres feierte Bernd Neumann seinen 75. Geburtstag. Nachdem der „Elder Statesman“ der Bremer CDU 2013 aus seinem Amt als Kulturstaatsminister schied, ist es ruhiger um den Bremen-Norder geworden. Im Gespräch erklärt der Politiker, warum er sich nicht völlig zurückzieht, wieso er alles noch einmal genauso machen würde und wie aus Kontrahenten Freunde werden können.

Was machen Sie zurzeit?
Ich bin Präsident der Filmförderungsanstalt, der nationalen deutschen Filmförderung, mache auch noch das eine oder andere in Bremen und genieße ein Stück weit die Freiheit, die ich mir mittlerweile auch etwas gönnen kann.

Sie blicken auf eine lange politische Laufbahn zurück und haben Anfang des Jahres Ihren 75. Geburtstag gefeiert. Dennoch sind Sie immer noch aktiv. So ganz zur Ruhe kommen können Sie anscheinend nicht …
Ich will es auch gar nicht. Als Ende 2013 mein Amt als Kulturstaatsminister endete, war ich mehr als 40 Jahre lang politisch aktiv. Da wäre es für mich problematisch geworden, von heute auf morgen nichts mehr zu tun und mich ausschließlich als Pensionär zu sehen. Als Präsident der Filmförderungsanstalt bin ich circa alle zwei Wochen für mehrere Tage in Berlin. Eine Tätigkeit, die ich sehr gerne mache, die mir andererseits aber auch ausreichend Zeit für die Familie lässt.

Sind Sie auch noch politisch aktiv?
Nein, aber ich beteilige mich als Mitglied der CDU noch an einigen Terminen. Ab und an nehme ich auch noch die eine oder andere Aufgabe wahr und referiere beispielsweise. Zudem bin ich in höchstem Maß daran interessiert, was in der Hauptstadt Berlin vor sich geht.

Fehlt Ihnen die politische Arbeit?
Es hat für mich schon eines Überganges bedurft. Mittlerweile bin ich schon drei Jahre nicht mehr Amt. Dadurch, dass ich noch andere Tätigkeiten ausübe, fällt es mir auch leichter, Abstand zu gewinnen.

Sie waren von 1979 bis 2008 Landesvorsitzender der CDU Bremen und damit der am längsten amtierende Landesvorsitzender in der Geschichte der Christdemokraten. Zudem saßen Sie von 1987 bis 2013 im Bundestag und arbeiteten zuletzt als Kulturstaatsminister. Ein Leben für die Politik sozusagen. Wenn Sie heute zurückblicken: Würden Sie alles noch einmal genauso machen?
Ich glaube schon. Beginnend bei der Jungen Union, dann über das Amt als Landesvorsitzender der CDU bis hin zum Staatsminister für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt hat mir alles große Freude gemacht. Der Höhepunkt war für mich aber ganz klar die Zeit als Kulturstaatsminister. Rückblickend kann ich durchaus sagen, dass ich alles noch einmal genauso machen würde.

Ihr großer Widersacher in Bremen war in den 70er und 80er Jahren Hans Koschnick (SPD). Anschließend sind sie 1987 beide nach Bonn gegangen, und es soll sich sogar so etwas wie eine Freundschaft daraus entwickelt haben …
Das ist richtig. Als ich in den 70er Jahren zum ersten Mal als Spitzenkandidat gegen Koschnick antrat, wollte ich noch die Welt verändern, wollte, dass die Sozis in Bremen endlich abgelöst werden. Zu dem Zeitpunkt hatten wir beide entsprechend mehr Konflikte als Konsens. Ich konnte gegen das Denkmal Koschnick allerdings kaum gewinnen. Im Laufe der Jahre haben wir über den üblichen Kontakt hinaus so etwas wie eine Freundschaft aufgebaut. Er hat mich damals zu Versöhnungsgesprächen mit nach Polen und Israel genommen – obwohl ich in der Opposition war. Als wir dann 1987 zusammen nach Bonn kamen, haben wir öfter bei einem Glas Wein in der Bremischen Vertretung gesessen und über Bremen, aber auch Gott und die Welt geredet. Die Parteizugehörigkeit spielte dabei keine große Rolle. Aus unserer anfänglichen Gegnerschaft ist, obwohl jeder seine Funktion wahrnahm, eine wirkliche Freundschaft geworden.

Sie wären aber schon gerne Bürgermeister geworden?
Natürlich, das ist ja gar keine Frage. Wenn man in der Politik tätig ist, will man nicht nur in der Opposition sein, sondern auch selbst gestalten und Sachen anders, gegebenenfalls sogar besser machen. Gegen mein späteres Amt des Kulturstaatsministers hätte ich das Bürgermeisteramt allerdings nicht eintauschen wollen. (Mär)