Start Bremen Was macht … Ich bin ein rüstiger Rentner!

Ich bin ein rüstiger Rentner!

Was macht eigentlich Sportmoderator Jörg Wontorra?

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Foto: Sport1

Eigentlich war Fußball im Fernsehen ohne Jörg Wontorra undenkbar. Bis er im Mai vergangenen Jahres seine letzte „Doppelpass“-Sendung moderierte. Ein Grund für Martin Märtens, einmal nachzuhaken, was der 67-Jährige heute so macht.

Wie geht es Ihnen zurzeit?

Richtig gut. Ich bin ein rüstiger Rentner!

Das mit dem Rentner ist bei Ihnen irgendwie nur schwer vorstellbar …

Ich mache ja auch immer noch einiges. Nur habe ich mittlerweile die Balance zwischen Freizeit und Beruf gefunden.

Was machen Sie denn mittlerweile?

Meine Stiftung, die Hansestiftung, erfordert ein hohes Engagement. Momentan treiben wir gerade ein großes Bolzplatzprojekt in Bremen voran. Ich wollte vor allem für die Integration von Jugendlichen etwas tun – und das geht über Sport meines Erachtens am besten. Zudem veranstalte ich Charity-Golfturniere, habe eine kleine Hausverwaltung und natürlich die Kolumne im Weser-Kurier. Vier Dinge, die mich von Montag bis Freitag gut ausfüllen. Und am Wochenende habe ich jetzt endlich mal frei.

Sie wohnen aber doch eigentlich die meiste Zeit in Marbella, oder?

Nicht mehr, aufgrund der zahlreichen Aufgaben, gerade meine Stiftung betreffend, bin ich im Januar wieder nach Bremen gezogen. So drei Monate im Jahr, zumeist in den Ferien, verbringe ich in Marbella.

Sie sagten mal in einem Interview, dass Sie gerne in Marbella leben, da man dort den „Doppelpass“ nicht kenne und sie sich so frei bewegen könnten. Nun sind Sie zurück in Bremen, wo Sie eigentlich so gut wie jeder kennt …

Ja, aber hier ist das anders. In Bremen gehöre ich ja quasi zum Inventar, bin eine ganz normale Erscheinung im Stadtbild. Hier kann ich leben wie ein normaler Mensch, kann meinen Hobbys nachgehen oder im Restaurant essen, ohne angesprochen zu werden. Es sei denn ich habe einen Kommentar über Werder geschrieben, dann kann das schon einmal anders sein.

Sie haben vor ziemlich genau einem Jahr Ihre letzte „Doppelpass“-Sendung moderiert. Vermissen Sie das Fernsehen?

Überhaupt nicht. Ich glaube, ich habe meine Fernsehpflicht getan. Es gibt zum Glück auch noch viele Kollegen, die mich noch nicht ganz vergessen haben und immer mal wieder in ihre Sendungen einladen. Demnächst bin ich dann sogar beim Promi-Special von „Wer wird Millionär“.

Wie ist damals, 1992, bei Ihnen die Idee zu „Bitte melde dich“ entstanden?

Ich war damals bei Radio Bremen im öffentlich rechtlichen Fernsehen und hatte das Angebot, als freier Mitarbeiter zu „ran“, also zum Privatfernsehen, zu gehen. Ich wollte für mich eine Sicherheit haben, deshalb bat ich bei Sat1 um eine zweite Sendung. Dann hat man mir „Bitte melde dich“ angeboten, dass Konzept hat mich überzeugt, zumal ich schon bei Radio Bremen einen Hang zur Unterhaltung hatte. Das war noch wirklich Reality-Fernsehen, kein Trash-Fernsehen wie heute.

Sie waren Sportchef bei Radio Bremen, haben die „Sportschau“ und „ran“ moderiert, waren bei Olympia und zwölf Jahre lang das Gesicht vom „Doppelpass“. Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Olympia ist unwiederbringlich. Das sind Erlebnisse, die ich nie vergessen werde. Ich könnte wahrscheinlich viele Ereignisse von allen zwölf Olympischen Spielen, bei denen ich dabei gewesen bin, im Schlaf aufzählen. Das waren allerdings Events. Die schönste Zeit auf Strecke waren aber meine zehn Jahre bei Radio Bremen, weil ich dort selbst gestalten und kreative Entscheidungen treffen konnte.

Haben Sie Ihren Job eigentlich als Arbeit empfunden?

Ich habe das immer gelebt und es auch geliebt. Es gibt für mich keinen schöneren Beruf auf dieser Welt.

Es war aber zu hören, dass Sie zunächst nicht gerade begeistert über die Berufswahl Ihrer Tochter waren, die dem Vater nacheifert.

Ich war am Anfang entsetzt und habe ihr als erstes die Nachteile aufgezählt, die der Beruf mit sich bringt: ständige Wochenendarbeit, immer unterwegs, keine Zeit für die Familie. Sie wollte es aber trotzdem unbedingt, also haben wir ein Handy-Video aufgenommen. Ihre Moderation war, sagen wir mal, vom textlichen suboptimal. Ihre Ausstrahlung hingegen war hervorragend. Also habe ich ihr sogar zu dem Beruf geraten, wenn sie vorher ihr Studium beendet und nach Möglichkeit noch ein Volontariat macht. Das hat sie getan.

Die Fragen stellte Martin Märtens.

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