Start Bremen Was macht … „Frau Kluth, ich biete Ihnen an, ich mache ein Solo“

„Frau Kluth, ich biete Ihnen an, ich mache ein Solo“

Was macht eigentlich Monika Kluth?

1944
Foto: Mär

Zusammen mit ihrem späteren Ehemann Karlheinz Calenberg bildete Monika Kluth eines der bundesweit bekanntesten Moderatorenduos im Radio. Auf der Hansawelle prägten sie die Sendungen „Bremen Eins am Wochenende“ und die Morgenshow „Bremer Kaffeepott“ von Mitte der 70er bis in die 90er Jahre hinein. Im Interview spricht die Moderatorin über die Sendungen, ihre Ideen und ihren 1998 verstorbenen Ehemann.

Wie geht es Ihnen zurzeit?
Danke, mir geht es sehr gut. Ich interessiere mich für Kunst und Kultur, reise gerne und versuche Menschen, denen es nicht so gut wie mir geht, zu helfen. Seit vielen Jahre begleitete ich ein elfjähriges Mädchen, das an spinaler Muskelatrophie leidet. Dadurch habe ich Demut gelernt. Ich lese ab und zu vor, aber Radio oder ähnliches mache ich nicht mehr.

Sie waren eine der Stimmen von Radio Bremen. Erinnern Sie sich noch, wie Sie zum Sender gekommen sind?
Es war 1976. Ich war zu der Zeit Dolmetscherin und mit Karlheinz Calenberg befreundet. Bei einem Kegelabend sagte Karlheinz dann zu mir: „Mir gefällt deine Stimme, ich brauche jemand neues für eine Doppelmoderation samstags morgens. Hast Du Lust?“ Ich dachte, dass ich mir das ja mal angucken kann.

Waren Sie aufgeregt vor Ihrer ersten Sendung?
Und wie. Ich habe geschwitzt vor Aufregung und habe damals gedacht: „Wie gut, dass ich meinen anderen Job noch habe, hier bleibe ich nicht.“

Und wie lief es dann?
Ganz fürchterlich. Ich habe so getan, als sei ich über die Maßen gebildet und habe zum Beispiel erzählt, dass ich nur klassische Musik hören würde. Daraufhin kam Karlheinz ins Studio gestürmt, sagte zu mir, dass das ja alles gar nicht wahr sei, ich auch Elvis Presley und ähnliches hören würde und ich doch einfach ich selbst sein solle. Von dem Augenblick an klappte es.

Und die Reaktionen?
Es wurden massenhaft Blumensträuße für mich an der Rezeption abgegeben. Es war wunderbar, irgendwie hatten die Leute mich in ihr Herz geschlossen. Also dachte ich: „Okay, dann bleibe ich wohl beim Radio.“

Und dann erfanden Sie den Bremer Kaffeepott …
Das war die Idee von Karlheinz. Es gab die Überlegung, dass etwas Neues für die frühen Morgenstunden her musste. Wir waren ein Team von zehn Leuten und haben nach den Sendungen bis in die Nacht durchdiskutiert. Irgendwann nach sechs oder sieben Tagen sagte Karlheinz dann, dass er jetzt die Lösung habe und präsentierte den Bremer
Kaffeepott.

Wie war das Konzept der Sendung?
Wir wollten die Menschen um eine Uhrzeit, in der man normalerweise noch ein bisschen missmutig ist, zu Hause abholen. Dazu gehörte, sie mit den aktuellen Tagesinformationen zu versorgen. Passierte also am Vortag etwas Spezielles, versuchten wir für den Morgen des nächsten Tages ein Interview mit beispielsweise einem Minister zu vereinbaren. Politik, Soziales, Sport, Musik – es gehörte alles zu unserem Programm.

In Ihrer Samstagsendung führten Sie ein, dass vier Stunden vor dem Spiel mit dem damaligen Werder-Trainer, Otto Rehhagel, telefoniert wurde.
Karlheinz und Otto waren befreundet. Aus einem Gespräch der beiden entstand die Idee. Ich wiederum hatte überhaupt nichts mit Fußball zu tun und immer nur gehofft, dass dieser Kelch an mir vorübergehen möge.

Dann mussten Sie aber doch ran.
Karlheinz war im Urlaub. Ich hatte mir über 20 Fragen notiert, um auch ja die eingeplanten drei Minuten zusammenzubekommen. Dann machte ich den Fehler, als erstes nach der Mannschaftsaufstellung zu fragen. Bei Otto Rehhagel ein Heiligtum, das er nie vorher verriet. Entsprechend groß war seine Empörung. Also versuchte ich mit ihm über seinen Urlaub zu sprechen. Das konnte ich ja wenigstens.

Und die Reaktionen?
Es gab sehr viele wütende Zuhörer – im Übrigen völlig zu Recht – da sie ja gar keine relevante Information zum Spiel bekommen hatten. Das nächste Gespräch mit Rehhagel lief übrigens völlig anders. Im Vorfeld sagte er zu mir: „Frau Kluth, ich biete Ihnen an, ich mache ein Solo.“ Und so kam es dann auch (lacht).

Ein Markenzeichen Ihrer Sendungen war, dass sie sehr schnell reagieren konnten, wenn zum Beispiel Hörer bei Ihnen anriefen …
Genau, ich erinnere mich, als in der Silversternacht 1981 ein Kollege zu uns ins Studio kam und sagte, dass er gerade einen Arzt aus Bolivien in der Leitung habe, der dringend Hilfe benötige. Dieser Arzt war Alexander Bendoraitis aus Guayaramerin in Bolivien. Er berichtete davon, dass dort eine große Cholera und Malaria Epidemie herrsche und er weder über ausreichend Medikamente noch über ein Krankenhaus verfüge. Also sagte Karlheinz damals live ins Radio: „Meine Damen und Herren, mit Ihrer Hilfe werden wir es schaffen, ein Hospital in Bolivien zu bauen.“ Es sind tatsächlich 500.000 Mark zusammengekommen. Das Hospital gibt es bis heute.

Die Fragen stellte Martin Märtens.