Start Bremen Was macht … „Es kribbelt schon noch gewaltig“

„Es kribbelt schon noch gewaltig“

Was macht eigentlich Claus Kleyboldt?

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Foto: Roland Scheitz

Nach einer Ausbildung in der Halle Münsterland gelangte Claus Kleyboldt (70) über die Grugahalle Essen zur Stadthalle Bremen, die er 17 Jahre lang verantwortlich leitete. In diese Zeit fiel auch der äußerst umstrittene Umbau von 2004 bis 2005. Nach seiner Zeit auf der Bürgerweide arbeitete der heute 70-Jährige noch weitere vier Jahre als Leiter des Musical Theaters.

Was machen Sie derzeit?
Ich hatte am 30. Juni 2015 meinen letzten Tag im Musical Theater. Anschließend holte meine Frau mich ab und übergab mir einen Gutschein für einen Golf-Kurs. Ein Sport, über den ich mich früher immer lustig gemacht hatte. Seitdem spiele ich so oft es eben geht Golf. Außerdem fahre ich noch regelmäßig Motorrad, wir haben ein kleines Häuschen an der Nordsee und ich kann endlich mal ausschlafen. Langweilig wird mir jedenfalls nicht.

Erinnern Sie sich noch, wie Sie 1994 nach Bremen gekommen sind?
Natürlich. Ich bin damals von einem sogenannten Headhunter angesprochen worden. Zu der Zeit war ich noch für die Grugahalle in Essen verantwortlich – Bremen kannte ich zu dem Zeitpunkt gar nicht. Aber die Stadthalle hatte natürlich einen gewissen Reiz, weil sie zu der Zeit die größte im Norden war. Alle Stars spielten in Bremen …

Bis im Jahre 2000 zur Expo in Hannover und zweieinhalb Jahre später auch in Hamburg große Hallen eröffnet wurden …
Ja, für Bremen muss man in diesem Fall von „leider“ sprechen. Das war auch der Grund, warum wir damals so zeitnah auf den Umbau und die Erweiterung der Stadthalle gedrängt haben, um am Ende nicht völlig abgehängt zu werden.

Ein Umbau, der auch Ihnen damals aufgrund der Kosten sowie der geänderten Konstruktion einigen Ärger einbrachte …
… was aus meiner Sicht aber völlig unangemessen war. Wenn wir den Umbau nicht gemacht hätten, hätten wir Konzerte wie Elton John, Tabaluga oder die Night Of The Proms niemals nach Bremen bekommen. Auch alle Veranstalter haben sich damals für eine Kapazitätserhöhung der Halle (von 8.000 auf bis zu 14.000 Plätze, Anm. d. Red. ) stark gemacht – zum Glück für Bremen. Sonst hätte der Absturz in die dritte Liga gedroht.

Nach ihrem altersbedingten Ausscheiden auf der Bürgerweide sind sie für vier Jahre ins Musical Theater gegangen. Warum?
Weil mich der Betreiber „Mehr! Entertainment“ gefragt hat. Für mich war das so eine Art „Softausstieg“ aus dem Veranstaltungsgeschäft. Das Musical Theater ist ein tolles Haus, wenn ich höre, dass es 2018 vielleicht dicht gemacht werden soll, kann ich es einfach nicht glauben. Konzerte, Comedy, Musicals, Shows und Firmenveranstaltung finden regelmäßig am Richtweg statt – die würden dann den Bürgern fehlen.

Wenn man Sie so hört, könnte man meinen, Sie hätten auch im Alter von jetzt 70 Jahren nochmal Lust, wieder in Veranstaltungsgeschäft zurückzu­kehren …
Nein, das sollen jetzt andere machen. Aber ganz ehrlich: Wenn ich mal in
der ÖVB-Arena oder dem Musical Theater zu Gast bin und mir ein Konzert oder eine Vorstellung angucke, dann kribbelt es schon noch gewaltig … (Mär)