Start Bremen Was macht … „Ein sensationeller Mensch“

„Ein sensationeller Mensch“

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Wynton Rufer auf der Terrasse des Parkhotels. Foto_ Mär

Als echter Exot wechselte Wynton „Kiwi“ Rufer 1989 von den Grashoppers Zürich zu Werder Bremen und wurde damit der erste Neuseeländer in der Bundesliga. Seine 59 Tore in fünf Jahren, seine unnachahmliche Art, Elfmeter zu versenken, sein Treffer beim Europapokalerfolg von Lissabon (1993 gegen Monaco) sowie seine offene und fröhliche Art machten ihn nicht nur an der Weser zu einem der populärsten Fußballer Deutschlands. Heute ist der 55-Jährige als Botschafter für die Fifa, die DFL und Werder unterwegs.

Wynton Rufer auf seiner Autogrammkarte von 1989 und mit dem Europapokal in Lissabon. Fotos: FR / Stoss

Wie geht es Ihnen zurzeit?
Sehr gut. Mir geht es immer gut, wenn ich in Bremen bin. Es ist ja meine zweite Heimat hier.

Und was machen Sie momentan so?
Ich bin immer noch viel in Sachen Fußball unterwegs. Ich gehöre als Bundesliga-
Botschafter zum „Legends Network“ der DFL und bin viel für Werder unterwegs. Joshua Sargent habe ich beispielsweise davon überzeugt, zu Werder zu gehen – und da waren einige andere hochkarätige Vereine dran. Und ich habe ja auch noch meine Fußballschule in Neuseeland.

Wie entwickelt sich der Fußball in Ihrer Heimat?
Optimal ist es leider nicht. Immerhin schaffen es einige Spieler in die großen Ligen. Momentan steht Max Mata aus meiner Fußballschule gerade vor einem Engagement bei einem europäischen Erstligisten. Chris Wood spielt in der Premier League für Burnley und Werders Regionalliga-Kicker Trevor Zweetsloot, der gerade Neuseelands U 20 zum Ozeanien-Meister schoss, war auch bei mir auf der Academy.

Sind Sie auch als Spielerberater tätig?
Nicht im eigentlichen Sinn. Aber ich halte immer nach guten Spielern Ausschau – so wie es zum Beispiel bei Joshua Sargent war. Als er sich dann für Werder entschieden hat, habe ich Joshuas Vater eine Betreuung für seinen Sohn versprochen und ihm gesagt, dass ich dafür sorge, dass es ihm gut geht. Ein Freund von mir kümmert sich um ihn, und sein Sohn hat sich mit ihm angefreundet.

Wie sind Sie damals nach Deutschland zu Werder gekommen?
Ich hätte schon drei Jahre vorher nach Deutschland kommen können. Ich habe bei Mönchengladbach unter Jupp Heynckes ein Probetraining gemacht, die Ab-
löseforderung war aber zu hoch. Also bin ich dann 1989 zu Werder gegangen. Damals spielte ich noch in der Schweiz und das Ziel war ganz klar die Bundesliga. Und dann kam Otto Rehhagel und hat mich überzeugt. Ein sensationeller Mensch.

Wie sind Sie als Exot aus Neuseeland damals aufgenommen wurden?
Otto Rehhagel war wie ein Familienoberhaupt. Er hat sich um alle gekümmert, und so wurde ich wie in eine Familie aufgenommen. Außerdem durfte ich die ersten sechs Wochen im Parkhotel wohnen, was einfach traumhaft war. Ich war in über 90 Ländern der Welt, aber das hier ist für mich immer noch eines der besten Hotels auf der Welt.

Sie sind jetzt zum 25-jährigen Jubiläum des Europapokal-Triumphes am Tag der Fans und wegen Otto Rehhagels 80. Geburtstag nach Bremen gekommen. Sind Sie häufiger hier?
Ja, eigentlich fast ständig. Im letzten Jahr war ich acht Mal da, in diesem jetzt schon zum fünften Mal. Ich habe noch viele Freunde hier und in der Umgebung. Mein Sohn wurde in Bremen geboren. Das ist schon ein Stück Heimat hier.

Welchen Platz trauen Sie Werder zu?
Ich glaube, sie haben gerade den besten Kader der letzten Jahre zusammen. Ein einstelliger Tabellenplatz ist drin – aber alle anderen wollen den auch.