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DJ-Legende Schabba Heinz

„Normal gibt es bei mir nicht“

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Noch immer aktiv: DJ Schabba Heinz. Foto: Martin Märtens

In den 80er und 90er Jahren wurde Schabba Heinz zu so etwas wie einer Bremer DJ-Legende. Er legte bei der großen Freimarktsparty, den Sixdays sowie dem Heartbreaker’s Ball auf. Zudem war er Teilhaber des Szeneclubs Schabbalabba und machte das Samstagabendprogramm bei der Hansawelle. Zuletzt war es in Bremen ruhiger um Heinz Potthast geworden, wie er mit bürgerlichem Namen heißt. Ein Grund für das STADTMAGAZIN, einmal nachzufragen, was er heute so macht.

Schabba Heinz will noch in diesem Jahr ein Buch mit Geschichten aus dem Bremer Nachtleben heraus bringen. Foto: Martin Märtens

Moin Schabba Heinz, was machen Sie zurzeit?
So einiges. Ich arbeite natürlich immer noch als DJ, aber weniger auf Großveranstaltungen in Bremen sondern eher auf Privatfeiern. Und ich lege immer noch sechs Tage am Stück im größten Zelt (Beckmanns alter Dorfplatz) auf dem Stoppelmarkt in Vechta auf – sehr anstrengend, aber ein Riesenspaß, den ich mir immer noch gerne gönne.

Sie sollen zudem noch einmal eine Ausbildung angefangen haben …
Richtig, ich lasse mich gerade zum Rettungssanitäter ausbilden. In ein paar Monaten bin ich fertig. Ich freue mich schon riesig darauf, endlich loslegen zu können, zumal ich dann mit meiner Tochter zusammenarbeiten kann.
Klingt ein wenig ungewöhnlich, dass sie jetzt noch eine Ausbildung machen.
Das kann sein, aber für das Ungewöhnliche war ich ja auch immer zu haben. Normal gibt es bei mir nicht.

Was ist aus Ihrer Leidenschaft für Cadillacs und Harley Davidsons geworden?
Die pflege ich noch immer leidenschaftlich. Ich restauriere alte Cadillacs und vermiete die auch für Hochzeiten und so weiter. Und Harley fahre ich auch noch regelmäßig. Ich war erst letztes Jahr für eine Woche mit meinem Motorrad auf Mallorca und habe dort die Gegend erkundet. Herrlich.

Sie waren früher der bekannteste DJ der Stadt, haben bei „Bremen bei Nacht“, den Sixdays und dem Heartbreaker’s Ball aufgelegt. Zudem betrieben Sie den Club Schabbalabba und machten bei der Hansawelle das Samstagabendprogramm. Vermissen Sie die alten Zeiten eigentlich?Vor allem vermisse ich die Art und Weise, wie die Menschen damals miteinander umgegangen sind. Ich finde, dass die Sitten deutlich roher geworden sind. Auf den Veranstaltungen hatte das Publikum noch Respekt vor den Künstlern und DJs. Heute werden da oftmals Grenzen überschritten, Musikwünsche nur noch gebrüllt oder sogar gedroht. Wir als Gastronomen waren zwar früher auch Konkurrenten, aber wir hatten Respekt untereinander. Da wurde sogar gegenseitig geholfen. Heutzutage würde ich einen Club wie das Schabbalabba, der damals weit über die Grenzen Bremens bekannt war und in dem Künstler wie Roland Kaiser oder Howard Carpendale zu den Gästen gehörten, wenn sie in der Stadt waren, nicht noch einmal eröffnen.

Sie sagten, dass heute auf Veranstaltungen oftmals Grenzen überschritten werden. Was genau meinen Sie damit?
Früher, also in den 80er und 90er Jahren, ist man weggegangen, um sich zu vergnügen. Natürlich gab es auch mal Stress, aber das war nicht so häufig. Heute habe ich bei vielen das Gefühl, sie gehen weg, um Agressionen loszuwerden.

Wie kommt man eigentlich auf den Namen Schabba Heinz?
Der Gastronom Achim Grunert wollte damals die Freimarktsparty „Bremen bei Nacht“ in den Messehallen aufziehen und fragte bei mir an, ob ich da nicht auflegen könnte. Er kannte mich als DJ aus dem Schabbalabba. Ich sagte zu und als ich eines Tages mit dem Auto an einer Ampel stand, entdeckte ich ein Plakat, das für die Freimarktsparty warb und den Star-DJ Schabba Heinz versprach. Daraufhin habe ich Achim Grunert natürlich sofort angerufen und mich beschwert, wieso da jetzt ein anderer auflegen würde. Er beruhigte mich, erklärte mir, dass man als Discjockey einen DJ-Namen bräuchte und seitdem bin ich Schabba Heinz.

Sie haben auf Veranstaltungen gearbeitet, auf denen viel gefeiert wurde, haben selber aber nichts getrunken …
Das ist richtig. Und das war auch gut so. So konnte ich mir nämlich die ganzen Geschichten, die ich damals erlebt habe, merken und aufschreiben.

Das heißt, Sie bringen demnächst ein Buch heraus?
Genau, ich suche derzeit noch einen Verlag. Es wird aber kein Roman, sondern es sind einzelne Geschichten aus dem Nachtleben Bremens. Ein Zeitdokument sozusagen. Noch in diesem Jahr soll es erscheinen.

Das Interview führte Martin Märtens