Start Bremen Was macht … „Der Egon soll das machen!“

„Der Egon soll das machen!“

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Über seinen Job als Wetterfrosch bei Radio Bremen wurde er zehn Jahre lang zum Werbegesicht eines Bremer Kaffeerösters. Heute genießt Egon Wellenbrink seinen Ruhestand auf Mallorca.

Was machen Sie zurzeit?
Seit meiner Pensionierung 2010 arbeite ich ab und an in meinem kleinen Studio, komponiere Musik, spreche und produziere Radio-Spots – für das Inselradio hier auf Mallorca sowie auch für Kunden in Deutschland. Ich drehe und editiere kleine Werbefilme für Kunden, gehe hin und wieder golfen und spiele immer noch jede Woche dienstags live bei unserer „Tuesday Groove Session“ Saxofon.

Wissen Sie noch, wie Sie damals nach Bremen gekommen sind?
Ja, im Januar 1981 kam ich aus München mit dem Auto. Ich habe für die Ablauf-Regie bei dem damals gerade drei Monate bestehenden Magazin „Buten un Binnen“ hospitiert, nach vier Monaten wurde ich übernommen und war bis 1988 Ablauf-Regisseur.

Und wurden dann zum Wetterfrosch Egon Wetterbring. Wie kommt man dazu?
Im November 1988 wollten die damaligen B&B-Chefs Ulrich Kienzle (Chefredakteur) und Dieter Lesche (Redaktionsleiter) einen Wetter-Moderator – wie in den US-Kanälen üblich – aber keiner unserer Redakteure hatte dazu Lust. Als ich dann während einer Konferenz einwarf, dass dies doch eine wunderbare, unterhaltende Möglichkeit für eine tägliche Gaukelei über das ewige Regenwetter sei, riefen plötzlich alle: „Der Egon soll das machen!“ Für ständige Kalauer und Witze in der Redaktion war ich sowieso bekannt, also machte ich es. Zwei Jahre gab es dann die tägliche Wetter-Kalauerei als „Egon Wetterbring“.

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Und wie wurde der Kaffeeproduzent auf Sie aufmerksam?
Meine Wetteransagen wurden so erfolgreich, dass eines Tages eine Agentur für den Bremer Kaffeeröster „Melitta“ anrief und man eine „The Best of“ von Egon Wetterbring haben wollte. Deutlicher: Emil Steinberger, der Schweizer Komiker war schon als Regisseur und Textautor für Melitta engagiert und rief mich später in Bremen an. Es gab eine Probeaufnahme in Hamburg, die Zusammenarbeit mit Emil war ausgezeichnet und unsere Zusammenarbeit ging drei Jahre, dann verließ Emil Europa und zog nach New York. Ich machte weiter und war dann insgesamt zehn Jahre – bis Ende 1999 – das Werbegesicht für Melitta.

Trinken Sie eigentlich selbst Kaffee?
Ja, zwei Tassen am Vormittag. Allerdings kam ich nach Bremen als Tee-gern-seher und Tee-gern-trinker. In der Redaktion gab’s allerdings immer nur Kaffee, also hab ich es mir angewöhnt …

Sie waren durch Ihre Fernsehpräsenz für viele fast so etwas wie ein Familienmitglied. Werden Sie heute noch als Melitta-Mann angesprochen?
Kaum noch, es ist zu lange her. Aber etwa 1993 war der Bekanntheitsgrad so hoch, dass ich auf der Straße oder beim Einkaufen – egal ob in Bremen oder München – zigmal angesprochen wurde. Da bin ich dann mit der Familie nach Mallorca ausgewandert …

Nervt sie das Bild vom Melitta-Mann auch manchmal?
Nein, schließlich haben mir die zehn Jahre mit Melitta ein ziemlich angenehmes Leben auf der Insel ermöglicht!

Sie erreichten durch Ihre Werbepräsenz einen Bekanntheitsstatus der wohl sonst nur mit dem von „Herrn Kaiser“ oder „Klementine“ vergleichbar war. Würden Sie heute noch einmal alles genauso machen?
Im Prinzip ja!

Das Interview führte Martin Märtens.