Start Bremen Was macht … „Den Lenker einfach umgedreht“

„Den Lenker einfach umgedreht“

„Was macht eigentlich …?“: der ehemalige Radrennfahrer Hans-Peter Jakst

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Foto: K. Kuhaupt

Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre war die große Zeit von Hans-Peter Jakst. Vierter bei Olympia, Deutscher Meister im Straßenrennen, Starts bei der „Tour de France“ sowie dem „Giro d’Italia“ – der Bremer Jung gehörte zu den Großen im Deutschen Radsport. Und auch heute noch ist der mittlerweile 65-Jährige dem Radsport verbunden, wie er im Interview erzählt.

Herr Jakst, was machen Sie zurzeit?
Hans-Peter Jakst: Hauptberuflich arbeite ich in meinem Fahrradgeschäft in
Bremen-Osterholz. Wir verkaufen, reparieren und entwerfen Fahrräder. Nebenberuflich bin ich zudem für die Sixdays tätig.

In welcher Funktion?
Als sportlicher Leiter für „Dein Rennen“ ,wo wir sogenannte „Jedermänner“ und „Jederfrauen“ Rundenrekorde fahren lassen.

Was genau sind die „Jedermänner“ und „Jederfrauen“?
Jedermänner und „Jederfrauen“ sind Radfahrer und Radfahrerinnen, die sportlich aktiv Fahrrad fahren ohne eine Rennlizenz zu besitzen. Die können bei uns im Jedermannrennen auf der Bahn starten. Für viele eine einmalige Gelegenheit.

Kann da wirklich jeder mitmachen?
Im Prinzip ja, aber man muss sich im Vorfeld dafür qualifizieren. Zum einen muss man sportlich in der Lage sein, auf der Bahn fahren zu können, und zum anderen gibt es zu viele Bewerbungen, als dass wir alle auf die Bahn lassen könnten.

Das Fahrrad erlebt gerade – auch im Zuge um Diskussionen zu autofreien Innenstädten sowie dem Klimawandel – eine Renaissance. Ein Trend, den Sie auch, sowohl in Ihrem Geschäft als auch bei den Anmeldungen für das Jedermannrennen, erkennen können?
Absolut. Die Nachfrage nach Rädern ist ebenso wie die Anmeldungen zum Jedermannrennen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das Fahrrad an sich hat sich dabei natürlich auch gerade in den vergangenen 15 Jahren sehr weiterentwickelt. Es gibt Räder mit tiefem Einstieg, Kompakträder mit kleinen Reifen, Falträder, die unterschiedlichsten Gangschaltungen und Riemenantriebe – ganz zu schweigen von den E-Bikes. Im Prinzip gibt es für jeden und fast jedes Alter heutzutage das passende Rad.

Wie sind Sie zum Fahrradfahren gekommen?
Ich habe zunächst Handball und Fußball gespielt. Im Alter von zwölf Jahren bekam ich dann ein Fahrrad mit Dreigangschaltung und hochgebogenem Gesundheitslenker geschenkt. Den Lenker habe ich einfach umgedreht, so dass er einem Rennradlenker nahe kam. Dann merkte ich, wie viel Spaß mir das schnelle Radfahren macht. Also meldete ich mich für ein Rennen an, ohne in einem Verein zu sein und ein richtiges Rennrad zu besitzen. Nachdem ich mein erstes Rennen gleich gewonnen hatte, kam der Vorsitzende der Radrenngemeinschaft Bremen zu mir und fragte, ob ich nicht in den Verein eintreten wolle. Mittlerweile bin ich seit über 50 Jahren in dem Verein Mitglied.

Schnell stellten sich weitere Erfolge ein …
Richtig. Ich bin dann nach einigen weiteren Erfolgen in die Jugendnationalmannschaft aufgenommen wurden. Mit 18 wechselte ich zu den Amateurfahrern und kam auch dort gleich ins Nationalteam. Nachdem der deutsche Straßenvierer bei den Olympischen Spielen in München nicht so gut abgeschnitten hatte, setzte man von Verbandseite alles daran, dass es vier Jahre später in Montreal besser wurde. Mit mir im Team wurden wir dann 1976 nur 15 Sekunden hinter dem Drittplatzierten Vierter und schrammten knapp an einer Medaille vorbei.

22Jakst in jüngeren Jahren bei einem Wettkampf. Foto: FRSie waren 1980 auch bei der „Tour de France“ dabei. Wie war das?
Etwas ganz Großes. Wenn man an der Tour teilnimmt, gehört man zu den 200 besten Radprofis weltweit – auch wenn man wie ich nicht besonders weit vorne landet. Man fährt praktisch drei Wochen jeden Tag gegen die Besten der Welt. Dabei ist jeden Tag volle Power gefragt, Zeit zum Verschnaufen gibt es nicht. Ein grandioses Erlebnis.

Würden Sie sagen, man kann Bremen trotz fehlender Berge als Radrennsport-Stadt bezeichnen?
Absolut. Mal abgesehen von den Sixdays – neben Berlin momentan das letzte Sechstagerennen in Deutschland – gibt es in der Hansestadt eine große Tradition. Ekkehardt Teichreber, Vize-Weltmeister im Querfeldein-Fahren von 1977, Willi Röper, jahrelang sportlicher Leiter der Sixdays, Andi Kappes, der alleine sechs Mal die Bremer Sixdays gewann und auch Juniorenweltmeister war, oder jetzt Lennart Kämna, der 2020 zum zweiten Mal der „Tour de France“ startet, um nur einige zu nennen, stehen dafür. Bremen und der Radsport, das gehört einfach zusammen.