Start Bremen Was macht … „Bei uns passte alles zusammen“

„Bei uns passte alles zusammen“

Was macht eigentlich Jürgen L. Born?

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Foto: M. Märtens

1999 kam er als Vorsitzender der Geschäftsführung zum SV Werder. Zuvor hatte Jürgen L. Born mehr als 40 Jahre in Brasilien, Argentinien und Uruguay als Banker verbracht. Bis 2009 leitete der heute 77-Jährige äußerst erfolgreich (unter anderem Meister und Pokalsieger 2004) die Geschicke des Vereins. Seitdem reist Jürgen L. Born viel in der Welt umher, besucht regelmäßig die Heimspiele der Grün-Weißen und greift auch ab und zu noch zur Posaune.

Wie geht es Ihnen zurzeit?
Gut, danke der Nachfrage. Ich leite ja noch das kleine Konsulat für Uruguay in Bremen. Der uruguayische Präsident war gerade für ein paar Tage zu Besuch in Deutschland, da habe ich ihn begleitet. Es gibt einige Ansatzpunkte zur Bundesrepublik – Uruguay exportiert zum Beispiel viel Wolle, Fleisch, Getreide und Leder. Daher gibt es die Zusammenarbeit der Häfen in Bremen und Montevideo.

Ihre alte Verbindung nach Südamerika spielt noch immer eine große Rolle, wie es scheint.
Alle meine Enkelkinder leben dort. Und entsprechend natürlich auch meine Kinder. Also steht des Öfteren eine Reise nach Südamerika auf dem Programm. Oder, wenn die Familie nach Europa kommt, und eine Rundreise macht, dann werde ich auch mal mitgenommen. Ich bin also immer noch viel unterwegs.

Gehen Sie auch noch ins Weserstadion?
Selbstverständlich. Ich bin bei jedem Heimspiel und auch bei einigen Auswärts-Partien dabei. Auch wenn die vergangenen Jahre nicht so erfolgreich waren, gab es nie den Gedanken, damit einmal aufzuhören. Außerdem ist es neben dem Fußball auch ein Treffpunkt. Dort sind meine Freunde, man isst und trinkt zusammen. Ein Stück weit wie in der Familie.

Es gab mal nach ihrer Präsidentschaft die eine oder andere Unstimmigkeit. Wie ist heute Ihr Verhältnis zum Vorstand?
Ausgezeichnet. Vor allem mit Marco Bode, Frank Baumann, Hubertus Hess-Grunewald und Klaus Filbry und vielen anderen verstehe ich mich sehr gut. Wir treffen uns öfter mal und natürlich sprechen wir dann auch über Dinge die Werder betreffen.

Wie sind Sie damals überhaupt zu Werder gekommen?
Als ich 1999 zu Werder kam, war der Verein praktisch abgestiegen. Viele aus dem Vorstand hatten sich damals von Werder zurückgezogen. Ich wurde in Montevideo angerufen und gefragt, ob ich nicht möglichst schnell kommen könnte, um für ein Jahr zu helfen. Man wollte jemanden von außerhalb, der möglichst unabhängig agieren konnte. Mir gefiel die Idee. Aus einem Jahr wurden dann zehn, was dem Verein aber ja auch nicht sonderlich geschadet hat …

Ihr wichtigster Coup?
Ich würde sagen die Verpflichtung von Claudio Pizarro 1999. Ab dem Moment ging es recht steil nach oben. Mit Thomas Schaaf hatten wir einen Klasse-Trainer und der später hinzugekommene Klaus Allofs, dessen Position bei Werder erst ins Leben gerufen worden war, lernte auch sehr schnell das Geschäft und konnte seine tollen Kontakte nutzen.

Das Geheimnis des damaligen Erfolges?
Es passte bei uns alles zusammen. Wir hatten keine Eifersüchteleien, es gab keine Eitelkeiten. Alles lief professionell. Man mochte sich, ging humorvoll miteinander um und es wurde bei offenen Türen gearbeitet. Das ganze Flair von Werder Bremen war einmalig, was von Jahr zu Jahr zu mehr Erfolg führte.

Was die wenigsten wissen: Sie haben schon als Jugendlicher Posaune gespielt und sind in Bremer Jazz-Clubs aufgetreten. Spielen Sie eigentlich heute noch?
Ab und zu spiele ich noch auf privaten Veranstaltungen. Aber dazu braucht man Luft und Lippe – und das ist mein Problem. Spielen kann ich eigentlich gar nicht mal so schlecht. (lacht)

Das Interview führte Martin Märtens