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Wandertage und Schullandheime

Baby-Boomer-Böhling

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Es gibt Dinge, die ändern sich nie! Als Kind hat das Essen bei Oma oder bei Freunden immer besser geschmeckt, als zu Hause – als Vater habe ich dasselbe aus dem anderen
Blickwinkel erlebt. Bei anderen ist das Gras immer etwas grüner, der Himmel immer etwas blauer und die Brotdose immer besser gefüllt. Am deutlichsten war das an den damals sogenannten Wandertagen in der Schulzeit zu merken. Meine Mutter konnte in den Rucksack packen, was sie wollte – was meine Mitschülerinnen und Mitschüler dabeihatten, war einfach immer noch eine Klasse besser.

Selbst als ich beim nächsten Wandertag exakt dieselbe Füllung mit auf den Weg bekam, legten die anderen plötzlich und unerwartet noch eine Schippe drauf. Warum das so war und bis heute so ist? Keine Ahnung! Aus den Wandertagen wurden später Klassenfahrten. Da fuhr man dann mit der Klasse sowie einer Lehrerin und einem Lehrer für eine Woche in so spannende Städte wie Celle, Braunschweig oder Lüneburg und musste anhand von Orientierungsläufen – heute sagt man Stadtrallye – den Ort und seine Sehenswürdigkeiten erkunden. Ich habe neulich das entsprechende Heft mit den Eintragungen wiedergefunden und festgestellt, was schon damals klar war: Die einzige wirklich Sehenswürdigkeit von Celle war meine Mitschülerin, in die ich unsterblich verknallt war.

Genauso konkrete Erinnerungen habe ich an die Schullandheime, die wir bevölkerten. Wenn ich das Wort „Schullandheim“ denke, fühle ich den Geschmack von Früchtetee und Graubrot mit Leberwurst auf dem Gaumen. Die Speisekarte von Schullandheimen unterscheidet sich interessanterweise kaum von denen eines Krankenhauses – nur der Lärm beim Essen ist ein anderer. Unvergessen geblieben ist mir auch der täglich
wechselnde Tischdienst im Schullandheim, bei dem es natürlich nicht darum ging, was man zu tun hatte, sondern mit wem man Tische abräumte und abzuwaschen hatte. Mit den richtigen Leuten konnte das schon ein absolutes Highlight des Tages werden, von den Streichen, die man dem gegenüberliegenden Mädchenzimmer gespielt hat mal abgesehen…

Später wurden aus den Klassenfahrten dann Reisen nach Berlin, ein Skiurlaub oder eine
Studienfahrt nach Prag. Man bekam schon einiges geboten. Und auch, wenn man sich mit
den damaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern heute eher an die Partynächte als an
das kulturelle Angebot dieser Trips erinnert, so war es doch eine wunderbare Bereicherung unserer Schulzeit. Um noch einmal auf die besser gefüllten Brotdosen
der anderen und die deutlich leckereren Mittagstische anderswo zurückzukommen.
Eines gab es doch, was immer am besten war – und das ist es bis heute: das eigene Bett. Ich sag’s ja, es gibt Dinge, die ändern sich nie. Gute Nacht!