Start Bremen Bremer Köpfe „Unser ,Breaker‘ war der Erste“

„Unser ,Breaker‘ war der Erste“

Die Schaustellerfamilie Dreher landete mit dem ersten Break­dancer einen echten Coup. Dabei war die Skepsis zunächst groß.

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Claudia Dreher-Vespermann. Foto: Kristina Wiede

Diese eine Bewegung der Gondel, wenn sie wie ein Pfeil nach vorne schießt und anschließend in eine rasante Drehung um die eigene Achse übergeht – Kenner des Breakdancers lieben diesen Moment des Glücks. Mit seinem unverkennbaren, coolen Design und wilden Drehungen schraubt sich das Fahrgeschäft seit 1985 in die Herzen der Volksfestbesucher. Seine Erfolgsgeschichte begann vor 33 Jahren auf der Bremer Osterwiese.

Als Erika Dreher den richtigen Riecher bewies und den ersten Breakdancer bestellte, war ihre Tochter Claudia 12 Jahre alt. „Ich weiß noch, wie wir hier auf der Osterwiese ohne Fahrgeschäft ankamen, denn unsere alte Schlittenfahrt hatten wir in Zahlung gegeben und meine Mutter war sehr skeptisch.“ Ganz anders als die bisherigen Fahrgeschäfte der Schaustellerfamilie – die Großeltern hatten eine Schießbude und Bodenkarussells, die Monzabahn und den Musikexpress – besaß der Breakdancer kein Dach. Angesichts des typischen Bremer Wetters habe sie an ihrer Entscheidung gezweifelt. Zu Unrecht – doch das stellte sich erst später heraus.

„Als der Breaker dann ankam, waren Licht und Bemalung nicht fertig – ein Drama“, erinnert sich Dreher-Vespermann. Doch dann schlug das innovative Fahrgeschäft ein wie ein Blitz, die Besucher standen Schlange.

Von Bremen in die ganze Welt

Innerhalb der folgenden 15 Jahre wurden rund 80 weitere Modelle von der Firma Huss nachgebaut. Damit ist der Breakdancer 1 das meist verkaufte Rundfahrgeschäft weltweit. Zwei Jahre später feierte der „große Bruder“, der Breakdancer 2, Premiere und löste die erste Version auf der Osterwiese ab. Seitdem drehen sich die Gondeln beider Karussells zeitgleich auf verschiedenen Jahrmärkten. „Unser Breaker war der Erste, den geben wir nicht her“, sagt die Chefin, und Stolz liegt in ihrer Stimme.

Das Familienunternehmen führt Claudia Dreher-Vespermann heute gemeinsam mit ihrem Mann, und auch Mutter Erika nimmt mit ihren 73 Jahren noch immer im Kassenhäuschen ihren Posten ein. Die Tochter übernimmt Buchhaltung und Personalführung, Kochen für die Mitarbeiter, Kasse während der Veranstaltungen. 30 bis 40 sind es im Jahr, die sie durch ganz Norddeutschland reisen lässt.

Zehn Monate im Jahr unterwegs

Die Söhne Felix und Mike kümmern sich seit 2017 um den kleinen Breakdancer. Zwei Ausschankwagen, mit denen sie vier Weihnachtsmärkte beschicken, bilden ein zweites Standbein. „Das ist auch nötig, denn die laufenden Kosten steigen ständig“, so Dreher-Vespermann.

Rund läuft es also nicht immer. Bauchschmerzen bereiten strenge Bestimmungen der Behörden. Mit 20 Fahrzeugen insgesamt bestreitet das Unternehmerpaar seine Geschäfte, darunter ein Schwertransport mit 59 Tonnen. „Dafür brauchen wir eine Sondergenehmigung und es ist schwer, da ranzukommen.“ Zudem gelten in Deutschland strenge Sicherheitsstandards. „Hier müssen wir immer mehr Formulare ausfüllen, man macht es uns schwer. Dabei ziehen wir auf den Volksfesten mehr Besucher an als die Bundesliga.“

Zehn Monate im Jahr verbringen die Dreher-Vespermanns unterwegs, nur im Januar und Februar tauschen sie Wohnwagen gegen festen Wohnsitz in Bremen-Gröpelingen. Aller Beschwerlichkeiten zum Trotz kann sie sich ein anderes Leben nicht vorstellen. „Ich bin Vollblutschaustellerin und beiße mich durch“, sagt Claudia Dreher-Vespermann.
Der Breaker soll den Besuchern noch lange Glücksgefühle bescheren.