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Oberneuland: Ein Stadtteil mit lebendiger Geschichte

Bauernhaus neben modernem Wohnbau: Das wachsende Quartier im Bremer Osten vereint ländliches Flair und attraktive Neubaugebiete

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Krokusse an der Franz-Schütte-Allee im Bremer Stadtteil Oberneuland.
Eine Million Krokusse für Oberneuland. Der Stadtteil erfeut sich nicht nur entlang der Franz-Schütte-Allee blühenden Lebens. Foto: Kristina Wiede

Obwohl der Stadtteil Oberneuland nur rund 5 Kilometer vom Zentrum entfernt liegt, geht es in dem rund 13.000 Einwohner zählenden Quartier spürbar gemächlicher zu. Umgeben von Osterholz im Süden, der Vahr und Horn-Lehe im Westen, Borgfeld im Norden und angrenzend an die niedersächsische Gemeinde Lilienthal erstreckt sich über eine Fläche von knapp 20 Quadratkilometer „das grüne Herz“ Bremens.

Hajo Kaemena. Foto: Kristina Wiede

Parkanlagen, Felder und Wiesen bestimmen dort noch immer das Bild. Zwar betreiben nur noch wenige Landwirte ihre Höfe innerhalb der Stadtgrenzen, aber das ländliche Erbe ist dennoch an vielen Ecken präsent. Einer, der sich wacker hält, ist Hajo Kaemena. Gemeinsam mit seiner Frau Bea baut der Landwirt vorwiegend Spargel und Erdbeeren auf den familieneigenen Feldern an. Seit 800 Jahren ist der Name Kaemena in Oberneuland verwurzelt, heute liegt der Hof unweit des neueren Zentrums um die Apfelallee. „Wir verkaufen unsere Produkte zu hundert Prozent direkt an die Endverbraucher“, sagt Hajo Kaemena. Noch ist unter den Planen auf dem Spargelfeld nichts zu sehen. „Mit etwas Glück und Temperaturen über zwölf Grad, könnten wir vielleicht schon Anfang April in die Spargelernte starten“, hofft der Bauer. Dann steht gleich neben der alten Dampfmühle wieder ein Stand, an dem der frisch gestochene Spargel auf hungrige Gourmets wartet.

Prunkvolle Zeugnisse

 

Der Klatte-Hof im Bremer Stadtteil Oberneuland.
Sitz des gemeinnützigen Vereins „Heimatvereen Oberneeland“ ist der Klatte-Hoff an der Rockwinkeler Heerstraße 123, Baujahr 1709, ab 1990 in Eigenregie der Mitglieder renoviert und umgebaut. Foto: Kristina Wiede

Zeugen alte Bauernhäuser hier und da vom dörflichen Leben des Stadtteils, erzählen etliche historische Landsitze eine jüngere Geschichte, als Oberneuland bei betuchten Kaufleuten und Bremer Senatoren als sommerliches Refugium beliebt war. Höpkens Ruh, Heinekens Park, Muhles Park – die Liste der opulenten Residenzen und Parkanlagen ist lang. „Von jener Zeit rührt der Ruf des Stadtteils als Wohnort für diejenigen, die es sich leisten können“, weiß Michael Blome vom Heimatverein. Als Kenner und Liebhaber der Oberneulander Geschichte recherchiert er regelmäßig im Archiv des ansässigen Bürgervereins und hält hin und wieder Vorträge über erhaltene Gebäude und Grünflächen. Heute mischen sich zunehmend immer mehr Mehrparteienhäuser unter altes Fachwerk sowie unter die prunkvolle Villen und freistehenden Einfamilienhäuser. Mehr Bewohner bedeutet mehr Verkehr – und das führt zu stärkerer Bebauung.

Geschichte zum Mitmachen

 

Klaus Backhoff, Rolf Junge und Gerd Meier (von links) vom Heimatverein Oberneuland vor dem Vereinssitz, einem alten Bauernhaus.
Klaus Backhoff, Rolf Junge und Gerd Meier (von links) vom Heimatverein Oberneuland pflegen norddeutsches Brauchtum.

Während nur wenige Hausnummern entfernt gerade ein altes Bauernhaus einem Neubauprojekt weichen muss, bemühen sich die Mitglieder des „Heimatvereen Oberneeland“ darum, den dörflichen Charakter lebendig zu halten. Sitz des gemeinnützigen Vereins ist der Klatte-Hoff an der Rockwinkeler Heerstraße 123, Baujahr 1709, ab 1990 in Eigenregie der Mitglieder renoviert und umgebaut. „Der Hof zählt zu den ältesten Gebäuden, das hier noch im Ganzen erhalten ist“, sagt Gerd Meier, erster Vorsitzender und langjähriges Gilde-Mitglied. In letzterer Funktion ist er sowohl Handwerker als auch Kulissenbauer. Stallungen und Scheune des umgebauten Fachwerkhauses werden heute als Theatersaal genutzt, jedes Jahr inszenieren Spielleiter Rolf Junge und sein Team der „Speeldeel“ ein neues Stück in plattdeutscher Sprache.

Reges Vereinsleben: Tradition und Sport

 

An der Rockwinkeler Heerstraße befindet sich die alteingesessene Apotheke
Im alten Zentrum an der Rockwinkeler Heerstraße: die alteingesessene Apotheke. Fotos: Kristina Wiede

Singen, Wandern, Reisen, Klönschnack – der Heimatverein erfreue sich dank der bunten Angebote und Kulturveranstaltungen steigender Mitgliederzahlen, doch fehle es in den eigenen Reihen an jüngeren Semestern, berichtet der zweite Vorsitzende Klaus Backhoff. Jüngstes Mitglied ist seine Tochter Amelie Backhoff. Sie betreibt in dritter Generation die 111 Jahre alte Apotheke im Zentrum des alten Oberneuland, einer kleinen Ansammlung von Läden um die Mühlenfeldstraße, unweit der alten Dampfmühle.

Im alten Zentrum Oberneulands

 

St. Johann.
Die Kirche St. Johann. Foto: Kristina Wiede

In diesem Teil befindet sich auch der Kirchhof der Evangelischen Kirchengemeinde Oberneuland mit der Kirche St. Johann und dem kirchengemeindeeigenen Friedhof. Weit über die Wümme-Niederung hinweg ist der Turm der im neugotischen Stil errichteten Kirche zu erkennen. Sie ersetzte 1860 das alte Gotteshaus der Gemeinde. „Die Gottesdienste konnten trotz des Umzugs lückenlos abgehalten werden“, weiß Klaus Behrens-Talla, Vorstandsmitglied und Kenner der Kirchenhistorie, aus den alten Dokumenten zu berichten.

Auf seine Initiative hin konnte die Kirchengemeinde auf der Freifläche im hinteren Teil des Friedhofs eine „Grundriss-Kirche“ realisieren. Von Rhododendren gesäumt und mit Blick auf die angrenzenden Felder zeichnen dort Steine den Grundriss dieser ersten alten Oberneulander Kirche nach, die sich einst nach Osten ausrichtete.

Klaus Behrens-Talla.
Klaus Behrens-Talla, Vorstandsmitglied der ev. Kirchengemeinde.

„Der Verlauf der älteren Grabsteine erinnert noch daran, wo das Gotteshaus damals stand“, so Behrens-Talla. Gleich neben dem Gemeindehaus wurde 2013 ein Neubau fertiggestellt, in dem sechs Gruppen untergebracht sind, drei für Kinder über und drei für Kinder unter drei Jahren. Träger beider Kindertageseinrichtungen ist die Kirchengemeinde. Während auf dem Friedhof traditionelle Sargträger noch in Dreispitz und Gehrock bestatten, sind nebenan Kinderstimmen zu hören.

Tendenzen des Wandels

Dass sich das Gesicht des Stadtteils stetig wandelt, ist seit Jahrzehnten spürbar. Während die einen diese Veränderungen begrüßen, bedauern andere das, was durch den Wandel verloren geht. Einschneidend war in den letzten Jahren unter anderem der Tunnelbau, der unter der Bahntrasse hindurchführt. Ganz in der Nähe der Franz-Schütte-Allee, die im März ein violettes Meer aus Krokussen beherbergte, regelt nun eine Ampel den Verkehr, wo vorher eine Schranke zu langen Autoschlangen führte. Der rege Bevölkerungszuwachs lässt ansässige Vereine wie den Grün-Gold-Club, Hockey-, Tennis- und Golf-Clubs florieren. Auch Kultur- und Musikveranstaltungen haben zuletzt wieder zugenommen. Unter anderem hat im alten Bahnhofsgebäude die Eventlocation Grand Central eröffnet, an der Rockwinkeler Heerstraße öffnete Vincent’s Café und Restaurant seine Türen. Beide Orte beleben den Stadtteil mit gastronomischen und kulturellen Angeboten.

Wohnen im Grünen

 

„Parkside Oberneuland“
Das Bauvorhaben „Parkside Oberneuland“ aus der Vogelperspektive: dort entstehen derzeit 200 neue Wohneinheiten. Foto: BRIK

Gegenwart und Gestriges liegen in dem beliebten Wohnquartier sehr nah beieinander, so auch im ehemaligen Büropark Oberneuland. Dass es dort einmal so schön aussehen würde, hätte vor wenigen Jahren wohl niemand vermutet. Im BRIK-Bauprojekt „Parkside Oberneuland“ entstehen auf rund 35.000 Quadratmetern Fläche 200 neue Wohneinheiten.
In 144 Reihenhäusern und 56 Wohnungen, die als sozial geförderter Wohnungsbau konzipiert sind, sollen Menschen ein Zuhause finden, die sich in unterschiedlichen Lebensphasen befinden und vielleicht – bis ins hohe Alter – zusammen wohnen können. Im Januar 2015 starteten die ersten Reihenhäuser in den Verkauf, nun stand im März 2017 die Grundsteinlegung für die Wohnungen an. Seit dem Baubeginn der ersten Reihenhäuser im Frühjahr 2015 schmücken mittlerweile familienfreundlich gestaltete Stadthäuser mit Dachterrasse und angelegtem Garten die Straßen. Der Material- und Farbmix ergibt ein individuelles und abgestimmtes Gesamtbild, so dass jedes Haus für sich einzeln erkennbar ist. Bis zum Jahr 2019 wird im ehemaligen Büropark Oberneuland ein Wohn- und Lebensraum geschaffen, der als Gebiet mit städtischer Struktur, mitten im Grünen bezeichnet werden kann. Direkt im Neubaugebiet entsteht eine KiTa, weiterführende Schulen und Versorgungsmöglichkeiten für den Alltag befinden sich im nahen Umkreis. Wald, Wiesen und die Wümme liegen direkt vor der Haustür, was Oberneuland als stadtnahes Quartier mit Nähe zur Natur für Eingesessene und Zugezogene zum attraktiven Wohnort macht.