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Habenhausen: Das Dorf in der Stadt

Viel Natur und doch citynah

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Bei Schnee wird der Werderseedeich in Habenhausen zum Spielparadies für Kinder. Foto: Martin Märtens

Begrenzt von Weser und Werdersee, Weiden und Autobahnzubringer liegt unweit der Innenstadt der Ortsteil Habenhausen. Straßennamen wie Achtern Höben, Fuhle Brede, Lienacker oder Holzdamm zeugen noch heute von der landwirtschaftlichen Vergangenheit, auch wenn es heute kaum mehr landwirtschaftliche Betriebe gibt. Dennoch wird von den Bewohnern das Erbe dieser Zeit noch immer gepflegt und Habenhausen erscheint wie ein dörfliches Eiland inmitten der Großstadt.

 

Ex-Profi Thomas Wolter geht gerne am Deich spazieren und genießt das Dörfliche an Habenhausen.

Habenhausen ist neben Katenturm, Kattenesch und Arsten ein Ortsteil Obervielands. Er zeichnet sich vor allem durch seinen dörflichen Charakter aus. Hauptsächlich Einfamilienhäuser säumen die Straßen, dazwischen immer mal wieder alte Höfe und alles von viel Grün und Wasser umgeben. „Für mich als Ur-Hamburger war das erst einmal ein Kulturschock. Zunächst das kleine Bremen und dann auch noch das dörfliche Habenhausen“, sagt Thomas Wolter. Der ehemalige Werder-Profi und Nationalspieler (1 Länderspiel) war zusammen mit Matthias Ruländer 1984 einer der ersten Werderspieler, die es in den Ortsteil nach Links der Weser zog. In der Zwischenzeit sind ihm einige gefolgt: Ailton, Claudio Pizarro und Angelos Charisteas etwa wohnten ebenso hinterm Werderseedeich wie zuletzt auch Ex-Sportchef Thomas Eichin, Assani Lukimya und Raphael Wolf. Ex-Trainer Victor Skripnik sowie der Europameister von 1996, Dieter Eilts, wohnen noch immer dort. Was aber macht den Stadtteil aus? „Für mich ist es das Dörfliche und die kurzen Wege“, erklärt Wolter. „Hier begrüßt man sich noch auf der Straße und hält einen Plausch beim Bäcker“.

Von Grün umgeben

Habenhausen ist praktisch von Grün umgeben – mit Ausnahme des Autobahnzubringers. Im Norden erstreckt sich das Naherholungsgebiet Werdersee. Spazierengehen, joggen, Radfahren, schwimmen, angeln, grillen – das spricht für Erholung direkt vor der Haustür. Im Osten begrenzt die Weser das Gebiet. Dort wurde 2015 in Höhe des neuen Wohngebietes Deichland eine Renaturierung der Weseraue mit Badestrand verwirklicht. In südwestlicher Richtung wird Habenhausen vom Krimpelsee, der für den Bau des Autobahnzubringers ausgehoben wurde und den dazugehörigen Grünflächen umgeben. Sowohl Werdersee, als auch Weserdeich und Krimpelsee gelten als beliebte Strecke für Kohltouren.

 

Das Hotel zum Werdersee.

Viele dieser von Ende Dezember bis in den März hinein dauernden Touren enden im Hotel zum Werdersee. Das Haus ist so etwas wie das gastronomische Zentrum des Viertels und feierte vor kurzem sein 50-jähriges Betriebsjubiläum. Neben Kohlfahrten finden dort auch regelmäßig Hochzeiten, Familienfeiern sowie Bälle statt. Ab Mitte März bis Mitte Oktober serviert man wieder jeden Mittwoch Schnitzel satt, ebenfalls von März bis Oktober gibt es jeden Donnerstag Abend-Büfett aus aller Welt, und von März bis April sind Steak-Wochen. Ansonsten locken noch das Vereinslokal des Habenhauser Fußballvereins (in dem auch größere Feiern veranstaltet werden können), die alteingesessene Balkan-Hütte, ein Asia-Buffet, ein Italiener sowie jede Menge Fast-Food-Restaurants im Gewerbegebiet.
Einmal im Jahr, berichtet Wolter, kommen seine Freunde aus Hamburg ihn noch immer besuchen. Dann geht es auf jeden Fall auf Kohlfahrt. „Natürlich hier auf dem Deich“ sagt der ehemalige Profi-Fußballer und zeigt auf den Weg entlang der Weser. „Hier bin ich schon früher vor den Spielen immer mit dem Hund spazieren gegangen. Und das mache ich auch heute noch gerne. Das machen viele Habenhauser und so kann es an Wochenenden – vor allem wenn die Sonne scheint – auch schon mal richtig voll werden. Gerade wenn Schnee liegt, tummeln sich die Kinder mit Schlitten am Deich. Und als vor ein paar Jahren mal der Werdersee zugefroren war, konnte man auf ihm mit Schlittschuhen bis in die Innenstadt fahren.

Neue Bauprojekte

 

Gartenstadt Habenhausen.

Die Besonderheiten Habenhausens werden gerade auch von vielen Bauunternehmen entdeckt. So entsteht derzeit um ein altes Bauerhaus (Bestandshaus) die Gartenstadt Habenhauser Hof. Der Bauherr und die Planer aller Baudisziplinen haben in der Deich- und Flusslandschaft im Zentrum von Habenhausen eine kleine Gartenstadt mit 41 Häusern konzipiert. Sie ist nicht in sich abgeschlossen, aber eingebettet in die alte und neue Dorf- und Stadtlandschaft Habenhausens. Am 26. Mai findet das zweite Richtfest für die Häuser mit deren Bau jetzt begonnen wird statt. Die Häuser werden noch 2017 fertiggestellt sein“, so Bauunternehmer Klaus Hübotter.

 

Umstritten: Die Erweiterungsfläche des Friedhofs soll bebaut werden.

Praktisch auf der anderen Straßenseite entsteht der „Lindenhof“. Ein Bauvorhaben sorgte in jüngster Vergangenheit allerdings für einige Unruhe im Stadtteil: Gegen die Bebauung der Erweiterungsfläche des Huckelrieder Friedhofs setzten sich viele Bürger Habenhausens zur Wehr. Knapp 600 Wohneinheiten sind dort geplant. Wann jedoch eine Umsetzung des Planes folgt, scheint derzeit noch nicht klar. „Die Baubehörde treibt das Projekt mit Hochdruck voran. Der Bebauungsplan 2452 ist in Arbeit und wird voraussichtlich im Frühjahr der Deputation zugeleitet. Nach dem Satzungsbeschluss durch die Bürgerschaft ist frühestens im kommenden Jahr mit einem Baubeginn zu rechnen. Vor Baubeginn muss noch das konkrete Genehmigungsverfahren durchlaufen werden“, heißt es dazu von Seiten der Baubehörde.

Thomas Wolter lebt seit 32 Jahren im Stadtteil. Eigentlich hatte er früher immer mal mit dem Gedanken gespielt nach Hamburg zurückzukehren. Mittlerweile ist er mit einer Bremerin verheiratet, seine Kinder sind in Habenhausen aufgewachsen, zur Schule gegangen und haben in den dort ansässigen vereinen Sport gemacht. Wolter: „Hamburg ist eine tolle Stadt, in der mächtig was los ist. Ich bin immer gerne dort. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich in mein beschauliches Habenhausen zurückkehren kann.“