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Sieben Tage, sieben Farben

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen.

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Meine früheste Zeitrechnung ist bunt: Farben bestimmten die Kalender meiner Kindheit bis in die frühen Jugendtage – genauer gesagt die Farben Gelb, Grün, Blau, Rosa, Lila, Rot und Orange. Vielleicht ahnen Sie schon, worauf diese Kolumne hinauswill?

Die schönste Farbe für mich war Rot. Rot bedeutete einen kurzen Schultag und dann viel Freizeit. Rot bedeutete aber auch Badewanne und länger aufbleiben mit „Daktari“, „Raumschiff Enterprise“, „Disco“ oder „Hitparade“, und natürlich „RudiCarrell“. Orange dagegen hieß ausschlafen und nach dem Mittag TV-Kinderstunde, Spaziergang mit den Eltern und schließlich Abendbrot mit den Waltons oder dem Portier aus dem Hotel Sacher.
Die neue Woche begann immer Gelb und am Abend wurde im Fernsehen gemalt. Dann ging es in Grün weiter und das verhieß ein Wiedersehen mit Popeye oder Paulchen Panther und wurde in späteren Jahren auch die Farbe eines schnurrbärtigen Inseldetektivs auf Hawaii, und einer stinkreichen Ölmagnaten-Familie in Dallas. Wenn die Farbe Blau dran war, hatte man schon wieder die halbe Woche rum, als ich etwas älter war, durfte ich mich am Abend in den Straßen von San Francisco rumtreiben. Die Farbe Rosa mochte ich, weil sie sich schon ein bisschen nach Wochenende anfühlte und weil ich „Dalli Dalli“ und „Der Große Preis“ gern hatte. Wenn der Tag Lila war, kribbelte es richtig: Lila bedeutete für mich nicht nur Judo-Training, Lila war auch die Farbe der Kriminalisten. Da waren am Abend nämlich Kommissar Keller und später Oberinspektor Derrick unterwegs und sagten so Sachen wie „Sind Sie ein Mörder, Herr Gruber?“ oder „Harry, er war’s!“ Tja und dann wurde es ja auch schon wieder Rot und damit fing das bunte Farbenspiel wieder von vorne an…

Apropos von vorne … Die Woche begann bei mir in Kindertagen immer samstags. Schließlich war der rote Tag immer der erste in unserer Fernsehzeitung. Ging es Ihnen vielleicht auch so? Es war ein Heft, in dem nicht nur verlässlich Pillhühner und „Mecki“-Comics zu finden waren und bei dem man nicht selten kopfschüttelnd vor zwei Vergleichsbildern saß, weil sich in einem der beiden sieben Fehler eingeschlichen hatten, die ich partout nicht finden konnte! Es war aber auch die Programmzeitschrift, die für jeden Wochentag eine andere Farbe bereithielt! Diese Farben verbinde ich bis heute mit den dazugehörigen Tagen. Der Samstag ist rot, der Sonntag orange, der Montag gelb, Dienstag grün, Mittwoch blau, Donnerstag rosa und Freitag eben lila! Es sind die Farbgebungen aus einer Zeit, in der man Sendungen, die man nicht verpassen wollte, in der Programmzeitschrift noch „umkringelte“ – eine Art Vorläufer der heutigen Aufnahmeprogrammierung.

Wie auch immer, die Wochentage haben in meinem Kopf ihre Farben bis heute behalten. Und wenn Sie mal ein entsprechendes Quiz unter Babyboomern veranstalten, werden Sie merken, dass ich in guter Gesellschaft bin. In diesem Sinne: Schönes Rot-Orange. Also Wochenende!