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Nashville-Sound von der Weser

Hausbesuch bei Singer/Songwriterin Ann Doka / Auftritt beim „Überseefestival“ am 29. August

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Ann Doka in ihrem Wohnzimmer (links), in ihrem Studio und mit „ihrer“ Pizza. Fotos: M. Meister

Sie ist einer der aufgehen Sterne am deutschen Country-Pop-Himmel:
Ann Doka. Wir hatten die Möglichkeit, die Sängerin in ihrem Haus in Stuhr zu besuchen. Im Gespräch haben erfahren, wie sie zur Musik gekommen ist und warum sie als 14-Jährige Country hörte.

„Der wilde, wilde Westen, fängt gleich hinter Hamburg an …“, lautet die wohl bekannteste Textzeile der deutschen Countrypioniere von Truck Stop. Mit Blick auf die Bremer Singer-Songwriterin Ann Doka müsste man den Text jetzt vielleicht auf „… gleich hinter Bremen in Stuhr an“ umdichten. Denn dort hat es die 40-Jährige mittlerweile hin verschlagen, nachdem sie vor sechs Jahren der Liebe wegen aus Hessen nach Bremen zog. Die Beziehung sei inzwischen zwar Geschichte, dafür habe sie ihre Liebe für Norddeutsche Tiefland entdeckt. Gemeinsam mit ihrem neuen Freund bewohnt die Marketing- und PR-Managerin unweit Bremens Stadtgrenze ein Haus, in dem sich auch ihr Studio befindet. „Hier entstehen meine Songs, mehr braucht man dazu heutzutage eigentlich nicht mehr“, sagt sie und zeigt in ihrem Büro auf einen Laptop sowie eine kleine Aufnahmekabine.

Bereits im Alter von sechs Jahren hat die gebürtige Hessin ihre ersten musikalischen Pfade beschritten. „Wir durften uns als Kinder ein Instrument und eine Sportart aussuchen. Ich habe mich für die Gitarre und den Kampfsport Jiu-Jitsu entschieden“, so die Musikerin. Später, mit 14 Jahren, begann sie den amerikanischen Radiosender AFN (American Forces Network) zu hören. Genauer gesagt: vor allem den „American Country Countdown“, der dort lief. „Ich fand das cool, das Amerikanische hat mich begeistert, dennoch war es eher Zufall, dass ich beim Country hängen geblieben bin. Das lag vor allem daran, dass dort der Song „I Swear“, den sie bis dahin nur von der Band All-4-One kannte, in einer anderen Version gespielt wurde. „Ich habe es für ein interessantes Cover gehalten, bis ich feststellte, dass das die Originalversion war, die von John Michael Montgomery stammt und vielmehr All-4-One den Song gecovert hatten.“ Ihr Onkel schenkte ihr eine CD des Interpreten und fortan hörte die Teenagerin Country. „Man kann also sagen, dass mein Onkel es verbockt hat“, so Ann Doka mit einem Lächeln.

Fortan lief nur eine CD rauf und runter, Texte wurden aufgeschrieben, Akkorde rausgehört und schließlich die Songs nachgespielt. Vor allem die Harmonien der Musik hatten es ihr sofort angetan. Andere Countrykünstler wurden entdeckt und auch deren Songs nachgespielt, mal alleine, mal mit Band. „Meinen ersten eigenen Song habe ich recht spät im Alter von 24 Jahren geschrieben“, erinnert sich die Musikerin. Mittlerweile schreibt sie im Rahmen ihrer „Monday Writers Round“ sogar Songs für andere Künstler und ist dabei nicht nur auf Country festgelegt. „Das letzte Stück, das ich geschrieben habe, war sogar Schlager, hatte aber eine wunderbare Melodie“, sagt Doka. Selbst beschreibt sie ihren Sound auch eher als Nashville-Pop denn als Country. „Mir sind Melodien wichtig, da kann es schon mal etwas poppiger werden.“ Generell beginnt ein Song bei ihr immer mit der Musik. Erst nach und nach kommen dann die Worte. „Texte sind aber nicht wirklich meine Spezialität“, wie sie bekennt.

Derzeit arbeitet Ann Doka an ihrem dritten Studioalbum, welches im Frühjahr 2022 erscheinen soll. Produziert wird es in Nashville, wo sie vor etwa zehn Jahren auch entdeckt wurde. „Ich war im Urlaub dort, bin bei einem Countryfestival auf eine ‚Open-Stage‘-Bühne gegangen und habe einen Song gespielt. Nach meinem Auftritt kam jemand zu mir und sagte, dass er von einer Plattenfirma sei und ich mal vorbeikommen solle, damit man zusammen einen Song schreiben könne. Das habe ich dann auch getan, und innerhalb von zwei Stunden hatten wir einen fertigen Song, zu dem ich fast nichts beigetragen habe.“ Dennoch wollte sie das Lied unbedingt auf CD haben. Der Produzent erklärte ihr, dass man dafür aber mindestens noch zwei weitere Lieder bräuchte. Binnen kurzer Zeit wurden diese dann gemeinsam geschrieben und man ging erneut ins Studio. „Plötzlich waren da Profimusiker, unter anderem der Gitarrist von Countrystar Keith Urban. Den hatte ich erst kurz davor bei einem Konzert von Urban gesehen und plötzlich spielte der für mich.“ Es entstand ein Drei-Song-Minialbum. Anschließend wurden zwei weitere Alben in Nashville produziert.

Zuletzt gewann Ann Doka den „German Songwriting Awards“ sowie den Akademia Awards. Und das italienische Restaurant Mi Gusto aus Huchting benannte sogar eine Pizza nach ihr. Ann Doka veröffentlicht ihre Alben auf ihrem eigenen Label (NASH*DASH Records) – so habe sie die beste Kontrolle über alles, sagt sie. Ausschließlich von der Musik leben will sie aber nicht. Und das, obwohl man bei ihr das Gefühl hat, dass alles, was sie macht, irgendwie mit Musik zu tun hat: Gitarren hängen an den Wänden, diverse Preise zieren die Regale und anstatt etwas von CD vorzuspielen intoniert sie es kurzerhand einfach selbst. Dabei zeigt sie keinerlei Nervosität, ganz im Gegenteil: „Ich liebe es einfach, live zu spielen.“ Seit Kurzem kann sie das auch wieder beim von ihr organisierten „Blue-grass Jam“ an jedem ersten Donnerstag im Monat in der Pusta Stube im Blockland. „Da kommen einfach Musiker, bringen ihr Banjo, ihre Mandoline, ihre Geige oder ihren Kontrabass mit und dann jammen wir los. Ein Riesenspaß“. Und live wird sie auch als Ann Doka demnächst wieder auf der Bühne stehen. Am 4. August supportet sie den Hit-Singer-Songwriter Tebey aus Nashville, bei „Sound Of Nashville“ in Hamburg, am 29. August steht sie beim „Überseefestival“ am Alten Zollamt mit ihrer Band auf der Bühne. Und dort soll es dann auch schon den einen oder anderen Song ihres kommenden Albums zu hören geben.

Mehr Infos zu Ann Doka im Internet unter www.anndoka.com.