Start Bremen Michaela Schaffrath Gemüsewerft – ein „Sundowner“ der besonderen Art

Gemüsewerft – ein „Sundowner“ der besonderen Art

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Michaela Schaffrath (49), Schauspielerin. Foto: C. Anthonyo

Michaela Schaffrath ist Schauspielerin, Sprecherin und Moderatorin.
In ihrer Kolumne entdeckt die Neubremerin für das STADTMAGAZIN Bremen die besonderen, verborgenen und weniger bekannten Orte der Hansestadt.

Da fährt man als „Neu-Bremerin“ nichtsahnend mit dem Fahrrad eine kleine Abkürzung über das ehemalige Kellogg’s-Gelände in der Überseestadt und geht völlig perplex in die Eisen, weil man seinen Augen nicht traut. Ist das etwa Hopfen, der da angebaut wird?
In der Tat … und nicht nur das. Denn in der Gemüsewerft direkt an der Weser wird nicht nur Hopfen angebaut – der direkt vor Ort von der Bremer Braumanufaktur zu diversen Craft-Biersorten verwandelt wird – in rund 400 Hochbeeten wachsen zudem zahlreiche Gemüse, Kräuter und Beeren heran, die man, täglich frisch geerntet, käuflich erwerben kann. Es ist ein Paradies für Liebhaber der urbanen Landwirtschaft. Sozusagen noch obendrauf kann man hier das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Der liebevoll angelegte Biergarten mit den selbst gebauten Sitzgruppen und Emporen zwischen Pflanzcontainern und Hopfen lädt zum Entspannen, Verweilen und Träumen ein.

Panoramablick auf die Weser und Sonnenuntergang inklusive. Und falls es draußen mal etwas Schattiger ist, dient ein ausrangierter Straßenbahnwaggon als Gastraum.
Wer keine Lust auf ein kühles Blondes hat, beziehungsweise aus fahrtechnischen Gründen darauf verzichten muss, erhält selbstverständlich ein alternatives Erfrischungsgetränk. Der Ausschank befindet sich im ehemaligen Pförtnerhäuschen, zudem wird auch Kaffee und Kuchen serviert.

Ein weiterer guter Grund, die Gemüsewerft zu besuchen und zu unterstützen sind die Mitarbeiter. Das Gartenbauprojekt der Gesellschaft für integrative Beschäftigung (GiB) beschäftigt dort nämlich Menschen mit psychischen Erkrankungen, seelischen und geistigen Behinderungen. Und diese Arbeit macht sie stolz und selbstbewusst. Ein wunderbarer Gedanke, der dahintersteckt!

Ehrlich gesagt, hat mich die Schließung des Traditionsunternehmens Kellogg‘s nach 50 Jahren anfangs traurig gestimmt, aber das Gelände verkommt glücklicherweise nicht zu einer Industriebrache. Es wird zwar noch viele Jahre dauern, bis alle geplanten Projekte auf der „Überseeinsel“ fertiggestellt sind, aber die Gemüsewerft mit ihrem Biergarten, dem wundervollen Ausblick und dem sozialen Engagement sind ein guter Anfang und ganz sicher einen Besuch wert!

Na dann, zum Wohl … und ich wünsche Ihnen einen wahrhaft goldenen Oktober, vielleicht sogar mit einem Sundowner der besonderen Art in einer urbanen Oase.