Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Liederliches Weihnachten

Liederliches Weihnachten

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch schon mal einen Blick hinter die Kulissen.

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Alle Jahre wieder rieselt leise der Schnee. Denkste! Das einzige, was hier in unseren Breiten rieselt und aus den Untiefen der Radio-Archive hochgespült wird, sind Weihnachtslieder – keine richtigen, sondern hitparadentauglicher Mainstream.

Da klingeln nicht die Weihnachtglocken, sondern die Kassen der Interpreten. Im Hitparadenland England wurde kürzlich eine Liste mit den sich lohnenden Songs zum Krippenfest veröffentlicht. Und wer steht auf Platz 1? Nein, nicht „Last Christmas“ von „Wham“ mit George Michael. Die brachten es mit ihrem 1984er Hit nur auf läppische 350.000 Euro im Jahr und damit auf Platz 5. The winner is…: die Glam-Rockband „Slade“ mit „Merry Christmas Everybody“. Eigentlich eine Band, die noch in die End-60er Jahre gehört und damit in eine Zeit, in der das total verkommerzialisierte Fest angeprangert wurde. Aber auch die Schreihälse von damals werden älter. „Slade“ zockt jedes Jahr für diesen Song gute 600.000 Euro ab. Schöne Bescherung, oder? Das ist mal ’ne Rente.
Und wie sieht es bei uns aus? Da fahren Helene Fischer und Xavier Naidoo nach London in die Abbey Road-Studios und trällern eine kaum zu ertragende Version von „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Eigentlich ein Kinderlied mit fünfzehn Strophen, das Martin Luther im Jahr 1535 für die Weihnachtsbescherung seiner Kinder geschrieben hatte. Wäre von der Textlänge eher etwas für Reinhard Mey gewesen, der sich ja über den Wolken gut auskennt, aber Helene schwebt bei ihren Konzerten auch ständig engelsgleich von oben auf ihre Fans hernieder. Das wirklich Letzte – also „Last Christmas“ – hat sich allerdings Matthias Reim geleistet, als er George Michael fragte, ob es Einwände gegen eine deutsche Version des Hits geben würde. Der hat blöderweise kein Veto eingelegt und mich fragt ja keiner. Deshalb reimte Reim:

„Letzte Weihnacht ist ein Jahr her
Ich gab Dir mein Herz
Jetzt willst Du’s nicht mehr.
Diesmal, das schwöre ich Dir.
Da schenk ich es einer Bessren.“

Wolfgang Niedecken von BAP machte es besser und schenkte sein Herz Nina Hagen, als sich die beiden den Hit der Folk-Punk-Band The Pogues „Fairytale of New York“ vornahmen – in England ist das Original die beliebteste Weihnachtssingle überhaupt. Auf Kölsch und Deutsch heißt es jetzt: „Weichnachtsnaach“. Und wo wir gerade bei Herrn Niedecken sind. Beim TV-Weihnachtsspecial von „Sing meinen Song“ wünschte sich Xavier Naidoo von ihm den John Lennon-Song „Happy Christmas“. Dem schließe ich mich dann mal an:

„So, this is Christmas – and what have you done?
Another year over – and a new one just begun.
And so this is Christmas – I hope you have fun…“