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Klarheit für den Speiseplan

Ernährungsberaterin Jana Holm stellt Ernährungsmythen auf den Prüfstand

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Foto: Adobe

Kohlenhydrate machen dick, Äpfel schützen vor Krankheiten und Karotten stärken die Sehkraft? So vielfältig wie die Essgewohnheiten der Menschen sind auch die Thesen, die in Bezug auf eine gesündere Ernährung aufgestellt werden und mitunter für Unsicherheit sorgen. Jana Holm ist Ernährungsberaterin und Leiterin der Abteilung „AktivGesund“ im RehaZentrum Bremen. Wir haben sie gebeten, zu einigen der häufigsten Aussagen Stellung zu beziehen.

Jana Holm vom RehaZentrum Bremen. Foto: FR

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.
Ich denke, das ist individuell zu betrachten. Wer über den Tag verteilt drei bis fünf Mahlzeiten zu sich nimmt, ohne dass dabei ein klassisches Frühstück zusammenkommt, ernährt sich nicht schlechter als jene, die frühstücken. Wer allerdings das Frühstück weglässt und nur zwei Mahlzeiten am Tag isst, läuft Gefahr, gerade mittags ein sehr großes Hungergefühl zu entwickeln und entsprechend sehr viel zu essen. Auch das bekannte „Snacken“ wird dann häufig praktiziert, was bei einem angestrebten Gewichtsverlust problematisch sein kann.

Wer abnehmen will, sollte auf Kohlenhydrate verzichten.
Dieses Konstrukt hält sich sehr hartnäckig, ist aber nur bedingt richtig. Wir haben in unserer Gesellschaft ein sehr großes Nahrungsangebot, das häufig sehr kohlenhydratlastig ist. Wenn viel von den „falschen“ Kohlenhydraten gegessen und gleichzeitig viel Fett aufgenommen wird, machen diese Produkte langfristig schon dick, ja. Allerdings ist zu betonen, dass eben das „zu viel“ für eine Gewichtszunahme sorgt und nicht der Nährstoff an sich. Entscheidend sind also nicht die Kohlenhydrate, sondern die Energiemenge. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind Weißmehlprodukte, deren Sättigungsfaktor nicht vergleichbar mit Vollkornprodukten ist.

Über eine Gewichtsabnahme entscheidet allein das Kaloriendefizit.
Das stimmt. Wer sich im Kaloriendefizit befindet, verliert Gewicht. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Qualität der Nahrungszusammensetzung keine Rolle spielt. Wer beispielsweise einen Makronährstoff, also Eiweiß, Kohlenhydrate oder Fett, komplett von seinem Speiseplan verbannt, könnte einen Mangel an Nährstoffen entwickeln. Wenn solche Mängel bestehen, sind die Hormone und der Körper bestrebt, diese Stoffe über Umwege wieder reinzuholen. Das bedeutet, dass der Hunger mitunter so groß wird, dass es schwierig werden kann, die Diät durchzuhalten.

Alkoholkonsum bremst sportliche Leistungsfortschritte und ist bei einer gewünschten Gewichtsreduktion nicht empfehlenswert.
Das würde ich genau so unterschreiben. Nach dem Sport setzen im Körper verschiedene Regenerationsprozesse ein. Haben wir Muskelkater, müssen etwa die entstandenen Mikrorisse im Gewebe ausheilen. Dieser Prozess verlangsamt und gestaltet sich weniger effektiv, wenn Alkohol getrunken wird, weil der Körper auf den Abbau des Alkohols als Zellgift fokussiert ist. Die Verbesserung der Ausdauer und das Muskelwachstum verschlechtern sich dadurch ebenfalls, zudem wird die Fettverbrennung pausiert. Was viele außerdem unterschätzen: Alkohol hat eine hohe Kalorienmenge und wird oft noch mit kalorienreichen Säften und Softgetränken kombiniert.

One apple a day, keeps the doctor away.
Im Apfel sind Vitamine und Nährstoffe enthalten, die der Körper benötigt: Vitamin C, Kalium und Pektin in der Schale. Es gibt aber natürlich auch andere Obst- und Gemüsesorten, die viel Vitamin C enthalten. In einer Paprika steckt beispielsweise mehr davon als in einer Orange. Äpfel sind gesund und eignen sich gut für eine gesunde Ernährungsweise, werden jedoch keine Wunder vollbringen, wenn die restliche Ernährung schlecht ist.

Karotten sind gut für die Augen.
Für viele klingt das absurd, ein Funken Wahrheit ist jedoch dran. In Karotten befindet sich der Stoff Betacarotin, welcher von unserem Körper in Vitamin A umgewandelt wird. Für die normale Funktion unserer Augen wird Vitamin A benötigt, wenn auch nicht sehr viel. Wenn unser Augenlicht schlechter und eine Brille benötigt wird, würde auch ein Kilo Karotten am Tag daran nichts ändern. Wer einen Vitamin-A-Mangel hat und beginnt Karotten zu essen, könnte jedoch schon mit einem positiven Effekt rechnen.

Schokolade macht glücklich.
Das ist leider wahr (lacht). Vielleicht müsste man es etwas relativieren, denn Schokolade macht scheinbar glücklich. Grundsätzlich ist es so, dass durch die Aufnahme des darin enthaltenden Zuckers und Fetts bestimmte Areale im Hirn angesprochen und dadurch Glückshormone ausgeschüttet werden. Langfristig ist übermäßiger Schokoladenkonsum eher ein Kompensationsmechanismus.