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Karl-Heinz Fehrensen: „Es war eine tolle Kameradschaft“

Der ehemalige Vorsitzende des Bremer Schaustellerverbandes im Interview

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Der Schausteller Karl-Heinz Fehrensen 2005 in seinem Wohnwagen. Foto: Frank Thomas Koch

Jauchzende Kinder, bunte Lichter, laute Musik und ein ständiges Hoffen auf gute Wetterverhältnisse: Diese Dinge prägen das Leben von Schaustellern, die ihren Arbeitsplatz inmitten von Volksfesten dort haben, wo andere Menschen ihre Freizeit verbringen. Auch Karl-Heinz Fehrensen geht seit Jahrzehnten mit Herz und Leidenschaft dem Schaustellerberuf nach, führte mit der Losbude „Glücksprinz“ den Familienbetrieb fort und ist heute noch mit Greifautomaten auf dem Freimarkt präsent.
Im Interview mit dem STADTMAGAZIN schwelgt der 78-Jährige in Erinnerungen, erzählt von seinem ersten beruflichen Freimarkterlebnis und spricht über Veränderungen, die sich seiner Ansicht nach vollzogen haben.

Herr Fehrensen, Sie sind seit Ende Ihrer Schulzeit als Schausteller tätig. Was haben Sie an Ihrem Beruf bisher am meisten genossen?
Karl-Heinz Fehrensen: Als junger Mann fand ich es immer unheimlich spannend, in eine neue Stadt zu kommen und dort die Eigenarten des jeweiligen Volksfestes als auch die Menschen kennenzulernen. Das war die Zeit, bevor mein Vater starb und ich in der geschäftlichen Eigenverantwortung stand. Danach ging im wahrsten Sinne des Wortes der Ernst des Lebens los.

Gab es besonders schöne Momente und Situationen, an die Sie sich erinnern können?
Spontan fällt mir da unser damaliger Luftballon-Club ein, eine Clique von jungen Männern aus dem Schaustellerbetrieb, der ich angehörte. Gemeinsam haben wir viele schöne Reisen unternommen, zum Beispiel nach Russland oder Amerika. Es war eine tolle Kameradschaft. Zum Teil besteht sie sogar heute noch.

Wie steht es um die Schattenseiten des Schaustellerlebens?
Die gibt es natürlich auch. Als Schausteller ist man stets auf gutes Wetter angewiesen. Wer Geld verdienen will, kann Regen nicht gebrauchen. Leider ist das etwas, was man selbst nicht beeinflussen kann. Außerdem ist der Konkurrenzdruck im Laufe der Jahre stärker geworden, was daran liegt, dass die Anzahl an Schaustellerbetrieben gestiegen ist. Dadurch sinkt die Freude am Beruf natürlich etwas.

Sie wurden in eine Schaustellerfamilie hineingeboren. Wie haben Sie als Kind dieses Leben wahrgenommen?
Ich muss sagen, dass ich es immer sehr genossen habe. Sie können sich das vielleicht vorstellen: Wenn man als Schaustellerkind in eine neue Klasse kam, war man der Mittelpunkt der Gemeinschaft. Man hatte schließlich schon viel erlebt und entsprechend spannende Geschichten zu erzählen. Manchmal konnte ich auch Freikarten an meine Klassenkameraden verteilen. Das war wirklich eine schöne Zeit.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Freimarkterlebnis erinnern?
Das war 1946, meine Eltern waren zum ersten Mal mit dem „Glücksprinz“ als Schausteller auf dem Markt. Ich war damals noch klein, kann mich aber noch gut erinnern. Natürlich war der Freimarkt damals ganz anders als heute. High-Tech-Fahrgeschäfte gab es damals schlichtweg noch nicht. Auch das Essensangebot war damals noch nicht so reichhaltig und vielseitig.

Wie haben Sie die Stimmung und Atmosphäre zwischen den Schaustellern erlebt?
Das Miteinander war immer sehr harmonisch und freundschaftlich. Als ich noch jünger war, saßen wir nach Feierabend oft noch beisammen, haben ein Bierchen gezischt und gemeinsam gefeiert.

Eine wiederholt artikulierte Kritik besteht in dem Vorwurf, dass sich der Freimarkt immer mehr vom familiären Event entfernt und das Partyerlebnis immer mehr im Vordergrund stehen. Wie bewerten Sie die Entwicklung?
Ich sehe das mit sehr kritischen Augen, da es mit Einnahmeverlusten für uns Schausteller auf der Außenfläche einhergeht. Besucher verharren oft stundenlang in den Festzelten und verlassen sie erst wieder nach Ende der Öffnungszeiten. In dieser Zeit fehlen uns einfach die Menschen, die bereit sind, Geld auszugeben. Die Tatsache, dass diese Betriebe ein immer größeres Publikum an sich binden, wirkt sich für uns wirklich nachteilig aus.