Start Bremen Jonny blickt auf Werder Ohne Mut wird es nicht klappen

Ohne Mut wird es nicht klappen

Jonny blickt auf Werder

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Jonny Otten.

Tja, was soll man nach dem 0:2 im Heimspiel gegen Dortmund und der sechsten Heimniederlage in Folge noch sagen? Guckt man auf den Verlauf der Saison, geht es ganz klar in Richtung zweite Liga. Ich weiß, wovon ich spreche, schließlich bin ich gleich in meiner ersten Saison als Profi mit Werder abgestiegen. Auch wir haben uns damals nicht vorstellen können, dass wir am Ende runter müssen. Aber wir haben damals wenigstens unsere Heimspiele gewonnen. Größtenteils zumindest. Und wir haben gekämpft – etwas, was ich bei der aktuellen Mannschaft vermisse. Dabei darf man mich an dieser Stelle nicht falsch verstehen: Ich glaube, dass die Mannschaft kämpfen will, aber in gewissen Situationen einfach in eine Art Schockstarre verfällt. Vor allem nach Gegentoren fällt es den Jungs unglaublich schwer, den Schalter wieder umzulegen. Ich glaube, dass das in diesem Fall auch eine Mentalitätsfrage ist. Die Spieler sind alle hervorragende Fußballer, aber das dreckige Spiel, das man im Abstiegskampf benötigt, geht ihnen ab. Niclas Füllkrug, Philipp Bargfrede und Kevin Möhwald wären solche Typen, aber fallen leider fast die komplette Saison aus. Deshalb ist es umso wichtiger, dass es jetzt in den nächsten Spielen zu einem Erfolgserlebnis kommt – egal wie. Hinten steht die Mannschaft meiner Meinung nach sicherer als noch zum Ende der Hinrunde. Vorne fehlt es dafür komplett am Durchsetzungsvermögen. Ich wünsche der Mannschaft den Mut, sich etwas zuzutrauen. Die Spieler haben diese Qualität, rufen sie zurzeit nur einfach nicht ab. Nur, ohne Mut wird es nicht klappen, ohne den entsprechenden Einsatz auch nicht. Ich meine damit nicht, dass sich die Mannschaft jetzt in jedem Spiel zehn gelbe Karten abholen soll, es geht vielmehr darum, den entscheidenden Schritt mehr zu machen, da hinzugehen, wo es wehtut, und sich gegenüber dem Gegenspieler zu behaupten. Früher sagte man immer „über den Kampf zum Spiel finden“ – eine Theorie, die auf Werder meines Erachtens momentan zu 100 Prozent zutrifft.

Die nächsten Spiele sind entscheidend. Und auch wenn das rettende Ufer momentan weit entfernt scheint, kommen zu Beginn des letzten Drittels der Saison die entscheidenden Begegnungen gegen Frankfurt, Hertha BSC, Freiburg, Paderborn und Mainz. Die Mannschaft hat das Zeug, diese Partien für sich zu entscheiden, wenn das Selbstvertrauen und die Abläufe stimmen. Dann kann man auch gegen Mönchengladbach, Leverkusen und Schalke etwas holen – das haben die letzten beiden Spielzeiten gezeigt. So könnte es am 34. Spieltag zu einem echten Finale um den Klassenerhalt gegen den 1. FC Köln im Weserstadion kommen. Dafür müssen alle, angefangen bei der Mannschaft über das Trainerteam bis hin zu den Fans alles tun. Nur muss der Hebel jetzt endlich mal umgelegt werden – sonst sehe ich wirklich schwarz.