Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen In Bremerhaven wirst du nicht alt …

In Bremerhaven wirst du nicht alt …

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und nimmt dabei auch sich selbst schon mal auf die Schippe.

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Matthias Höllings. Foto: Frank Pusch

„Hein, duck di, kommt’n Damper“ ist so ein uralter Schnack, den die Leute Hein Mück aus Bremerhaven oft zugerufen haben. Aber bei so vielen großen Schiffen wie im Moment macht das Wegducken nicht wirklich Sinn. Ist zwar eine gute Fitnessübung, aber alt wird man dabei nicht. Warum nicht? Weil alle ans Meer wollen und den Einheimischen die gute Luft wegatmen? Nee, wohl kaum, aber die Leute vom Max-Planck-Institut „beschreiben in einer Studie die geschätzte Lebenserwartung bei Geburt in den 402 Kreisen Deutschlands während der Jahre 2015 bis 2017“. Ok, beim Wort „geschätzt“ bin ich schon ein wenig stutzig geworden, schätze aber mal, dass die keine Lust hatten, alles genau auszurechnen.

Jedenfalls wollen die Max Planckler herausgefunden haben, dass man im Landkreis München am ältesten wird. Die dortigen Männer schaffen es mit 81 Jahren auf Platz eins. Die Frauen werden immerhin fast 86, aber nur, wenn sie in Starnberg leben. Tja, und was hat das mit Bremerhaven zu tun? Da liegen die Männer mit gut 76 Jahren auf dem letzten Platz, also auf Platz 402. An der Küste geht’s also schon sehr früh in die Kiste. Die Mädels werden hier in Bremerhaven auf dem Deich sieben Jahre älter. Und wer ist schuld?

In Fishtown ist angeblich die Schuldenquote zu hoch. Es gibt viel Arbeitslosigkeit, weshalb die Menschen erstens keine Kohle und zweitens keine Perspektive haben, obwohl man so weit gucken kann und die eigentliche Freiheit doch auf dem Meer liegt. Auch sei das Wetter hier im Gegensatz zu München aufs Jahr gesehen zu mies. Das strengt an, besonders, wenn man nichts zu tun hat. Abhilfe soll man sich suchen, Gleichgesinnte. Ist aber schlecht in Bremerhaven, wenn die Gleichgesinnten auch alle nichts zu tun haben. Die höchste Lebenserwartung hat man nach Meinung der Max Plancker wohl in Kleinstädten. Da habe ich aber Glück gehabt, denn ich bin in Bremerhaven geboren, wohne jetzt aber in Osterholz-Scharmbeck. Das sollte für ein langes Leben reichen, oder?

Soziale Kontakte sollen laut Untersuchung ein wichtiger Faktor für ein glückliches und dementsprechend langes Leben sein. Aha, der Norddeutsche soll also reden. Mit wem? Mit den Urlaubern natürlich. Angeblich sollen die demnächst in Heerscharen einfallen, um die vielen leeren Kreuzfahrtschiffe zu stürmen. Zigtausende Landratten kommen dann nach Bremerhaven, die von den Einheimischen dichtgequatscht werden wollen oder können. Das sind soziale Kontakte satt, da kommt man mit einem üblichen „Moin“ natürlich nicht weit. Da ist gepflegte Konversation gefragt und die dauert bekanntlich ihre Zeit. Das bringt dann auch in Bremerhaven ein langes Leben und wirkt wie ein Jungbrunnen. Muss man nur dran glauben. Sonst muss man früher dran glauben.