Start Bremen „Ich muss was anderes machen“

„Ich muss was anderes machen“

Bremer Köpfe: Veranstalter Hartwig Komar hat sein Hobby zum Beruf gemacht

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Hartwig Komar (z.w.r.) und mit Tommy Castro & The Painkillers, deren Konzerte er veranstaltet. Foto: Onstage Promotion

Schon früh entdeckte Hartwig Komar seine Leidenschaft für Rockmusik und veranstaltete erste Konzerte, bis er einen anderen Weg einschlug. Ein Schicksalsschlag brachte ihn zurück zur Musik. Heute leitet er eine kleine Konzertagentur mit vier Angestellten und wirkt rundum zufrieden.

Eigentlich, so Hartwig Komar, sei seine Mutter für seine Musikleidenschaft verantwortlich, da sie ihm im Alter von 14 Jahren eine Greatest-Hits-Kassette der Band Slade geschenkt habe. „Ab dem Zeitpunkt war mein Leben ein anderes“, sagt Komar. Daran hat sich auch 43 Jahre später nichts geändert. Rock, Progressive Rock, Blues, Jazz und vieles mehr gehören seitdem fest zu seinem Leben. Bereits im Alter von 17 Jahren veranstaltete er sein erstes Konzert, damals noch in seiner Heimat Nordenham und eine Karriere als Konzertveranstalter schien praktisch vorprogrammiert. Zunächst noch in der Rockdisco Weser-Strand beheimatet, wurden die immer größeren Konzerte in die Stadthalle Nordenham verlagert – er holte unter anderen Roger Chapman, Klaus Lage und Pe Werner dort auf die Bühne. Der Sprung in die größeren Städte – Bremen oder Hamburg – schien nur eine Frage der Zeit.
Komar, der unter anderem viel mit Veranstalter Karsten Jahnke zusammengearbeitet hatte, machte bei Polydor in Hamburg eine Ausbildung zum Musikkaufmann und war in diesem Zusammenhang auch an der Produktion des Welthits „All That She Wants“ von Ace Of Bace maßgeblich beteiligt, der sich insgesamt 17 Millionen Mal auf Tonträger verkaufte. „Solche Verkaufszahlen gibt es heute gar nicht mehr“, so der 57-Jährige. „Heute reicht es, wenn man 1000 verkauft, um in den Charts zu landen.“

Anschließend kehrte er dem Musikgeschäft den Rücken. „Ich wollte mal etwas grundsätzlich Neues machen und meinen Horizont erweitern“. Also arbeitete er für einige Banken, in der Regel bis zu 16 Stunden am Tag, bis 2012 die Mutter seiner Kinder starb. „Da war mir von einem auf den anderen Tag klar, dass ich etwas ändern und ich mich um sie kümmern musste.“ Also gab er am Tag nach dem Schicksalsschlag seinen Büroschlüssel mit den Worten „Ich komme jetzt nicht mehr“ ab.

Seit 2014 ist Komar mit seiner Firma On Stage wieder als Veranstalter unterwegs. „Nach einer unglücklich verlaufenen Tournee von Ex-Stranglers-Frontmann Hugh Cornwell traf ich ihn und er erzählte mir davon. Als ich ihm sagte, dass ich das besser machen könnte, war ich umgehend wieder im Geschäft.“

Foto: Onstage Promotion

Heute veranstaltet On Stage um die 200 Konzerte im Jahr. In Bremen lässt er seine Künstler dabei zumeist im Bluesclub Meisenfrei auftreten, war aber auch mit Extrabreit schon im Lagerhaus und bringt Funk-Legende Maceo Parker im Juni auf die Bühne des Modernes. Komar betont immer wieder, dass es ihm nicht um die Größe der Konzerte, sondern vielmehr um die Auswahl seiner Künstler gehe: „Bei mir steht Authentizität an erster Stelle. Ich veranstalte nur Konzerte von Künstlern, die ich selber mag und hinter denen ich voll stehe.“ Komar hat seine Basis zwar in Bremen, ist aber deutschlandweit und sogar in Übersee tätig. Derzeit plant er beispielsweise eine Australientournee mit Julian Sas und arbeitet an einer Europa-Tour mit Russ Ballard. Mit On Stage ist er adarüber hinaus auch Agentur für so namhafte Künstler wie Nektar, Hugh Cornwell und die Climax Blues Band. Zudem gibt es das Label On Stage records. Aufnahmen einzelner Sessions oder in seinem Gästehaus an der Nordsee (sein altes Elternhaus) werden auf Tonträger gebracht und für Liebhaber in limitierter Auflage produziert.

Ob er einen Wunsch für die Zukunft hat? „Nicht wirklich. Ich mache genau das, was ich liebe. In unserem kleinen Unternehmen bin ich umgeben von Familie und Freunden. Ich lebe jetzt sozusagen meinen Traum.“