Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Voll cool!

Voll cool!

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und nimmt dabei auch sich selbst schon mal auf die Schippe.

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Matthias Höllings. Foto: Frank Pusch

Eigentlich hätte ich im Moment viel Zeit, um mich mit meinem Enkel zu beschäftigen. Entweder mit ihm direkt oder mit seinen Spielkonsolen, mit denen wir uns dann im Umfeld von „Star Wars“ angreifen oder verteidigen würden. Doch gegenseitige Besuche müssen derzeit leider ausfallen. Zumal der junge Mann samt Familie in Kapstadt lebt. Genauer gesagt hinterm Tafelberg im Örtchen „Hout Bay“. Das Einzige, was ich in Osterholz-Scharmbeck bieten kann, ist eine Tafel Schokolade und den Weyerberg in Worpswede. Doch dank neuester Technik sehen wir uns gelegentlich bei Videokonferenzen, in denen wir einfach nur quatschen und gucken, wie der andere so aussieht: „Oh, du bist aber groß geworden“ und „Oh, du bist aber alt geworden“.

Natürlich geht es nicht nur ums Aussehen, sondern ganz allgemein auch um die Gesamtsituation. Mal sei Schule, mal nicht, berichtet er. Und dass er viel mit seinen Kumpels chattet. Der Impfstoff sei teurer als in Europa, deshalb gibt es nur wenig davon, aber der hilft leider nicht gegen das neue Virus. Deshalb wartet alles auf den dritten Lockdown. Bei Konzerten in Südafrika ist es dennoch nicht ganz so strikt wie bei uns. Wenn irgendwo die Wiese oder ein Weingarten groß genug ist und alle Besucher Abstand halten, kommen schon mal fünfzig bis hundert Menschen in den Genuss von Livemusik. Mein Enkel konnte meine Schilderungen nicht nachvollziehen, dass es in früherer Zeit Veranstaltungen mit mehr als 10.000 Besuchern gab, bei denen man keine Masken tragen musste und es keine Abstandsregeln gab. Klar erkundigte er sich auch neugierig, ob ich mich noch an mein erstes Konzerterlebnis erinnern könne. Was für eine Frage: Das waren die Beatles in Hamburg. Da war ich 14 Jahre alt.

Mein Enkel ist jetzt fast 13, kennt die Band aber nicht. Als ich ihm erzählte, dass die Beatles ihr letztes Konzert auf dem Dach ihres Bürohauses in London gegeben haben, berichtete er mir von seinem direkten Nachbarn „Ard Matthews“ von der Band „Just Jinjer“. Der Musiker-Nachbar kann im Moment wegen Corona auch nicht auftreten und hat deshalb ein Konzert auf dem Dach seines Hauses gegeben. Im Sommer bei Flachdachbauweise kein Problem. Die Nachbarn hätten sich über dieses Gratiskonzert gefreut. Mein Enkel fand es spannend, das Konzert auf Facebook zu verfolgen und den Musiker gleichzeitig gegenüber zu sehen. Das war also sein erstes Konzert – dieses Mal kenne ich den Künstler nicht. Aber mit fast 13 Jahren hat er mich um ein Jahr geschlagen. Und da die Youngster von heute ja schnell sind, hat er mir auch gleich noch einen Link seines Nachbarn gemailt, damit ich mir das Konzert nachträglich ansehen kann. Hätte ich natürlich lieber mit ihm zusammen vor Ort gemacht, aber es gibt derzeit keinen Direktflug von Osterholz-Scharmbeck nach Kapstadt. Einen Flugplatz hätten wir aber. Sollte außer mir noch jemand auf Konzertentzug sein, hier der Südafrika-Tipp meines Enkels: „Bei Google Ard Matthews Rooftop eingeben – ist voll cool.“