Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen „Tatort“ für Anfänger

„Tatort“ für Anfänger

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und nimmt dabei auch sich selbst schon mal auf die Schippe.

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Matthias Höllings. Foto: Frank Pusch

Sind Sie Krimifan? Wenn ja, benötige ich jetzt Ihren kriminalistischen Spürsinn. Ich suche ein 17-jähriges Mädchen, habe bereits vor Jahren einige Promis befragt, komme aber nicht weiter. Udo Jürgens meinte: „17 Jahr, blondes Haar, so stand sie vor mir“ und ergänzte, dass sie ihn angelacht habe und es dann um ihn geschehen sei. Dürftige Info. Nicole berichtete: „Mit 17 stirbt man nicht“, fügte aber noch hinzu: „Sie stand vor meiner Tür und Tränen liefen ihr ins Gesicht.“ Ganz toll, Nicole. Und dann? Dann tauchte sie plötzlich bei Ivo Robic auf. Statt das Mädel zu trösten, gab er ihr den Rat: „Mit 17 fängt das Leben erst an.“ Keine Rede mehr von Tränen, aber Ivo erinnerte sich, dass sie rot geworden sei, als ein Mann zu ihr gesagt habe, sie sei wunderschön, und dass er ihr Rosen geschenkt habe.

Auch auf einem ABBA-Konzert in Schweden wurde das Mädel gesehen. Die Bandmitglieder verewigten die Gesuchte sogar in einem ihrer Songs: „You are the dancing queen, young and sweet, only seventeen.“ Super, tanzen kann sie also auch. Vor ABBA muss sie aber die Beatles beeindruckt haben, die sich mit: „I saw her standing there“ erinnerten. Und weiter: „She was just 17, you know what I mean?“ Nee, Jungs, genau das wissen wir gerade nicht. Ok, frage ich mal Beatles-Fan Udo Lindenberg. Der konnte sich an dieses „Schneewittchen“ noch gut erinnern: „Sie war 17, als ich sie kennenlernte, irgendwo im Ruhrgebiet. Sie war kein Greenhorn, diese süße Blasse.“ Hm? Blass war sie – hatte sie nicht genug gegessen? Aber das Mädel blieb nicht bei Udo, sondern tauchte bei Frank Farian auf, der sie „Jeanny“ nannte und zu Protokoll gab: „Sie war erst 17 und noch neu in der Stadt, die mit solchen Mädchen kein Mitleid hat. Jeanny war 17 und noch ohne Ziel.“ Aha, das Mädel agiert planlos. Peggy March sang: „Mit 17 hat man noch Träume, da wachsen noch alle Bäume in den Himmel der Liebe.“ Auch wieder so eine nichtssagende Info. Der einzige Promi, der meine Suche nach diesem Mädchen verstand, war Peter Maffay, der sofort seinen Aufruf „Wo bist Du?“ startete. Und er vergaß auch nicht zu erwähnen: „Süße 17 Jahre, weiße Jeans und lange Haare – das genügt noch nicht.“ Tja, für ein Fahndungsfoto reicht das wirklich nicht. Peter tippte bei der Gesuchten auf Ina Müller, aber die war es nicht, obwohl sie in „Das erste halbe Mal“ erklärt: „Ich war 17“. Doch da gibt es den schlauen Einwand von Chris Roberts: „Du kannst nicht immer 17 sein“. Stimmt, da hat er Recht. Ina ist jetzt 55.

Also fassen wir noch einmal zusammen: Gesucht wird ein 17-jähriges Mädchen mit langen, blonden Haaren. Sie sieht blass aus, hat scheinbar keinen festen Wohnsitz, agiert planlos, kann weinen, erröten, tanzen, nimmt von Männern Rosen entgegen, scheint Gott und die Welt zu kennen, nennt sich abwechselnd Schneewittchen oder Jeanny und ist nicht Ina Müller. Sie wurde in England und Schweden gesichtet, hält sich jedoch überwiegend in Deutschland auf. Sachdienliche Hinweise nehme ich gerne entgegen.