Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Lass es klingen, Hansi! Non Stop!

Lass es klingen, Hansi! Non Stop!

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch einen Blick hinter die Kulissen.

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Matthias Höllings
Matthias Höllings.

„Zukunft des Klangbogens steht in den Sternen“, titelte im August 2008 der Weser-Kurier. Zwei Jahre später war bereits von Verwahrlosung die Rede. Dabei handelt es sich um Kunst im öffentlichen Raum. Mit der Arbeit des Tonkünstlers Rolf Julius, kombiniert mit den Leucht-stelen von Wolfgang Zach, wurde 1995 aus chinesischem Granit ein Edelfußweg auf der Bremer Bürgerweide angelegt, der vom Bahnhof bis zum Congress Centrum reicht. Und damit niemand im Regen, der ja in Norddeutschland so gut wie nie vorkommt, auf der bereits geschliffenen glatten Granitseite ausrutscht, wurden die Platten damals doch lieber gleich andersherum verlegt. Rolf Julius komponierte ein Werk in zwei Teilen. Die höheren Frequenzen strahlten über Lautsprecher in den silbernen Lichtstelen, die tieferen Frequenzen waren als eine Art unterirdischer japanischer Wildbach zu hören und kamen aus Lautsprechern unterhalb kleiner Eisenroste, die alle 15 bis 20 Meter im Plattenweg eingelegt sind. Das hat natürlich alles einen Haufen Geld verschlungen und funktionierte eine zeitlang auch, soll aber den einen oder anderen Passanten allerdings schon mal an eine Toilettenspülung erinnert haben. Doch irgendwann gab die Technik ihren Geist auf. Seitdem machen scheinbar alle Verantwortlichen einen Bogen um den Klangbogen, denn man hört nichts mehr.

Wovon man jedoch immer mal wieder hört, ist die Diskussion, ob es nicht doch endlich angebracht wäre, unserem Bremer James „Hansi“ Last aus Sebaldsbrück eine Würdigung in Form eines Straßen- oder Platznamens zukommen zu lassen. Wo die Weser einen Bogen macht, da ist Werder zuHause. Und dort, wo der Fußweg auf der Bürgerweide einen Bogen macht, könnte doch unserem weltberühmten Hansi ein klingendes Denkmal gesetzt werden. Hätte auch etwas von Alleinstellungsmerkmal und würde gut zur Marketingstrategie der Bremer Stadtmusikanten passen. Dann ließe sich bei Melodien wie „Der einsame Hirte“ oder „Biscaya“, dessen unterlegtes Meeresrauschen zum Klang zweier Akkordeons für Fernweh sorgt, lustwandeln.

Klar, die alten Lautsprecher und Kabel müssten durch neue Technik ersetzt werden, was jedoch nicht Millionen von Euro verschlingen würde. An Klangmaterial mangelt es bei unserem Hansi jedenfalls nicht. Von 160 veröffentlichten Langspielplatten hat der Bremer allein über dreißig Alben unter dem Namen „Non Stop Dancing“ veröffentlicht. Das macht ihm so schnell keiner nach. Der Plätscherkomponist Julius ist mittlerweile verstorben und die Rechte an seiner Klangbogen-Komposition sind an seine Tochter übergegangen. Doch auch das hat ja einmal ein Ende. Aus Klangbogen wird James-Last-Bogen. Man sollte mal mit der Tochter reden – ich würde es machen!

Weitere Geschichten gibt es unter www.das64er.de.