Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Hochprozentiges Liedgut

Hochprozentiges Liedgut

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch schon mal einen Blick hinter die Kulissen.

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Matthias Höllings
Matthias Höllings.

Mit den guten Vorsätzen im neuen Jahr ist das immer so eine Sache. Nach den SIXDAYS und Helene Fischer ist ein Kater oder Brumschädel eigentlich normal. Doch die Mannen von Santiano nahen und werden bei gutem Wind am 28. Februar auf der Bürgerweide den Anker werfen. Im Gepäck haben sie Volkslieder, Schlager, Popsongs und Shantys. Da bleibt kein Auge und keine Kehle trocken, oder? Schließlich haben sich die Jungs 2011 auf einer Party nach mehr als einem Schluck aus der Flasche spontan zum Musizieren zusammengerauft. Nach einer Tour als Vorprogramm bei Helene Fischer ging es ab wie Schmitz’ Katze. Darauf erst einmal einen Toast. Fazit: Ohne Alkohol gäbe es Santiano gar nicht.
Ok, es gibt natürlich auch Songs, die man ohne Alkohol gar nicht ertragen kann, aber wie hätte man denn alkoholfreie Songs komponieren sollen? Zum Beispiel den Hit „Geben Sie dem Mann am Klavier noch ein Bier“ – damit war der Pianist Paul(chen) Kuhn gemeint, der auch damals schon wusste, dass es kein Bier auf Hawaii gibt. Während Udo Lindenberg sein „Alkoholmädchen“ besang, stellte sich Udo Jürgens seinen Pfefferminztee auf den Flügel. Sein Musikerkollege Marius Müller-Westernhagen huldigte allerdings seinem „Johnny W.“ mit den Zeilen: „…komm, gieß dich noch mal ein, Johnny, lass dreizehn gerade sein…“ Schon in den Swinging Sixties hing der Doors-Sänger Jim Morrison am Mikroständer und sang: „Show me the way to the next Whisky-Bar“ und von Dean Martin wollen hier gar nicht reden. In Hamburg gibt’s eine Bar namens „Schellfischposten“, in der Ina Müller während „Inas Nacht“ mit ihren Gästen immer gut einen wegkübelt. Ihr Knülli und Lebensgefährte Johannes Oerding muss da schlechte Erfahrungen gemacht haben, denn wie wäre er sonst auf seinen Titel „Nie wieder Alkohol“ gekommen? Da ist die Einsicht von Campino von „Die Toten Hosen“ mit dem Song „Kein Alkohol (ist auch keine Lösung)“ schon realistischer. In diesem Kontext scheint die Warnung von Mickie Krause „Finger weg von Sachen ohne Alkohol“ eher kontraproduktiv. Dann doch lieber die ehrliche Variante der musikalischen Nordlichter, wie zum Beispiel von den Bagaluten der Band „Torfrock“: „Wir saufen den Met, bis keiner mehr steht…“, ist doch wenigstens mal eine klare Ansage. Von den irischen „Dubliners“ hat eigentlich jeder den Song „The Wild Rover“ im Ohr, durch den man auch nicht ohne Alkohol kommt. Die völlig alkoholfreie Version dieses Liedes haben Klaus & Klaus mit ihrer deutschen Übersetzung „An der Nordseeküste“ verbrochen. Und was ist mit den Schleswig-Holsteiner-Jungs von Santiano? „Es gibt nur Wasser“ heißt einer ihrer Songs. Na ja, Alsterwasser werden sie nicht gemeint haben, obwohl Stimmungskanone Rick Arena am Ballermann immer singt: „Radler ist kein Alkohol“. Also Jungs: Kopp in’n Nacken und dann sail away.