Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Es ist das Osterfest…

Es ist das Osterfest…

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und nimmt dabei auch sich selbst schon mal auf die Schippe.

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Matthias Höllings. Foto: Frank Pusch

„Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen recht beschwerlich“, reimte einst Wilhelm Busch. Aber woher wusste er, dass es nicht das Huhn war? In Teilen der Schweiz soll es der Kuckuck, in Westfalen der Osterfuchs und in Böhmen der Hahn sein. In Thüringen will man sogar den Storch für das Eierverstecken verantwortlich machen. Da können einem die Kinder doch leidtun, oder?

Viele Psychologen meinen jedoch, dass ein Eier legender Hase die Fantasie anregt und die kognitive Entwicklung unterstützt. Aha, dann bin ich ja nachträglich noch beruhigt. Denn als ich meiner Tochter vor dem Eiersuchen die Geschichte und Bedeutung des Osterfestes erklärt hatte, fasste sie meine Ausführungen für ihre Mutter wie folgt zusammen: „Ostern ist Jesus aufgestanden. Dann war er weg und hat dem Hasen gesagt, wo er die Eier verstecken soll. Und das macht der heute noch.“ Wir haben es damals dabei belassen, aber trotzdem gemeinsam mit den Nachbarskindern Eier gefärbt, die wir allerdings „hasenfrei“ vom Hühnerhof geholt haben, schon damals alles ganz biologisch. Heißes Wasser und dann die gewünschten Zutaten hinein: Rotkohl oder Heidelbeeren für Blau, Kurkuma für Gelb, Möhren für Orange, Spinat für Grün und Rote Bete für Rosa. Dabei fragte der Nachbarsjunge Wolfgang seinen Vater: „Warum legen die Hühner eigentlich die Eier? Die Antwort seines Vaters hat der Junge nicht gleich begriffen, als der meinte: „Wenn die Hühner die Eier werfen würden, gäbe es nur noch Rühreier.“

Vielleicht war eine so unbedarfte Frage auch in den 60ern bei Paul McCartney der Auslöser, seinem späteren Hit „Yesterday“ den Arbeitstitel „Scrambeld Eggs“ zu verpassen. Im Beatles-Song „I am the Walrus“ behauptet Sänger John Lennon sogar „I’m the egg-man.“ Das wollten Jahre später Klaus & Klaus natürlich auch ausprobieren und brachten es ohne Walross auf „Klingelingeling, hier kommt der Eiermann.“

Doch der wahre Eiermann heißt Adolf John, der auf dem „Love & Peace-Festival“ 1970 auf der Insel Fehmarn das große Geld machen wollte und es auch schaffte. Das war im September kein Oster-Festival für Weicheier. Wind, Regen, Kälte und Schlamm bestimmten drei Tage das Geschehen. Adolf John kaufte für die Festivalbesucher 100.000 rohe Eier, ließ sie von der Bundeswehr hart kochen und verkaufte dann drei Stück für eine Mark – und wurde alle los! Schade, dass es auf dem Festival keinen wärmenden Eierlikör gab. Das hat Herr Verpoorten total verpennt, obwohl sein alter Werbeslogan gut gepasst hätte: „Erquickt den Gaumen, labt und kräftigt, stimmt froh und heiter, daheim und allerorten: Verpoorten“. Aber als der Eierlikör-Chef dann im Radio den Schlager „Ay ay ay Maria – Maria aus Bahia“ hörte, wurde daraus „Ei, Ei, Ei, Verpoorten“, aber weder auf Bahia, noch auf Fehmarn.

Ich glaube jedenfalls nicht an den Eier legenden Osterhasen und habe mir deshalb bei Amazon ein Huhn und ein Ei bestellt. Ich gebe dann Bescheid, was zuerst da war.