Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Eine Frage der Ansprache!

Eine Frage der Ansprache!

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch schon mal einen Blick hinter die Kulissen.

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Matthias Höllings
Matthias Höllings.

Neulich wurde ich in gemütlicher Runde gefragt: „Sach’ mal, wie sprichst du eigentlich Promis an? Ich glaub’, ich könnt’ das nich’. Worüber unterhält man sich denn mit denen?“ Komplimente und ehrliches Interesse an der Person, habe ich geantwortet, funktionieren eigentlich immer. Und Autogrammstunden sind auch ein ungefährliches Terrain. Man sollte einfach klar und deutlich sagen, was man wirklich meint, wie zum Beispiel: „Frau Fischer, Ihr Outfit auf der Bühne ist wirklich toll, aber auch etwas gewagt, oder?“ Danach wird es spannend, was sie erwidert. Sonst ist die Kontaktaufnahme bei Promis eher ein sensibles Thema. Schwierig kann es werden, wenn man sich nicht sicher ist, ob die Person neben einem wirklich der Prominente ist, für den man ihn hält.

So passiert zum Beispiel im Portugal-Urlaub am Strand. Weit und breit kein Mensch in Sicht, nur ein Typ in Polohemd und Shorts. Der steht da in Badeschlappen, Haare ins Gesicht geweht und sieht gedankenverloren aufs Meer. Ich war mir sicher. Ich kannte ihn, aber woher? Zweifelnd geht man dann besser nicht hin und fragt: „Mensch, sind Sie nicht Udo Jürgens? Was machen Sie denn hier?“ Da verzichtet man auch besser auf einen Autogrammwunsch und erinnert sich später in der GALA gelesen zu haben, dass Udo hier in seinem Haus am Meer ganz für sich sein möchte. Und außerdem – was will man eigentlich mit einem Autogramm? Eine Frage, die mir bis heute weder ich selbst noch andere Autogrammjäger schlüssig beantworten konnten.

Die besten Ansprachen sind die, bei denen man wirklich von den Promis etwas wissen möchte und die Angesprochenen so gleichzeitig zum Grübeln bringt. Karel Gott habe ich bei einem Aufeinandertreffen nicht nach Biene Maja, sondern nach einem Treffen mit John Lennon und Yoko Ono gefragt. Und bei einem Konzert von Joe Cocker wurden die Pressekollegen auf der Aftershowparty aufgefordert, den Künstler bitte nicht anzusprechen. Klar, dass man den Künstler jetzt extra anspricht und nachfragt, ob das seine Idee war. Karel Gott nahm sich eine halbe Stunde Zeit und Joe Cocker war verärgert über die Anweisung seiner Agentur und plauderte nun extra mit allen Gästen munter drauflos.

Ansprachen bei Promis gelingen mir immer dann recht gut, wenn ich alleine unterwegs bin. In Begleitung meiner Frau klappt das selten, da ihr derartige Situationen hochnotpeinlich sind. Sie hat es nicht so mit Promis und fragt oft: „Ab wann ist man eigentlich prominent?“ – „Wenn man sehr bekannt ist“, habe ich etwas unüberlegt geantwortet. Worauf sie prompt erwiderte, dass sie mir doch auch sehr bekannt sei, ich sie aber noch nie um ein Autogramm gebeten hätte. Stimmt, aber einmal hat sie für mich unterschrieben. Das war auf dem Standesamt. Da wusste ich danach doch tatsächlich nicht mehr, mit welchem Namen ich sie ansprechen sollte.