Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Die Weihnachtsgeschichte – alles Fake News?

Die Weihnachtsgeschichte – alles Fake News?

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch einen Blick hinter die Kulissen.

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Matthias Höllings
Matthias Höllings.

Bei unserem letzten großen Familientreffen plauderten mal wieder alle wie wild durcheinander. Es ging um das Thema, wer wann wen zu Weihnachten besucht. Ohne Vorwarnung und ohne die anderen Anwesenden anzusehen, den Blick stur auf sein Smartphone gerichtet, warf plötzlich der junge Kevin in die Runde: „Das ist doch alles totaler Mumpitz mit der Weihnachtsgeschichte. Das sind doch alles Fake News!“
Die folgenden Unmutsbekundungen wurden plötzlich von Onkel Gerds lauter Stimme unterbrochen: „So, jetzt aber mal Butter bei die Fische. Kevin, zeig’ mal, was du kannst, und google mal Jungfrau Maria.“ Gesagt, getan, das Ergebnis war verblüffend. Kevin erklärte Minuten später der Runde: „Die Alte, äh, ich mein’ die Mutter Gottes, soll zu Christi Geburtcirca 16 bis 25 Jahre alt gewesen sein und hat außer Jesus noch sechs weitere Kinder auf die Welt gebracht. Die Sonne soll damals im Sternbild Jungfrau gestanden haben und damals war es üblich, ein Baby dann „Sohn der Jungfrau“ zu nennen. Im Laufe der Zeit hat man das dann wohl zu wörtlich genommen.“ Onkel Gerd nickte zufrieden, legte aber nach: „Kevin, und was ist mit den Engeln und den Hirten in der Geschichte? Gab es die? Jetzt häng’ dich mal richtig rein.“

Während die Anwesenden immer noch vor sich hin philosophierten, kam von Kevin nach einiger Zeit plötzlich ein erstauntes: „Ey, Alter, wie krass ist das denn?“ Er war erneut fündig geworden, stand dieses Mal sogar auf und meinte: „So Leute, hört, was ich Euch zu verkünden habe!“ Er musste selbst darüber lachen und sprach: „Es soll damals eine sehr seltene Planetenkonstellation gegeben haben, die starke Sonnenflecken-Aktivitäten erzeugte, oder so. Und bei einem weit südlich stehenden „Nordlicht“ wurden dann diese Reflexionen als ‚Engel Gottes‘ gedeutet.“

„Das ist mir zu kompliziert“, platzte Tante Gerda dazwischen: „Sag’ mir lieber, ob es die Hirten gab!“ Kevin starrte auf seinen kleinen Bildschirm und legte nach: „Archäologen haben ein Feld entdeckt, auf dem schon vor 2000 Jahren Hirten ihre Schafe gehütet haben. Im 13. Jahrhundert ist dann einem Franz von Assisi die Fantasie mit ihm durchgegangen und er hat sich die Story mit den Hirten und Bauern ausgedacht, die das arme Kind ins Stroh gelegt haben.“ Tante Gerda war neugierig geworden und fragte vorsichtig: „Kevin, und was ist aus dem Baby geworden?“ Nachdem sich das Gelächter in der Runde gelegt hatte, sprach abermals Kevin zu seinen Leuten: „Jesus war der erstgeborene Sohn von dieser Maria. Geburtsort war Bethlehem in Nazareth.

Geburtsdatum wahrscheinlich Dienstag, 15. September, sieben Jahre vor unserer Zeitrechnung. Beruf Tischler. Der Typ kam im Alter von 33 Jahren ums Leben. Was aus seinen Geschwistern geworden ist, finde ich hier gerade nicht.“ Onkel Gerd merkte trocken an: „Du hast ja noch bis zum 24. 12. Zeit, um deine Fake News zu klären, oder?“ Kevin entgegnete mit einem verschmitzten Grinsen: „Was war denn noch ’mal am 24. Dezember?“

 

Weitere Geschichten von Matthias Höllings unter www.das64er.de.