Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Die schöne Barbara als Öko-Terroristin

Die schöne Barbara als Öko-Terroristin

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch einen Blick hinter die Kulissen.

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Matthias Höllings
Matthias Höllings.

Okay, ich gebe ja zu, dass ich eher der bin, der das, was andere wegwerfen, noch einmal gebrauchen kann. Aber ich schwöre, dass es sich mit dem alten
„Maxim“-Kalender anders verhält. Wenn ich den allerdings einfach so als Retro-Element an die Wand pappen würde, hätte ich sicherlich sämtliche roten Karten meiner Frau vor Augen, die es überhaupt zu verteilen gibt – glaube ich jedenfalls. Ich habe den Kalender mit den „zwölf sexy Highlights 2003“ – so der Kalenderaufdruck – im XXL-Format auf dem Flohmarkt erworben, weil ich bei der Namensliste der dort abgedruckten Damen stutzig wurde: Michaela Schaffrath (auch als ehemalige Pornodarstellerin Gina Wild bekannt), die drei Sängerinnen Michelle, Sarah Connor und Shakira, und die TV-Mädels Sonya Kraus, Michelle Hunziger, Barbara Schöneberger und andere. Da blättert man doch schon mal durch und fragt sich, wie dieser Kalender des ehemaligen Männermagazins „Maxim“ mit der jetzigen #meetoo-Debatte zu vereinbaren ist? Im Internet gibt es heute nackte Haut in Hülle und Fülle, da hat sich so ein Magazin einfach erübrigt. Und mit Hülle und Fülle wurden die Frauen für diesen Kalender damals fotografiert. Ganz im Stil von Pin-ups werden auf den aufklappbaren Seiten entweder Bikinis oder sehr, sehr knappe Outfits getragen. Unsere TV-Allroundwaffe Barbara posierte damals im Alter von 26 Jahren zum Beispiel in einem tigergemusterten Bikini und zupft an ihrem scheinbar nicht ganz sitzen wollenden Oberteil herum. Unter ihrem Namen das Zitat: „Wäre das Leben ein Comic, wäre ich Poison Ivy aus ‚Batman‘. Ich finde den Namen schon so geil“. 2019 muss man diese Comicfigur nicht mehr kennen, aber wer diese alten Comics (da wären wir dann wieder auf dem Flohmarkt) mal in Händen gehalten hat, erinnert sich, dass Poison Ivy eine Abenteurerin und Öko-Terroristin war und zeichnerisch meist als eine mit allen Vorzügen weiblicher Attraktivität ausgestattete, verführerische junge Frau, dargestellt wurde. Sie war groß, schlank, mit üppigen weiblichen Formen, ebenmäßigen Gesichtszügen, langem blonden Haar und einem Schmollmund. So wollte Barbara also immer sein. Okay, aber wo ist da jetzt der Witz?

Vor einiger Zeit habe ich in einer Zeitungsanzeige die Überschrift gelesen: „Jetzt starke Farben für alle Kompressionsstrümpfe“… und darunter war ein Bild von Barbara Schöneberger. Ich bekomme diese Strümpfe und den alten Kalender mit ihr als Tiger Lilly im Kopf einfach nicht zusammen. Vier Tage nach ihrem Geburtstag gastiert Barbara Schöneberger mit „Eine Frau gibt Auskunft“ am 9. März im Metropol Theater in Bremen. Dort sollte ich ihr vielleicht diesen Kalender zeigen und ein paar Fragen stellen. Aber wahrscheinlich verteilt sie auch rote Karten. Wäre dann irgendwie genau wie zu Hause.

 

Weitere Geschichten von Matthias Höllings gibt es unter www.das64er.de.