Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Bumm – Bumm – Zack!

Bumm – Bumm – Zack!

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch einen Blick hinter die Kulissen. Weitere Geschichten von ihm unter www.das64er.de.

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Matthias Höllings
Matthias Höllings.

Wie oft habe ich schon in Museen vor Bildern berühmter Künstler gestanden und dabei gedacht: Das hätte ich auch gekonnt. Aber warum habe ich es nicht getan? Ich hätte auch gerne die Büroklammer erfunden, habe aber leider nur gelegentlich verträumt mit dem Bleistift auf der Schreibtischplatte getrommelt.

Dabei ist mir dann aufgefallen, was für schöne Rhythmen man mit Büromaterialien produzieren kann, wenn man sie in die richtige Reihenfolge bekommt. Ein Lineal halb auf die Tischplatte legen und die überhängende Seite schwingen lassen, oder den Teelöffel an die Tasse schlagen, den Locher bedienen und die Schubbladen auf- und zuschlagen – was für ein Sound! Doch was antwortet man, falls in so einem Moment gerade ein Kollege ins Büro kommt und einen fragend ansieht? „Stör’ mich nicht, ich komponiere gerade?!“ Ähnliche Kompositionen gab es immer schon. Einfach mit der flachen Hand „Bumm-Bumm-Zack“ auf die Tischplatte hauen und „We Will Rock You“ dazu singen, fertig ist die Coverversion des Queen-Hits, der Millionen in die Kasse der Musiker gespült hat. Ob das genau die Kasse gewesen ist, mit der die Band Pink Floyd ihren Hit „Money“ einleitet? Ein ähnliches Geräusch hat danach die Sängerin Shania Twain bei ihrem Song „Ka-Ching“ ebenfalls sehr erfolgreich eingesetzt. Wer es nicht glaubt, sollte einfach mal bei Youtube die Songs anklicken und genau hinhören. Aber sie waren nicht die Ersten. Dass bei Buddy Holly auch schon mal auf einem Pappkarton getrommelt wurde, ist ja bekannt. Und dass man mit ganz wenig Geld einen super Sound erzeugen kann, hat bereits 1956 (!) Johnny Cash bewiesen. Mit seinem Kumpel, dem Bassisten Luther Perkins, stand er im Studio und nahm „I Walk The Line“ auf. Einen Schlagzeuger hatten sie nicht, aber etwas Rhythmisches war dringend nötig. Perkins nahm einen Dollarschein und zog ihn bei Johnny Cash so durch die Saiten seiner Gitarre, dass sie beim Anschlagen nicht mehr schwingen konnten. Ergebnis war ein schnarrendes Geräusch, ähnlich wie bei einem fahrenden Zug. Genial, oder? Und was passiert, wenn man einen Einzylinder-Diesel-Traktor startet? Es ergibt einen tollen Grundrhythmus. Ein Keyboard und ein Saxofon dazu und fertig ist das Stück „Bulldog mit Schuss“ der Band „Haindling“.

In Zukunft also bitte ein wenig mehr Respekt vor Alltagsgeräuschen, erzeugt durch Reißverschlüsse, Streichholzschachteln, aufgepustete Müllsäcke, zerknüllte Zeitungen und verbeulte Konservendosen. Das kann man alles immer noch mal gebrauchen. Glauben Sie nicht? Dann sollten Sie unbedingt zum derzeit furiosesten, originellsten und witzigsten Rhythmusspektakel STOMP gehen. Vom 12. bis 17. Februar finden Sie im Metropol Theater den Rhythmus, bei dem jeder mit muss. Versprochen. Bumm-Bumm-Zack!