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Geliebte Floskeln

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen.

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Apropos „Frohes Neues auch …“ Es gab sie sicherlich schon immer. Nicht erst seit meiner Baby-Boomer-Kindheit haben sich Menschen auf die immer gleichen Fragen die immer gleichen Antworten gegeben. Die Menschen haben sich nicht verändert – wohl aber die so wohlvertrauten und geliebten Floskeln. Die beliebtesten und daher natürlich auch meistbenutzten sind die Begrüßungsfloskeln. „Hallo wie geht’s?“, fragte man da früher gerne und bekam neben dem obligatorischen „Danke, gut!“ auch gerne so originelle Antworten wie „Gestern ging’s noch“, „Muss ja!“ oder „Schlechten Menschen geht’s immer gut!“

Auch der durchaus ernst gemeinten Nachfrage „Und was machst du so?“ können viele Leute einfach nicht klar und geradeaus antworten. Oder finden Sie Antworten wie „So dies und das“ oder „Immer dasselbe“ oder auch „Du, was so ansteht!“ etwa befriedigend?
Wir können das Ganze ja einfach mal umdrehen. Was glauben Sie, welche Frage zu folgenden Antworten gehört? „Hoch und runter – immer munter, näh!“, ist eine dieser Entgegnungen oder „Kannste dir ja nicht immer so aussuchen, aber im Großen und Ganzen …!“ oder auch „Frag mich nächste Woche nochmal!“ Na? Was hat das Gegenüber hier wohl gefragt? Richtig! Die Frage lautet: „Und, was macht das Leben?“ Mal ehrlich, was soll man auf so ein fein formuliertes Interesse auch antworten?
Übrigens haben sich auch die verfloskelten Fragen im Laufe der Jahre geändert – ist Ihnen das mal aufgefallen? Aus der Frage „Wie geht’s Dir?“ wurde in den 70er-Jahren ein „Alles ok?“, in den 80ern „Alles gerade oder was?“ und in den 90ern „Alles geil soweit?“ oder vielleicht noch „Und, wie issit?“ Wer heute an anderen interessiert ist, benutzt übrigens in aller Regel die Worte: „Und, alles gut?“

Man könnte die Reihe der alltäglichen Floskeln in beliebig viele Lebenssituationen transportieren. Im Autohandel wird der Zustand eines Kfz gerne mit „Der ist noch gut dabei“ oder „Die Kiste ist nicht tot zu kriegen“ beschrieben. Und beim Arzt bekommt das medizinische Fachpersonal auf die Frage nach dem Gesundheitszustand nicht selten klare Analysen wie: „Ja, ich weiß auch nicht“ oder noch besser : „So lala“ zu hören.
Über diverse Verabschiedungsritualreste aus dem vergangenen Jahrhundert wie „Tschüssikowski“, „Tschau Tschesko“ oder „Wir sehen uns, wenn wir genau hingucken“ möchte ich mich an dieser Stelle gern ausschweigen …
Da lobe ich mir die kurze, knappe und klare Kommunikation der norddeutschen Tiefebene: „Und?“ – „Jo. Und selbst?“ – „Auch!“

Noch Fragen?

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