Start Bremen hilft „Ein unvorstellbarer Anblick“

„Ein unvorstellbarer Anblick“

Die Bremerin Julia Strahl hilft den Hochwasseropfern in der Eifel / Spendenaktion für Baumaterialien

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Foto: privat

Am 14. Juli kam das Unwetter über die Eifel. Straßen wurden überflutet, Keller liefen voll, Bäume stürzten um, Menschen verloren ihr Zuhause und zu viele auch ihr Leben. Die Bremerin Julia Strahl kommt gebürtig aus einer der Gegenden, die am stärksten von dem Starkregen und der anschließenden Flutwelle betroffen waren. So schnell es ging, machte sich die Meeresbiologin auf den Weg in die Heimat, um zu helfen. „Es sah aus wie in einem Kriegsgebiet, überall Zerstörung, Müll und Schlamm auf den Straßen, es Stank nach Öl“, so die 42-Jährige. Viele Menschen hatten alles verloren, die Häuser waren weg oder unbewohnbar, die Straßen unbefahrbar. Ein Bild wie nach einem Bombenangriff. „Ein unvorstellbarer Anblick“ Strahl, deren Familie zum Teil noch in der Ortsgemeinde Insul lebt, brach es buchstäblich das Herz. Doch zum Trauern blieb keine Zeit. „Es war unglaublich, wie schnell die Menschen sich hier gegenseitig halfen. Es gab Trupps junger Männer, die von Haus zu Haus zogen um den Estrich rauszukloppen, weil der Boden verseucht war.“ Zudem hätten Baufirmen ihre Lkw und Bagger zur Verfügung gestellt. Den ganzen Tag sei Schutt abtransportiert worden, riesige Müllhalden hätten sich gebildet. Der Malteser Hilfsdienst war vor Ort und impfte gegen Tetanus. Julia Strahl versuchte zu helfen, wo Hilfe benötigt wurde. So organisierte die Wissenschaftlerin beispielsweise Coronatests. „So etwas gab es zunächst gar nicht, niemand schien sich mehr um die Pandemie zu kümmern. Dabei haben die Menschen oft eng an eng arbeiten müssen, um die Schäden zu beseitigen.“ Binnen weniger Tage hatte Strahl mit Hilfe von Freunden über 700 Selbsttests organisiert und verteilte sie, ging dafür von Haus zu Haus. „Ich glaube, selbst hätten sich die Menschen in dieser Situation nicht darum kümmern können“, sagt sie. „Umso dankbarer waren sie, als ich die Tests bei ihnen persönlich vorbeigebracht habe.“

Die Hilfsbereitschaft vor Ort war riesig, wer konnte, packte mit an. Gastronomen, die weniger stark vom Hochwasser betroffen waren, versorgten die Menschen mit Essen, mehrere Imbisswagen kamen aus Münster und verteilten kostenlos Pommes-Frites an die Bevölkerung. Handwerker aus ganz Deutschland machten sich auf den Weg, um vor Ort zu helfen. Allein diese Hilfsbereitschaft sei für viele Bewohner der Krisenregion überlebenswichtig gewesen. „Ich habe mit Menschen gesprochen, die einfach nicht mehr konnten, nicht mehr weiterwussten. Diese Welle der Solidarität hat unglaublich geholfen.“ Dennoch gab es auch negative Erscheinungen. Viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen, da der Schlamm, der in die Wohnräume gespült worden war, zum Teil giftig und durch die Überflutung der Keller ölverseucht war. Polizisten versuchten, die verlassenen Gebäude gegen Plünderer zu schützen. „Unglaublich, dass Menschen so etwas versuchen“, wundert sich Strahl.

Dennoch überwog die Solidarität mit den Betroffenen diese Negativerlebnisse bei Weitem. Nachdem die verseuchten Fußböden sowie das Inventar aus den Häusern geräumt war, wurden vor allem Raumtrockner benötigt. Strahl organisierte mehrere unter anderem von Bremen aus, zudem rief sie eine Spendenaktion ins Leben. „Wir haben mittlerweile mehr als 20.000 Euro gesammelt. Ich kann es gar nicht fassen“, so die gebürtige Eifelerin. So könne man viele der Trockner bezahlen und eventuell auch noch anteilig Stromkosten übernehmen. „Das wäre für viele Menschen sehr wichtig, da sie praktisch vor dem Nichts stehen.“ Auch hätten sich nach einem Interview im WESER-KURIER viele Bremerinnen und Bremer bei ihr gemeldet, einige hätten sich auf den Weg in die Eifel gemacht, um vor Ort zu helfen. Derzeit werden dort vor allem Baumaterialien und Handwerker benötigt. Auch dafür versucht Julia Strahl weiter Spenden zu sammeln.
Zwei Wochen war sie im Juli in Insul und sobald es ihre Zeit wieder zulässt, will sie erneut in die Eifel. „Es gibt noch wahnsinnig viel zu tun, ein Ende ist noch gar nicht absehbar. Aber die Hilfsbereitschaft aus allen Teilen Deutschlands hat den Menschen in den betroffenen Gebieten wieder Hoffnung gegeben.“

Ein Beitrag von Martin Märtens.

Julia Strahl hilft den Opfern der Hochwasser-Katastrophe. Dafür sammelt sie Spendengelder. Überweisungen sind über das Spendenkonto www.betterplace.me/flutkatastrophe-insul/donate möglich. Wer Fragen hat, kann sich per Mail an Julia Strahl unter j.strahl@gmx.de wenden.