Start Bremen Michaela Schaffrath Ein Stück Nostalgie

Ein Stück Nostalgie

Michaela Schaffrath ist Schauspielerin, Sprecherin und Moderatorin. In ihrer Kolumne entdeckt die Neubremerin für das STADTMAGAZIN Bremen die besonderen, verborgenen und weniger bekannten Orte der Hansestadt.

583
Michaela Schaffrath (49), Schauspielerin. Foto: C. Anthonyo

Vor ein paar Tagen habe ich auf Phoenix das bewegende Dokudrama „Die Affäre Borgward“ gesehen. Der Schauspieler Thomas Thieme in der Rolle des Autokonstrukteurs Carl F.W. Borgward hat mich sehr beeindruckt. Aber nicht nur die Geschichte rund um den Aufstieg und Fall des Bremer Unternehmers hat mich gefesselt, sondern auch eines seiner erfolgreichsten Modelle, die „Isabella“. Die Borgward „Isabella“ war ein PKW der Oberklasse. Viele Prominente, darunter der Hollywood-Schauspieler Paul Newman, fuhren in den 50er-Jahren diesen wunderschönen Wagen. Als ich das Auto zum ersten Mal im Film gesehen habe, war ich schockverliebt. Die grazile Form, das mit viel Liebe zum Detail gestaltete Cockpit und als Hingucker das Bremer Wappen auf dem Lenkrad machen dieses Schmuckstück für mich zu einem der schönsten Oldtimer, die ich kenne.

Kürzlich konnte ich mir die Bremer Schönheit als Coupé in Natura anschauen und bestaunen, im „Zentrum für Automobilkultur und Mobilität“ im Schuppen Eins. Dieser befindet sich im ehemaligen, unter Denkmalschutz stehenden Stückgutumschlagschuppen im Europahafen in der Überseestadt und ist unter anderem das Oldtimerzentrum im Raum Bremen. Das Zentrum war geöffnet, da die großzügigen Räume die Möglichkeit bieten, die Fahrzeuge in Ruhe und mit ausreichendem Abstand zu anderen Besuchern zu besichtigen (aber bitte mit Maske!). Hier schlagen die Herzen aller Oldtimer-Fans höher. Auf dem 150 Meter langen und neun Meter hohen Boulevard im Erdgeschoss reihen sich die traumhaftesten Modelle aneinander: Ford Mustang, Porsche Carrera, Alfa Romeo Giulietta, Jaguar MK2 und E-Type, Lincoln Continental, der legendäre Jeep Willy oder auch ein majestätischer Rolls Royce.

Wer glaubt, dass das Elektroauto eine neumodische Erfindung ist, befindet sich (genauso wie ich) auf dem Holzweg. Die Produktion von Elektroautos begann bereits im Jahr 1907! Der „Detroit Electric Roadster“ von 1912 kann im Schuppen Eins ebenfalls besichtigt werden.

Die gläsernen Werkstätten entlang der Flaniermeile laden dazu ein, bei den Restaurations- und Reparaturarbeiten der Schmuckstücke einen Blick zu riskieren. Und wer sich ein kleines Andenken mit nach Hause nehmen möchte, kann sich ein Mini-Exemplar aus dem weltweit einmaligen Modellauto-Automaten ziehen. Kein Witz!