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Ein Hotspot für Kreative

Film, Text, Kommunikation und mehr: Zu Besuch in den Medienhäusern Böttcherstraße

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Foto: Medienhäuser Böttcherstraße

Beeindruckende Architektur, Kunsthandwerk und kleine Geschäfte, die ein Stück Nostalgie inmitten der pulsierenden City versprühen: Wenn es um die Böttcherstraße geht, haben viele Bremer eine gut besuchte Touristenattraktion vor Augen. Falsch ist das keinesfalls. Was die wenigsten jedoch wissen: Hinter den expressionistischen Mauern des Robinson-Crusoe-Hauses ist die moderne Medienwelt zu Hause und macht die Böttcherstraße zum Standort für Kreative und Geschichtenerzähler.

Lässig läuft Simon Wenkelewsky die breiten Treppenstufen herab. Mit Schwung stößt er die schwere Glastür des Robinson-Crusoe-Hauses auf. „Willkommen in den Medienhäusern Böttcherstraße“, sagt er gut gelaunt und fügt als Erklärung hinzu: „So nennen wir uns selbst.“ Simon Wenkelewsky ist Filmemacher. Seit 1998 in der Branche, gründete er 2011 die Filmproduktion „Image in Motion“, ein Unternehmen, das sich die gesamte Bandbreite von Bewegtbildern auf die Fahnen geschrieben hat. Imagefilme, Kinospots, aber auch Eventdokus, Erklärfilme und Musikvideos gehören zum Portfolio. Nach beruflichen Anfängen in der Neustadt zog das Unternehmen 2017 in die Böttcherstraße. Laut Wenkelewsky war es die beste Entscheidung, die er treffen konnte. „Ich komme jeden Morgen gerne zur Arbeit“, macht er deutlich. „Wenn ich mich an den Touristen vorbeidrängle und die vielen Menschen sehe, die staunend die Böttcherstraße bewundern, bin ich dankbar dafür, hier arbeiten zu dürfen.“

 

Simon Wenkelewsky (Mitte) und seine Kollegen von „Image in Motion“ bei einem Dreheinsatz. Foto: Image in Motion

Doch es ist nicht nur das Wo, das den Standort auszeichnet. In nahezu jedem Raum, durch den Wenkelewsky uns bei unserem Besuch führt, sitzen Menschen konzentriert am Computer, telefonieren, diskutieren. Seit einigen Jahren ist die Böttcherstraße mit den Hausnummer 1 bis 3 ein gemeinsamer Arbeitsplatz verschiedener Medienschaffender. Hier, in den Etagen zwei bis vier, wird geschrieben und vertont, geschnitten und produziert. „Ein Hotspot für Kreative“, bringt es Wenkelewsky auf den Punkt. Neben „Image in Motion“ dürfen beispielsweise die Agentur Feinschreiber und das Team Nawrot als Experten für Kommunikationsdesign die Böttcherstraße ihr berufliches Zuhause nennen. Eine besondere Rolle in dem kreativen Gefüge nimmt die Kinoscope GmbH ein, allen voran ihr Gründer. „Matthias Greving ist quasi der Urvater der Medienhäuser“, macht Wenkelewsky klar. Als er das Büro der Produktionsfirma betritt, blicken alle von ihren Bildschirmen auf und grüßen herzlich. Es wird deutlich: Man mag sich. 2015 zog Matthias Greving mit seinem Team ins Robinson-Crusoe-Haus und begann Räumlichkeiten an weitere Firmen und Freischaffende zu vermieten. „So sind wir nach und nach gewachsen“, erklärt er selbst. Grevings Unternehmen, das sich auf Spielfilme, Dokumentationen und Serien spezialisiert hat, ist in verschiedenen Städten präsent. In der Hansestadt hat die Firma ihren Hauptsitz. Ein klares Bekenntnis für Bremen? „Definitiv“, macht Greving deutlich. „Im Vergleich zu anderen Großstädten sind filmische Produktionen und Dreharbeiten in Bremen selten.“ Entsprechend aufgeschlossen seien die Menschen, denen man begegne. „Das sind wirklich gute Arbeitsbedingungen“, ergänzt er.

Jedes der Unternehmen, die im Haus beheimatet sind, verfügt über eigene Räumlichkeiten, es gibt darüber hinaus Co-Working-Flächen und Zimmer, die von allen benutzt werden können. Was beim Rundgang auffällt: Viele Zimmer sind erreichbar, indem andere durchquert werden. Tagtäglich haben die Medienschaffenden also miteinander zu tun – eine Interaktion, die Synergien hervorbringt. „Wir bündeln unsere Ressourcen regelmäßig“, erzählt Simon Wenkelewsky. „Austauschen, netzwerken, zusammenarbeiten – dafür stehen wir.“ Schon oft hätten die Firmen miteinander kooperiert, dabei seien spannende Projekte entstanden. Das wahrscheinlich prominenteste Beispiel ist das „Böttcherstraßenfest“. „Jedes Jahr laden wir im Sommer verschiedene Vertreter der Medienwirtschaft zu uns ein“, erläutert der Filmemacher, während er durch das Atelier in der ersten Etage läuft. „Es geht darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und einfach einen guten Abend gemeinsam zu verbringen.“ Alle Räumlichkeiten der Medienhäuser stünden an diesem Abend offen. „Schade, dass das Fest in diesem Jahr ausfallen muss. Wir hoffen auf 2021“, sagt er.

Das Atelier ist die letzte Station, die Wenkelewsky auf seinem Rundgang vorstellt. Sein Blick wandert durch den Raum, der still und verlassen ist. Diesen Zustand möchte er zeitnah ändern. „Da Kinoscope in die dritte Etage zieht und die Agentur Feinschreiber bald den Standort wechselt, sind die ersten zwei Etagen frei“, erklärt er. „Ich möchte diese Flächen gern neu vermieten.“ Willkommen seien sowohl Einzelpersonen als auch Agenturen aus der Kreativwirtschaft. Besondere Auflagen gebe es nicht. Nur eine Sache sei ihm bei seinen Mietern und Kollegen wichtig: „Sie müssen einfach Bock auf die Böttcherstraße haben!“