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Der Fips von der Kasse

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen.

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Das war schon damals so, als wir Baby-Boomer noch nicht über den Einkaufswagen im Supermarkt gucken konnten – wenn es überhaupt einen gab. Supermärkte waren zu unserer Kinderzeit ja gerade erst hierzulande angekommen. Meine Mutter kaufte damals meistens bei Frau Jürgens ein, die mit ihrem Mann zusammen ein kleines Lebensmittelgeschäft betrieb und die ich nie, wirklich niemals ohne Kittel gesehen habe. Herrn Jürgens übrigens auch nicht, nur dass seiner blau war und ihrer weiß …

Neben den kleinen Tante-Emma-Läden, wie sie Udo Jürgens einst besang, gab es auch noch einen blauen Transporter, der bei uns in der Gegend herumfuhr, an festen Standorten hielt und in Nullkommanix zu einem mobilen Einkaufsladen umgebaut war. Diese fahrende Lebensmittelquelle gehörte zu einem anderen kleinen Laden. Und raten Sie mal, was der Mann am Steuer trug? Richtig, einen blauen Kittel! Sein wichtigstes Requisit war aber eine große Handglocke, mit der er seine Ankunft und den Verkaufsstart ankündigte. Wenn es gebimmelt hatte, kamen meistens Frauen mit Einkaufsnetzen aus den Häusern, manche brachten auch eine Milchkanne mit und ließen sie sich auffüllen – Nostalgie pur. Als meine Altersangabe dann zweistellig wurde, übernahmen nach und nach die zunächst noch kleineren Supermärkte die Versorgung der Gesellschaft, und was ich erzählen wollte, hat sich bis heute eigentlich nicht grundlegend geändert.

Irgendein kluger Verkaufsstratege hatte nämlich die jüngste Zielgruppe im Supermarkt ins Visier genommen und gerade dort, wo man am längsten so herumsteht, das verführerische Angebot für Kinder positioniert. Noch heute sind die Regale rund um die Kasse mit Schokoriegeln, Überraschungseiern, Comicheften und jedweder Art von kleinen Leckereien aufgebaut – natürlich findet sich alles rund um das Laufband in Augenhöhe der Kinder – damit sie das Sortiment in aller Ruhe studieren können, um dann den meistgesagten Supermarktkassen-Kindersatz über die Lippen zu bringen: „Mama, darf ich das?“

Die in Reihe anstehenden Erziehungsberechtigten, die durch die Erkenntnis, wieder einmal die langsamste Kassiererin erwischt zu haben, ohnehin schon leicht genervt sind, gehen einer Diskussion mit dem Nachwuchs dann meistens lieber aus dem Weg und nicken still. So war es damals und so ist es heute, allerdings lag in meinen Baby-Boomer-Kindertagen kurz vor der Kasse noch etwas anderes herum … Etwas, mit dem ich meinen Eltern, Großeltern und weiteren Verwandten sowie dem schulischen Lehrpersonal und meinem gesamten Freundeskreis eine Freude machen konnte und zwar nachhaltig. So legte ich, nach der schon erwähnten Frage gern mal eine Fips-Asmussen-Kassette zu dem Einkauf. Nachdem ich aber sämtliche Witze der ersten drei Kassetten zwar nicht verstanden, aber dennoch permanent überall und ungefragt erzählt hatte, beschloss meine Mutter, mir an der Kasse doch lieber den Erwerb von Kaugummi, Lakritz oder Fix-und-Foxi-Heften zu erlauben … Schade!

Einige Witze von Fips Asmussen kann ich übrigens heute noch, und mittlerweile hab ich die meisten auch verstanden!